Bei 38° C nach Görlitz – eine Hitzeschlacht mit Kulturgenuss

38° – die Buddy-Reportage

Diesmal entschieden sich die Buddies, mal eine schöne, entspannende Ausfahrt mit kulturellem Anspruch zu machen: Berlin- Spreewald- Cottbus- Bad Muskau- Görlitz- Hoyerswerda.

Albrecht, Volker, Christian und Dietmar gehen mit leichtem Gepäck und wohlgefüllten Trinkblasen am 26. Juli um 08.15 Uhr  auf die Strecke . Erste Etappe bis zum S-Bahnhof Schönfließ. Drei Treppen rauf, drei Treppen runter. Krafttraining – und dann  30 Minuten warten auf die S1. Gegen halb elf rollt der Regionalexpress mit den vier Buddies in Königs- Wusterhausen ein. Unsere Fahrt kann endlich losgehen. Angenehme 32° , Sonne pur verwöhnt uns. Immer näher rollen wir an den Spreewald heran. Allein: Dietmar hat den Track so gewählt, dass wir immer knapp an den schönen Stellen vorbeifahren. Von beschaulichem Radeln an der Spree keine Spur. Sandwege, auf und ab über sanfte Hügel, Wald und immer wieder Wald. Dann  geradeaus auf der Bundesstraße weiter. Der Wasserverbrauch ist enorm und pendelt sich auf ca. 1 Liter pro Stunde ein.

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Eine Pause auf einem einsam schönen Dorfplatz. Am Schwielochsee finden wir endlich einen Gasthof, wo der launisch aufgelegte Kellner uns Weizenbier (natürlich alkoholfrei), dann Kaffee und Blechkuchen bringt.

Die Kampfmoral ist gestärkt, und erfreulicherweise erreichen wir  in Peitz den ( hauptsächlich von Volker) herbeigesehnten Gurkenradweg.

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Auf traumhaften Wegen geht es Richtung Süden,  mit dem Blick nach Osten zum Kraftwerk Jänschwalde, das von hier aus ganz malerisch ausschaut. Cottbus kommt in Sicht. In der Altstadt rockt der Bär. Eine Band probt in einem Club.

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Wir fahren den Gitarrenklängen nach und stehen auf einem urigen Hinterhof. Vom Bandleader, der aussieht wie Arnie Schwarzenegger zu seinen besten Zeiten,  werden wir eingeladen, doch später in den Club zu kommen.

Es ist schon halb acht – wir sollten uns auf den Weg zum gottseidank gebuchten Ahorn- Hotel machen. An einer Ausfallstraße nach Süden rollen wir vor dem grünen Gründerzeithaus aus.

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und immer schön eincremen
und immer schön eincremen

Zuerst ein Bier, dann bestellen wir unser Essen vor und gehen ersteinmal ausgiebig duschen. Im Biergarten erholen wir uns und genießen die laue Nachtluft. Und Albrecht weiß nun genau, wie ein Steak „medium rare“ wirklich auszusehen hat– nämlich durchgebraten! Der Koch und Chef des Hauses versuchte doch ernsthaft, uns am Tisch klarzumachen, dass der Gast sich doch schließlich gleich hätte beschweren können, ein neues Steak hätte er doch in drei Minuten gezaubert– (angekündigt waren von der Bedienung zuvor 45 Min. Wartezeit) – und beharrte weiter darauf, sein Steak sei wunderbar „medium“ gewesen. Armer Albrecht. Mit der Erkenntnis, dass in diesem Hotel gerade der Chef den höchsten Entwicklungsbedarf in Sachen Gästekommunikation hat, wenden wir uns dem erfreulich gut mundenden Rosé zu und liegen um Mitternacht satt und müde in den Betten.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, das auch der von einer Schwitznacht geräderte Albrecht genießen kann, starten wir in den Tag. Von Buddy Christian, der am Abend noch Gäste zu Hause erwartet, verabschieden wir uns. „Upstanding“, mit lädiertem Hinterteil, rollt Christian zum Bahnhof. Zwei Kilometer, das ist auszuhalten.

IMG_2758Tag zwei der HitzescSlide0026hlacht beginnt. Auf Fürst Pücklers Spuren fahren wir durch die Wälder nach Forst. Für seine Rosen, aber auch für seine hervorgebrachten Radsprinter und Bahnradfahrer ist die Neißestadt bekannt. Da sind wir doch gerade richtig.

Die Sonne brennt unbarmherzig. 36° C sind es bereits. Ein Gefühl, wie ein Hähnchen im Backofen. Orte wie Groß Bademeusel und Klein Bademeusel versprechen mit Hinweisschildern auf Wirtshäuser kühle Erfrischungen. Die Schilder müssen eine Fata Morgana gewesen sein: kein offener Gasthof weit und breit.

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So lassen wir uns am Dorfanger von Klein Bademeusel nieder und verspeisen unsere verbliebenen Vorräte. Paranüsse, Honigwaffeln, Müsliriegel. Und große Schlucke Wasser aus der Trinkblase dazu. Albrecht erholt sich– seine Knie waren weich geworden unter der Dauerbestrahlung.  Alle drei Buddies sind mehr oder weniger angeschlagen. Trotzdem drehen wir weiter die Kurbeln über dem heißen Asphalt.

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Vorbei an Sonnenblumen, riesigen reif-gelben Kornfeldern und durch herrlich kühlenden Waldschatten rollen wir nach Bad Muskau. Eine Runde Fürst- Pückler- Eis verspreche ich. Das motiviert enorm und so erreichen wir irgendwann den eindrucksvollen Schlosspark mit dem genauso eindrucksvollen Schloss. Zwei Hochzeitsgesellschaften können wir bewundern, doch unser Ziel ist das Café im Schlossvorwerk, wo wir unter einer riesigen Kastanie genauso riesige Erdbeereisbecher leerlöffeln.

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Das gibt Kraft. Und dann füllen wir unsere Wasservorräte auf, als gälte es, die Sahara zu durchqueren. Nun, die 70 Kilometer bis nach Görlitz fühlen sich jedenfalls ähnlich an. Aller Saft wird aus dem Körper gezogen. Wir halluzinieren fast und sehen vor uns nicht vorhandene Fleischereien mit knackigen Würsten und kühlen Getränken. Allein: Auf den nächsten 50 Kilometern ist „Servicewüste“ . Geschlossen, nur bis 17.00 Uhr geöffnet, und so fort. Unsere Trinkvorräte reichen tatsächlich bis Görlitz, einer wahren Oase. Und drei Einzelzimmer hat Volker– iPhone sei Dank– auch noch buchen können. Mit  Garmins Hilfe  steuern wir geradewegs die Pension Lisakowski in der Weststadt an. Ich gehe hinein, und zu meinem Schrecken stehen unsere Zimmer nicht mehr zur Verfügung. Der Wirt, ein gebürtiger Iserlohner und somit echter Sauerländer( wie ich) weiß Rat und schickt uns ans andere Ende der Altstadt  zur Pension „Picobello“am Neißeufer.

IMG_2773 Freundlicherweise fährt er mit seinem er mSlide0030it seinem Wagen vor und besorgt uns drei Zimmer. Die Lage des „Etablissements“ ist top. Wir blicken auf die polnische Seite der Neiße, wo wir auf Empfehlung unseres Iserlohners im Restaurant … ganz hervorragend speisen. Keine 60€ für drei Personen incl. Getränke. Und ein traumhaftes Ambiente und sehr guter Service. Da halten wir die Mückenstiche, die wir an diesem Abend abbekommen, gerne aus.

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Am Sonntagmorgen entscheiden wir nach einem ausgiebigen Frühstück, Kultur vor Fitness zu setzen. Also: Görlitz kennenlernen und genießen. Wir erleben die berühmte Sonnenorgel in der Kirche St. Peter und Paul beim Konzert Orgel.Punkt 12. Die Buddies sind aufs Angenehmste beeindruckt von der Stadt Görlitz, die wir bei einer Stadtrundfahrt mit dem „Schleicherbus“ von einer höchst engagierten Görlitzerin erklärt bekommen.

Tafel im Bahnhof Görlitz
Tafel im Bahnhof Görlitz

Solchermaßen körperlich, seelisch, kulturell erbaut setzen sich die Buddies gegen 14 Uhr in den Zug gen Berlin und lassen die zweieinhalb Tage bei Albrecht auf der Terrasse beim kühlen Bier ausklingen.


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