Grundlagentraining mit Feinschmeckereinlage

Ich treffe mich mit Peter in Wansdorf. Er kommt aus Spandau, wir haben uns  schon bei der 20- km- Anfahrt warmgemacht für die gemeinsamen Kilometer. Dreiviertel-Hose, Langfingerhandschuhe und Zehenwärmer über die Schuhspitzen gezogen. Um 9 Uhr waren es gerade 4°C.  10 Uhr: Wir  rollen nach Nordwesten über Börnicke und Tietzow über die Rumpelstraße, die wir von diversen Brevets her kennen. Kraniche stehen auf den Feldern, Wildgänse fliegen über uns, diverse Singvögel pfeifen ihr Lied in Büschen und Hecken. Wieder mal: „Naturgenuss“ vom Feinsten. Unser erstes Ziel ist der Karolinenhof   bei der Ansiedlung Kuhhorst, tief im Havelländischen Luch.2014-03-14 13.08.22 IMG_3307

Gela Angermanns hat hier vor über zehn Jahren mit der Herstellung von Ziegenkäse begonnen. Heute geben 85 Ziegen ihre Milch, und Gela bietet mehr als 20 Ziegenkäsesorten an. Peter wusste das natürlich als kundiger Feinschmecker. Und ich profitiere von seinem Tipp. Die Theke ist gut bestückt mit frischen Ziegenkäsespezialitäten, doch vorm Kauf lockt uns das Wintergartencafé zum Verweilen. Ein riesiger Milchkaffee bringt wieder Wärme in den Körper. Alles ist hier liebevoll hergerichtet– eine Atmosphäre zum Wohlfühlen. Schließlich brechen wir wieder auf. Natürlich erst, nachdem wir uns mit ordentlich Ziegenkäse eingedeckt haben. Ausreichend gekühlt wird er durch den Fahrtwind bei meist einstelligen Plusgraden.

Karte Käserunde

Peter lockt mich nun nach Süden in Richtung Werder bei Potsdam. 60 Kilometer sind es bis zur Insel Töplitz und der dortigen Hofkäserei Hennig. Simone, die uns den leckeren Ziegenkäse verkauft hatte, bittet uns, ihrer Kollegin in Töplitz einen Gruß auszurichten. Man kennt sich in der Szene! Zweieinhalb Stunden kurbeln, auch mal mit der Drei vorn auf dem Tacho, das gibt Kraft! In einem großen Südbogen rollen wir über die Wublitzbrücke nach Töplitz. Hier wird der Käse aus Kuhmilch gemacht. Sozusagen der Gegenentwurf zum Karolinenhof.2014-03-14 16.13.08

Ein uriges Bauerngehöft, mitten im Innenhof ein Misthaufen mit durcheinanderwuselnden Hühnern.2014-03-14 16.10.18 2014-03-14 16.09.43 2014-03-14 16.05.28

Der Käse wird–  nur freitags– aus einem Marktwagen verkauft. Die Kühe liegen im Stall und dösen oder schauen den Besuchern beim Käsekaufen zu. So könnte auch ein Bauernhof vor 100 Jahren ausgesehen haben. Ein kleiner Junge jagt die Hühner, die sich allerdings wenig beeindrucken lassen. Offensichtlich ist das für das kleine Kerlchen kurzweiliger als jedes Computerspiel!

Selbsredend kaufen wir auch hier eine Auswahl an leckeren Rohmilchkäsen ein. Mit

wohlgefüllten Satteltaschen, die sonst nur Brevetklamottentragen müssen, verlassen wir die Insel. Nochmal 50 Kilometer in die Kurbeln treten. Wieder Speed machen, damit  der Randonneurskörper merkt, dass schon in zwei Wochen das 200er Brevet wartet. Und da soll wieder ab und an die Drei vorn auf dem Tacho zu sehen sein!

Als ich, nach einem kühlenden Weizenbier auf Peters Terrasse in Spandau, wieder in Glienicke eintreffe, ist es dunkel geworden, und 160 Kilometer stehen als Bilanz eines herrlichen Tages auf meinem Garmin.

Dann koste ich vom mitgebrachten Käse, und ich weiß jetzt, warum der Feinschmecker beide Käsereien ausgezeichnet hat.


Kommentar verfassen