HH – B: Zeitfahren mit Regen satt und Wind von vorn

316 Teilnehmer hatten sich für die traditionelle Jahresabschlußveranstaltung bei Burkhard Sielaff angemeldet.

Am 12. Oktober war es wieder soweit.

Startnummer 234,  Startzeit 06: 53 Uhr, dann eine muntere Tour mit Startpunkt Altengammer Fährhaus und Ziel Olympiastadion Berlin.

Ein Blick zurück zu den Vorbereitungen: Die optimale Streckenführung will ausgetüftelt  werden. 2012 und 2013 habe ich unterschiedliche Tracks probiert, so richtig zufrieden bin ich damit nicht. Da es nur einen Kontrollpunkt nach der Elbüberquerung bei Dömitz gibt, sind viele Wege nach Berlin möglich. Um die 270 km sind es immer. Diesmal entscheide ich mich für mehr Straßen- als Nebenwegkilometer. Das sollte sich als günstig herausstellen. Die Wetter- oder besser, die Regenvorhersage, für den Samstag,  ist übel. So packe ich meine Regenklamotten ein. Helmüberzug, Regenjacke, Überhose, Überschuhe, Handschuhe.

Am Freitag treffe ich im Bahnhof Spandau Rainer, der seinen Titanrenner vorsorglich mit Schutzblechen ausgerüstet hat. Ein gemeinsamer Kaffee, ein Plausch über die vergangene Saison, dann kann ich in den IC nach Büchen steigen, Rainer hat eine Fahrt mit mehrmaligem Umsteigen vor sich. Gegen 16.00 Uhr rollt der Zug in Büchen ein,  und ich mache mich auf den Weg zum „Krümmler Hof“, direkt neben dem Kernkraftwerk Krümmel gelegen. Knapp 10 km bis zum Startpunkt. Nach einer kleinen Erkundungsrunde durch Geesthacht rolle ich zu dem kleinen Hotel. Das Zimmer bietet gerade Platz für mein Orbea, mein Gepäck und mich. Selten habe ich in einem kleineren Zimmer genächtigt. Das Abendessen, Pfifferlingsgulasch mit Knödeln, klingt vielversprechend, ist aber für mich gänzlich ungenießbar. Der Koch hat wohl einen schlechten  Tag. Jedenfalls ziehe ich meine Kalorien an diesem Abend nur aus einem Weizenbier und einem Haferriegel.

Um 05.30 Uhr in der Frühe mache ich mich nach ordentlich gutem Schlummer auf nach Altengamme. Spots on! Die Regenhose bleibt noch im Rucksack. Es nieselt nur leicht.

Am Startort wuseln die Teilnehmer durcheinander, die Startnummern werden ausgegeben, ich gebe meinen Rucksack im Gepäckfahrzeug ab, und dann nichts wie zum Frühstück. Das Team im Fährhaus schafft es tatsächlich, alle satt zu bekommen. Kompliment. Ich drücke mir zwei Portionen leckeres Rührei mit Brot hinein. Dazu Milchkaffe. Frank und Heike, die mit ihrem Tandem starten, sind schon in volle Regenmontur eingepackt. Es wird Zeit, an den Start zu gehen. In kurzer Folge werden die Starter in die Dunkelheit geschickt. Ab geht es um 06.53 Uhr Richtung Elbbrücke Geesthacht und rüber auf die andere Seite. Oh Wunder, noch ist es fast trocken. Auf dem Weg nach Bleckede überholen mich die ersten schnellen Teams. Ich hänge mich dran für 20 Kilometer. Dann, in der ersten Morgendämmerung macht der Himmel die Schleusen auf. Wind von vorn und Wasser von oben. Beides reichlich.. Ich finde einigermaßen rechtzeitig ein Bushäuschen und ziehe meine Regenklamotten über . Zwei Kollegen kommen fluchend herein und tun es mir gleich. Weiter ab in die ersten kleinen Hügel. Ich fahre über eine Betonkante und hole mir meinen ersten Plattfuß am Hinterrad. „Snakebite“, nennt man das. Also rein in einen trockenen Carport und Schlauch wechseln. Hände eingesaut, 120 Hübe mit der kleinen Pumpe, und es kann weitergehen. Ich habe einen Track über Dannenberg gewählt, gute Wege, wenig Schlamm. Gute Entscheidung. Die Kollegen, die über die Landwirtschaftswege gefahren sind, sehen am Kontrollpunkt Dömitz schon eingeschlammt aus wie die Ferkel. Die Brötchen und der Kaffee schmecken. Ein freundlicher Kollege aus dem Orga-Team pumpt mir meinen Reifen mit einer vernünftigen Standpumpe wieder auf rollfreundliche 7 Bar auf. DANKE

Der Plattfuß hat mich weit ins hintere Drittel des Feldes rutschen lassen. Was solls, ich will doch auf „Ankommen“ fahren, hatte ich mir eingeredet . So richtig zufrieden bin ich aber nicht. Zumal mich auch noch zwei fixe Teams überholen und mir zeigen, wie langsam ich bin. Durchhalten! Ich finde meinen Rhythmus und ackere die Kilometer ab. Saftige „Oatsnacks“ in den Bauch, ein Gel, und  reichlich trinken. Die Straßen trocknen ab, und es rollt wieder besser. Ich wähle die Strecke über Perleberg und Kyritz und bin die ganze Zeit allein unterwegs. Hinter Friesack bekomme ich wieder das Gefühl, dabei zu sein. Ich lege keine Pause mehr ein, futtere meine Riegel und ein Brot und bin wieder „mitten drin“. Die Strecke in die Stadt hinein kenne ich wie die Westentasche, dazu brauche ich mein Garmin nicht mehr. Um 18.40 Uhr baggere ich die letzte Steigung zum Olympiastadion und dem Ziel, Horst Kober-Zentrum, hoch–  kleines Kopfsteinpflaster– , und hole mir auf den letzten Metern zum Ziel den nächsten Plattfuß.  Jetzt ist es auch egal. Ich bin platt, der Reifen ist platt.

Ich bleibe unter 12 Stunden, nicht so gut wie beim letzten Mal, aber es ist o.k. 228 Starter hatten sich am Morgen ins Mistwetter getraut, 198 sind in Berlin angekommen.

Klaus Erdmann mit seinen 70 Jahren ist wieder einmal deutlich unter 10 Stunden geblieben. Chapeau, Klaus.

Mit Rainer, der auch schon eine Stunde vor mir eingetroffen ist, trinke ich ein Bier, futtere dann noch zwei übriggebliebene Käsestullen und lasse den Tag Revue passieren.

Rainer spendiert mir noch seinen Ersatzschlauch,  und ich kann mein Orbea wieder rollbereit machen. Wieder warm und trocken, mache ich mich auf zur S-Bahn Station. Es hat wieder angefangen zu regnen, diesmal wie aus Eimern. Auf den letzten Kilometern des Tages von der S-Bahn bis nach Hause sind die Straßen überflutet. Keller sind vollgelaufen, die Feuerwehr ist im Einsatz. 36 Liter Wasser pro msind der bisherige Höchstwert des Jahres.

Ein dickes Lob an den Audax Club SH für die perfekte Organisation und die liebenswürdige Betreuung.

Nächstes Jahr wird es trocken sein, die Sonne wird scheinen,  und der Rückenwind wird blasen.


Ein Gedanke zu “HH – B: Zeitfahren mit Regen satt und Wind von vorn

  1. hallo randonneurdidier,

    schöner bericht! war auch im krümmler hof und hatte dir noch guten appetit gewünscht, scheint leider nicht geholfen zu haben 😉

    beste grüsse.
    karsten

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