400er am 25. Mai – eine Wasserschlacht

Die Wetterfrösche waren sich einig: Es wird reichlich Regen geben und Wind  am 25.Mai! Es gab Regen satt, frischen Nordwest und einstellige Temperaturen.

Niederschlagsradar Brandenburg 25.Mai 2013
Niederschlagsradar Brandenburg 25.Mai 2013

Also beste Bedingungen für Randonneure. Was sagte doch Ralf, unser Organisator, mal: „dem Randonneur ist nichts zu schweur“.

Ralf, der Crosser
Ralf, der Crosser
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Dietmar und Andi am Start

Andi und ich fahren um 05:45 Uhr zum Warmwerden an den Startort Amstelhouse. Schon mal 16 km, und wir sind noch trocken. Wunderbar! Große Vorfreude am Start. Kaffetrinken mit mindestens 30 hartgesottenen Kollegen. Zwei sind wieder „kurzbehost“. Grrrr. frieren diese Menschen eigentlich nicht? Eine Reihe gemeldeter Kollegen haben abgesagt. Angst vor Wasser???  Um 07.00 gehen wir pünktlich auf die Reise. Gerhard Wolf, unser Obertrainingsmeister, hatte schon beim Tee von seinem halben 1000er berichtet, das er aus reinen Trainingszwecken in der vergangenen Woche abgeradelt hatte. „Ich brauche die Kilometer“, so sein Kommentar.

Ab über Spandau und Falkensee raus aus der Stadt nach Westen. Es rollt gut, kaum Gegenwind!? Der Tacho pendelt zwischen 27 und 30km/h. Andi ist guter Laune, und ein erfahrener Randonneurskollege hat sich zu uns gesellt.

das Zugpferd
das Zugpferd

Er macht auch dann die „Pace“ und zieht uns Richtung Nauen. Immer noch ist es trocken, fast scheint die Sonne durch. Sollten die Vorhersagen zu pessimistisch gewesen sein? Wir fahren ins „Ländchen Rhinow“ ein und können Ralfs Kontrollfrage nach der Grundfarbe des Hinweisschildes pflichtgemäß mit „blau“ beantworten. Über Rhinow baggern wir weiter nach Havelberg. Und hier geht es endlich los. Nach genau 80 Kilometern Strecke beginnt es  zu regnen. Der Wind frischt auf: Nordwest– genau von vorn auf die Nase.

Wir halten an und ziehen die Regenjacken über. Zwei Pulks von Kollegen holen uns ein und fahren locker vorbei. Wir sehen Gerhard und Matthias in seinem gelben Lieger . Ab jetzt regnet es nur ein einziges Mal – nämlich andauernd.

fit for rain
fit for rain
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Andi auf der Elbfähre Werben

Nach dem Überziehen der Regenhosen und einer Futterpause sind Andi und ich wieder allein unterwegs. Der Regen wird stärker. Schön, so trocken mit Helmüberzug und dichtem Regenzeug dahinzuradeln. Nur die Handschuhe sind klatschnass. Wie mag es den kurzbehosten Kollegen wohl jetzt gehen? Wir erreichen nach einer wunderbaren Kopfsteinpflasterpassage die Elbfähre Werben, die wegen hohen Wasserstands an einem Alternativpunkt anlegen muss, denn die normale Zufahrtstraße ist überflutet. Selten habe ich die Elbe so breit erlebt. Auf der anderen Seite warten zwei schlammige Kilometer neben Kopfsteinpflaster.

Fähre Werben im Regen
Wasser oben und unten

Unsere Räder sehen aus wie nach einem Crossrennen. IMG_2586Bei so einem Wetter kann man mit dem Ort Werben auch nicht werben! Trist und trostlos. Kein Mensch auf der Straße. Kein Cafe, nichts. Weiterfahren! Die Straße nach Seehausen hatte ich vom 2011er Brevet ganz anders in Erinnerung. Nicht so rau und rumpelig. Ja,ja, die Psyche spielt mit. 18 bis 22 km/h gegen Wind und Regen, toller Speed. Wir fangen an, auf diese saumäßigen Bedingungen zu fluchen um dann wieder den Galgenhumor zu bemühen. Selten bei so wunderbarem Wetter unterwegs gewesen: Nicht zu warm und nicht zu trocken.

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Andi mit Spruch
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Elbe bei Wittenberge
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Rückticket nach Berlin

Irgendwann kommen wir in Seehausen an. Nach einigem Kurven durch den Ort, einem Schlenker an der ehrwürdigen Kirche mit hinausschallendem Orgelklang vorbei, dann das rettende offene Geschäft. Wahrscheinlich das einzige im Ort: Ein NP-Markt. Mit Backwaren- und Metzgertheke . Wir parken unsere Räder im überdachten Eingangsbereich und treffen Gerhard und fünf weitere Kollegen, die schon wieder beim Aufbrechen sind. Also Kontrollstempel bei der freundlichen Verkäuferin geholt, Kaffee und Teilchen gekauft, Regenjacken am Reklameständer aufgehängt: Was will man mehr– und warm und trocken und ist es auch noch. Nach einer mit Genuss vertilgten Bockwurst mit Brötchen sinnieren wir über den Weitergang unseres Brevetabenteuers. Die Klamotten klamm, die Regenjacken auch innen nass. Tolles Gefühl. Erstmals kommt das Wort“ Abbruch“ über unsere Lippen. Andis IPhone Wetterapp zeigt ein Niederschlagsgebiet gewaltigen Ausmaßes. Wir einigen uns, bis Wittenberge weiterzufahren und dann zu entscheiden, ob wir das Unternehmen abbrechen. Es regnet immer noch heftig, die Natur zeigt sich grau verhangen, selbst die gelben Rapsfelder erscheinen vergilbt. Dann überqueren wir die Elbe bei Wittenberge. Die Elbauen sind überflutet. Die Bäume stehen mit den Füßen tief im Wasser. Die Entscheidung fällt uns leicht: hier werden wir in den Zug steigen. Um 16.12 Uhr geht es ab mit der „ODEG“ nach Berlin. Über Neustadt/Dosse, Friesack, Nauen wieder zurück in die Hauptstadt. Der Regen schlägt unablässig an die Scheiben und zieht breite Wasserspuren. Wir sitzen im Trockenen und machen Frieden mit unserer Entscheidung. „Wir sind doch nicht verrückt, die Gesundheit geht vor, es geht doch um nichts…“ So reden wir uns gesund. Andi schickt eine sms an Organisator Ralf, dass wir abgebrochen haben.

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Wasser von unten

Am Ziel, S-Bahnhof Hermsdorf, lasse ich Andi  demonstrativ für ein Foto durch eine Riesenpfütze fahren. Dann radeln wir die letzten paar Kilometer nach Hause. 180 Kilometer stehen auf dem Tacho. 400 sollten es heute nicht werden. In 14 Tagen fahren wir das 600er Brevet. Dann greifen wir wieder an: Bei 23 Grad, Windstille und prallem Sonnenschein.

An unmöglichen Dingen soll man selten verzweifeln, an schweren nie.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)


3 Gedanken zu “400er am 25. Mai – eine Wasserschlacht

  1. Hi Du harter Hund!

    schn, dass Du diese Runde gepackt hast. Das war dann ein 400er mit allem Komfort.

    Dazu meine Erkenntis: Muss man verrckt sein, um ein guter Randonneur zu sein??? NEIN Aber es hilft!!!

    bis zum 600er dann. Dann pack mers gemeinsam.

    Andi und ich wollen brigens den 400er spahalber- ehrenhalber am Wochenende nachfahren. Das war die Erkenntnis nach unserer heutigen Trainingsrunde. Also auch ein wenig verrckt.

    bleib so Gerhard!

    beste Gre

    Dietmar

  2. hallo randonneurdidier,
    ich hab bei dem regen ziemlich gefroren.
    bis km 80: gutes radelwetter,
    beim fotografieren der mitstreiter während der fahrt schlug ich einen purzelbaum.
    bin schön im dichten und weichen laub gut abgerollt, alles i.o.
    bis km 220: lübz, regen mit gegenwind, 8°, saumäßig.
    bis km 333: Neuruppin, guter wind, fast alles wieder trockengefahren, 8°-10°.
    danach die restlichen 80 km fieser regen in der nacht, teilweise richtig heftig, windig und kalt.
    in röbel, km 270, konnten wir im fernsehen das 1:0 und noch den elfmeter zum 1:1 sehen.
    dann machte die tankstelle zu.
    gegen 6.00 uhr wars geschafft.
    kurz vor meiner heimfahrt kam matthias ins ziel. er mußte reparieren.
    auch den einzelradler konnte ich noch sprechen. er schlief zwischendurch in einem wartehäuschen.
    ich mußte vom ziel noch 8 km nach hause fahren, nach fast 1 km ist mein vorderreifen platt.
    bei regen, ich war auch kaputt, schlauchwechsel. eine freude!!!!
    nach 2 h schlaf zu hause war ich zur geburtstagsfeier.
    na klar haben die alle gedanklich den finger an die stirn gehalten. kenn ich ja. normal kann jeder sein!
    jedenfalls konnte ich meinen körperspeicher allmählich, abwechslungsreich und schmackhaft auffüllen.
    alles ohne nasse klamotten am körper. ein schöner abschluß war das.
    zum berliner 600er ist besseres wetter in aussicht, hab ich gehört.

    „“Wir sind doch nicht verrückt, die Gesundheit geht vor, es geht doch um nichts…” .
    eure entscheidung ist richtig und i.o.
    aber geht es nicht immer um etwas? sonst hab ich ja nichts gemacht.

    woge7

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