Gepäck und mehr – kleiner Ratgeber

eindeutig nicht brevetgeeignet
eindeutig nicht brevetgeeignet
Ausrüstung bei Brevets – Gepäck und Anbauten

Was habe ich schon gesehen bei meinen  kurzen und längeren Brevets: Tourenräder mit schwerem Gepäckträger und zwei fetten Ortlieb Taschen. Vorn noch eine Lenkertasche dazu und einen großen Rucksack auf dem Rücken. Der Randonneurskollege schleppt ordentlich Gewicht mit. 80 Prozent von allem ist überflüssig und wird während der Tour nicht benötigt. Warum  also tut man sich das an? Vielleicht ist es ein gutes Gefühl, den Schlafsack, eine komplette Ersatzbekleidung und Nahrung für drei Tage dabei zu haben.  Allein: 10 kg zusätzlich müssen geschleppt werden. Der Rücken schmerzt nach spätestens 10 Stunden fies, die Träger drücken unbarmherzig auf den Schultern.

Das zur Bequemlichkeit. 10 oder mehr überflüssige Kilos wirken sich bei einem Brevet mit 20 Stunden auf dem Rad besonders bei hügeligen oder bergigen Strecken sehr nachteilig aus. Jedes Kilo will jeden Höhenmeter raufgeschleppt werden.

Wenn es nur durchs Flachland geht, spielt das Mehrgewicht kaum eine Rolle. Dann bleibt der Negativeffekt  auf die Nachteile beim Komfort und das schlechtere Handling des Rades beschränkt.

Als Beispiel habe ich mein Gepäck, abhängig von der Brevetlänge, einmal zusammengestellt:

Grundsätzlich ist meine Devise: so wenig  wie möglich, so viel wie nötig.

Was bedeutet das. Zunächst einmal bewerten, was wirklich unerläßlich ist und unterwegs nicht beschaffbar.

Geld, Kreditkarte, Ausweis, Krankenversicherungscard– und das Ganze in ein wasserdichtes Outdoorportemonnaie gepackt, das ist das Wichtigste!

Dann ein Mobiltelefon mit langer Akkulaufzeit, staub- und wasserresistent. Ohne Schickschnack. Und ein zuverlässiges Outdoor-Navi, Garmin Oregon z.B. Das ist wasserdicht und kann auch mit normalen AA-Batterien betrieben werden. Die sind in jeder Tanke erhältlich. Garmin Edge, Superhandy mit Navigation wie iPhone etc. sind fehl am Platz. Nach spätestens 12 Stunden ist der Saft alle und weder Telefonieren noch Navigieren sind möglich.

Freiwillig verzichte ich nie mehr auf die Sicherheit und den Komfort , den ein gutes Navi bietet. Besonders auf  kleinen Nebenstraßen, bei winkeliger Streckenführung und das  auch noch nachts. Wer an jeder Kreuzung anhalten und mit der Stirnlampe auf die Karte leuchten musste, weiß, was ich meine. Mit einem sorgsam vor der Tour geplanten Track– meistens wird mittlerweile ein Streckentrack vom Brevetorganisator geliefert–ist man immer auf der sicheren Seite. Neben meinem Navi habe ich immer einen zuverlässigen, peinlich genau geeichten Tacho dabei. Nicht, um zu wissen, wie schnell ich bin, sondern um genau zu wissen, wo ich auf der Strecke bin. Für den Notfall geht dann immer noch die Navigation mit Roadbook und Tacho.

Bekleidung:

Eine grundsätzliche Erkenntnis aus reichlich Brevets ist geblieben. Die Kleidung sollte sich immer ergänzen, redundante Schichten bringen nur Zusatzgewicht, aber keinen Zusatznutzen. Das bedeutet: Im Frühjahr fahre ich entweder mit kurzer Hose und habe Knie-oder Beinlinge dabei, oder ich fahre gleich mit ¾ Hose los. Dazu ein Funktionsunterhemd, ein Kurzarmtrikot mit Armlingen oder gleich ein Langarmtrikot. Darüber eine Jacke mit abnehmbaren Ärmeln. Abhängig davon, wie die Wettervorhersage aussieht. Die  angesagten Temperaturen sind ja einigermaßen verläßlich, ob es aber Niederschlag gibt?? Also gehört eine leichte Regenjacke und auch eine Regenhose ins Gepäck. Für die Schuhe habe ich immer „Überzieher“ dabei–wasserdicht. Die wärmen in der Nacht und halten bei einer Regenschlacht dem Wasser stand. Kalte und nasse Füße sind absolute Motivationskiller.

Kommen wir zu Kopf und Händen: Im Frühjahr geht es manchmal bei niedrigen einstelligen Graden auf die Strecke, da sind Langfingerhandschuhe nötig. Und unter den Helm gehört ein Buff, das absolute Multifunktionstuch. Zum Ohrenwärmen, Schweiß abfangen, als Halstuch und und. Ich nehme manchmal sogar zwei dieser Tücher mit. Kaum Gewicht, maximaler Nutzen.

Bei langen Brevets, bei denen die Nacht durchgefahren wird, ist man froh, gegen vier Uhr in der Frühe, wenn die Nacht am kältesten ist, die Regenjacke über die andere ziehen zu können und schon ist es wieder angenehm warm.

Essen und trinken:

Hier gilt es, immer das dabei zu haben, was man für die notwendige Energiezufuhr benötigt. Am wichtigsten sind die Getränke. Zwei Flaschenhalter der soliden Art gehören ans Rad. Und dazu zwei 0,75l Flaschen oder bei heißem Wetter noch besser 2x 1,0l. Zuviel Trinkvorrat hat noch keinem geschadet, nur „trockenlaufen“ ist eine böse Erfahrung. Zu dem, was in die Flasche gehört, gehe ich im Kapitel „Ernährung“ näher ein.

Wenn die Tour über den gesamten Tag geht und auch noch durch die Nacht, ist es angesagt, immer rechtzeitig etwas in den Magen zu bekommen. Nur mittels Energiegetränken Energie zu erzeugen, hält kaum einNormalo auf die Dauer durch.

In meine Trikottaschen packe ich deshalb zwei bis drei Portionen Trockenfrüchte

( Aprikosen, Datteln, Feigen) Vorrat zum Nachfüllen habe ich im Seatbag dabei. Ein paar Apfelschnitze, ein leckeres Brötchen mit Käse oder Wurst. Wenn frühzeitig isst – bevor der Hungerast kommt und immer ordentlich mit Wasser nachspült, funktioniert das Muskelkraftwerk.

Ein paar Energieriegel, für den Notfall ein bis zwei EnergieGel  oder einfach ein paar Gummibärchen oder Mars-Riegel zum Bekämpfen von kurzzeitigem Schwächeln sind auch nicht zu verachten.

Alles andere bekommt man an 24 h- Tankstellen, Bäckereien, Supermärkten– wenn sie denn geöffnet sind. Etwas vorausschauendes Einkaufen schadet nicht.

Nicht mehr als nötig, aber auch nicht weniger!

 

Wohin mit dem Ganzen:

Auch hier gilt für mich ein Grundsatz:

So viel wie möglich ans Rad, so wenig wie möglich an den Körper. Beim Begutachten der Räder- und Gepäcklösungen am Start von Brevets erlebe ich eine wunderbare Vielfalt. Zum einen bedeutet das wohl, es gibt viele unterschiedliche Lösungen. Die Ausrüstung, die  ein Ultra Brevet wie z.B Paris-Brest-Paris durchsteht, ist langstreckentauglich. Also muss man sich nur ins Ziel stellen und die Räder anschauen, die hindurchrollen.

Aber: Nicht alles, was ich dort gesehen habe,  ist auch für jeden Radlertyp geeignet. Es gibt Randonneure, die solch eine Strecke mit einem Riesenrucksack auf dem Rücken durchstehen- trotzdem! Das sollte aber nicht jeder versuchen. Es gibt bequemere Lösungen.

Bewährt hat sich bei mir die Verteilung auf mehrere Taschen. Eine Fronttasche am Lenkerbügel ( Ortlieb, Vaude etc. mit Klickfix-Halterung), wobei mir die wasserdichte Ortlieb am besten gefällt. Dort hinein gehört alles, was man schnell greifen will. Während der Fahrt kommt man gut und sicher an den Inhalt. Am Oberrohr kann man noch eine Rahmentasche aufhängen. Portemonnaie, Ersatzakkus, Energieriegel, all das paßt wunderbar hinein ohne beim Fahren zu stören. Hinter den Sattel gehört all das, was man nicht beim Fahren benötigt. Kleidung, Werkzeug, Zusatzproviant, Rettungsdecke oder Biwaksack etc. Aber was baut man hinter den Sattel?

Beim 200er und 300er Brevet reicht ein kleines Täschchen, ab 400 und Hineinfahren in die Nacht, braucht es Zusatzkleidung, die am besten in einer Tasche hinterm Sattel verstaut wird.

Was habe ich schon angebaut, getestet, verworfen… Es ist eine lange Geschichte von–auch leidvollen– Erfahrungen.

  1. Mein erster Anbau war ein Topeak „Beamrack“. An der Sattelstütze zu befestigen, aus Alu geschweißt, mit einer passenden Tasche oben drauf. Schön anzusehen und es passt auch noch das Nötige hinein. Nur, nach ca. 3000 Einsatzkilometern brach der wunderbare Aluträger einfach durch und hing nur noch an einer winzigen Brücke. Ein Spezialist schweißte das Teil ( das ist eine eigene Geschichte) und dann kamen noch mal geschätzte 2000 km bis zum endgültigen Exitus des Trägers. Fazit: auch bei zulässiger Beladung, aber hartem Einsatz nicht wirklich langstreckentauglich. Weg damit!
  2. Klickfix Halter und Vaude Offroadbag S. Leicht, max. 6 l Stauraum, max. 2 kg belastbar. Ein gutes, wirklich langstreckentaugliches Teil. Allerdings nur mit Überzug regendicht ( umständlich) und nach ca. 5000 km ist der Träger in der Halterung am Wackeln. Kein so gutes Gefühl für die nächste Tour.

Besser: Klickfix Contour max. Sport ( stabilerer Träger, und bis 9 l Tascheninhalt)

Wer einen Trekking Rahmen mit Anlötösen für Gepäckträger fährt, kann natürlich den famosen Träger von Tubus ( airy) montieren. Taschen, die darauf oder daran passen, gibt es reichlich von z.B Ortlieb. Klein und fein.

PBPgepäck

  • hier ein Ortlieb Packsack– wasserdicht, auf Tubus-trägerund Rahmentasche– gesehen bei Paris-Brest-Paris 2011

 

 

Beleuchtung:

Ein ganz wichtiges Kapitel. Wer schon mal eine stockfinstere mondlose verregnete Nacht auf  kurvigen Straßen durchgeradelt ist, weiß gutes Licht noch mehr zu schätzen.

Hier gilt für mich: Keine Kompromisse!

Rücklichter

das ist dann doch leicht übertrieben!

Erste Möglichkeit:

  • Vorderrad mit  SON delux Nabendynamo der Tübinger Edelschmiede „Wilfried Schmidt Maschinenbau“ Leicht, effizient, unzerstörbar. Der Nabendynamo schlechthin.
  • Dazu als Frontleuchte den passenden SON Edelux oder eine Bumm Cyo oder noch besser eine Supernova E3 oder gar die E3 Triple. http://h1987995.stratoserver.net/magento/supernova-e3-triple.html

Hinten am besten eine Rückleuchte von Supernova Lights, die vom Nabendynamo mit Strom versorgt wird.

Zugegeben, dies ist eine teuere Lösung, aber top in Leistung und Zuverlässigkeit.

Das Paket komplett kostet ca. 300 €

Zweite Möglichkeit:

Eine leistungsfähige Akkuleuchte vorn und hinten:

http://www.magicshinelights.de/

  • Hier kann man schnell sehr viel Geld ausgeben oder eben auch sparen. Ich bevorzuge die Frontleuchte von Magic shine MJ 808E  für den Lenkerbügel mit 5600mAh Akku und Rahmenbefestigung und eine Sigma Hiro hinten. Die beiden Teile kosten zusammen ca. 120€ und machen ein tolles Licht. Mit dieser Kombination kann man mit einer Akkuladung sicher durch eine lange Nacht fahren. ( bei auf 30% heruntergedimmter Frontleuchte– immer noch jeder Halogenleuchte überlegen– hält der Akku ca. 10h)
  • Wer mehr Geld ausgeben kann und will, dem sind bei der Beleuchtung keine Grenzen gesetzt. Für die Top Produkte von Supernova oder Lupine kann man auch 1000€ loswerden. Dafür bekommt man aber auch die beste Beleuchtung, die derzeit machbar ist.

Werkzeug und Ersatzteile:

Selbst ist der Mann oder die Frau bei Brevets, wenn es um Reparaturen oder Einstellungen am Bike geht. Mitten in der Nacht auf der Landstraße  findet sich auch keine Fahrradwerkstatt. Und sich nur auf die lieben Randonneurskollegen verlassen??

Wenn man alleine unterwegs ist, zieht auch diese Option nicht.

Das reicht für den Fall der Fälle:

Ein Universalwerkzeug z.B von Topeak ( Alien) ist klein und hat alles dran, was man zur Reparatur benötigt. Ausnahme: man will oder muss die Pedale abschrauben oder gar das Tretlager festziehen. Hierzu sind größere Schlüssel vonnöten. Diese (Not) fälle sind aber höchst selten. Schaltung einstellen, Bremsen justieren, Schrauben anziehen, Rad zentrieren… alles geht mit dem Mini-Tool.

Dazu habe ich immer noch ein kleines Taschenmesser dabei und natürlich ein paar Kabelbinder. Ein passendes Kettenschloß ( Sram), Flickzeug, ein Ersatzschlauch– und wer auf Nummer Sicher gehen will, packt noch einen Ersatzmantel ein. Wer der Kette nach einer Regenetappe Gutes tun will und kein Kettenrasseln hören kann, nimmt noch eine Miniflasche Kettenöl mit.

Und was gehört noch in die Taschen:

  • Ein Paket Tempotücher/ Feuchttücher- für diverse Geschäfte während der langen Fahrt!
  • Ein kleines Notfallset mit Verbandmaterial, Pflaster etc.
  • Ein paar Schmerztabletten
  • Sitzcreme für den strapazierten Allerwertesten
  • Im Sommer eine Tube Sonnencreme
  • Eine Stirnlampe ( für Reparaturen in der Nacht unerläßlich)
  • Ein Notrücklicht als Reserve

2 Gedanken zu “Gepäck und mehr – kleiner Ratgeber

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