„Die Hölle des Nordens“ – 300er Brevet am 12. April

„Die Hölle des Nordens“, so haben Ingo und Klaus das 300er Brevet getauft.

Hier nun der Bericht von der „Höllentour“: 65 Randonneure tummeln sich vor und im Amstelhouse. Andi und ich sind wie immer per Rad in die Stadtmitte gerollt. Der Körper wird schon mal warm, ein erstes Gefühl für den Tag kann sich entwickeln. Als wir zu Hause um 05.45 Uhr losfahren, ist es noch dunkel. Die Straßen sind vom nächtlichen Regen noch nass, aber „Wetteronline“ sagt: 6 bis max. 14 °C, trocken, schwacher Wind!

Grundlagentraining mit Feinschmeckereinlage

Das sollten doch beste Bedingungen für muntere 310 Kilometer sein, plus An- und Rückfahrt, macht 346 km. Ein schönes Tagespensum wartet. Die Berliner Frühmorgen-Autofahrer sind nett mit uns, um 06.25 Uhr holen wir uns bei Ingo und Klaus die Brevetkarten ab.

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die „Bernauer Leisetreter“
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Gerhard und Andi sortieren sich
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Klaus schreibt – Ingo wacht

 

 

 

 

 

 

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Start um 07.10 Uhr in der zweiten Gruppe. Diesmal geht es nach Norden hinaus aus der Stadt. Üblicher Ampelmarathon – ab Pankow wird es ruhiger, wir rollen gleichmäßig. Auf dieser Strecke kenne ich mich bestens aus, jeder Gullideckel hat mal meine Reifen auf dem Rücken gespürt. Am Ortseingang von Schildow wechsle ich vom breiten Radweg wieder auf die Straße, kurz danach scheppert es hinter Frank und mir! Einer hat nicht aufgepasst und hat noch ein paar Kollegen von den Rädern geholt. Als Frank und ich bei der Gruppe ankommen, haben sich die Gestürzten schon wieder aufgerappelt. Ein Helm ging zu Bruch! Das ausgeschüttete Adrenalin sorgt noch dafür, dass keiner Schmerzen verspürt. Das sollte noch kommen– auch Andi ist bei den Lädierten, wie wir spät am Abend erfahren. Das Feld zieht sich auseinander, ich finde meinen Rhythmus und überhole einige Kollegen. Wie das? Ich gehöre doch gar nicht zu den Schnellen. Hans Müller pedaliert ruhig seinen Stil, mit 77 Jahren!

Hans ist wieder dabei – mit 77 geht noch was!
Hans ist wieder dabei – mit 77 geht noch was!

Wir kennen uns schon lange, er fährt sein Tempo, und nach einigen Minuten lässt er mich ziehen. Bei Liebenwalde treffe ich Gerhard, der mit seinem Trekkingrad unterwegs ist: Seine Schulter ist noch nicht wieder ganz okay. Der gerade Lenker und die breiten Pneus sind ihm diesmal noch angenehmer, ziehen aber das Tempo nach unten. Nun: Er kennt sich aus und schickt mich nach vorn. In Zehdenick der erste Stempel an der Aral-Tanke. Einige Kaffeetrinker aus der ersten Gruppe wärmen sich noch auf, ich fahre sofort weiter. Im Ort sehe ich Andi, der mich fröhlich begrüßt. Allein, er war noch nicht in der Kontrolle, so muss er wieder 500 Meter zurück zur Tanke. Danach bin ich wieder allein auf weiter Flur.IMG_3559

Bis Mirow fahre ich durch den sich lichtenden Nebel und die herrlichen Alleen und Wälder. Gegen 13 Uhr komme ich in Mirow an, km 125, und hole meine Stempel bei „Zweirad Flitzer“, wo gerade ein Fest gefeiert wird.

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Die Inhaberin staunt über die 310 km-Distanz und schenkt mir fürsorglich einen fetten Energieriegel.

 

Eine Gruppe rauscht vorbei. Zwei Minuten später sitze ich wieder auf dem Rad, sehe aber nur noch die Hinterräder der Kollegen. Also rolle ich allein durch den Naturpark und die wunderbare Landschaft nach Kratzeburg. Genuss pur!

 

 

 

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Im Café Piccolino, der Standard-Kontrolle, genehmige ich mir ein dickes Stück Apfelkuchen und einen großen Milchkaffee. Herrlich, hier zu sitzen im Sonnenschein! Peter, Ingo und eine ganze Gruppe fallen ein und lassen es sich gutgehen. Manuel macht nur einen kurzen Halt und geht gleich wieder auf Kurs: Nur auf den falschen, wie er abends im Ziel berichtet. Er war gewohnheitsmäßig auf dem Track des 600er Brevets weiter nach Norden gefahren und hatte nach einem schönen Umweg mehr als 30 Zusatzkilometer abgespult. Für Manuel kein Problem!

etwas "Hölle" – Pflaster im Naturpark
etwas „Hölle“ – Pflaster im Naturpark

In einer kleinen Gruppe pedalieren wir nach 45 Minuten Pause weiter Richtung Quadenschönfeld durch das Quellgebiet der Havel und die sanften Hügel des Nordens. Ich lasse abreißen und fahre wieder mein Tempo. Nach 15 Kilometern fängt mich die Gruppe um Ingo wieder ein. Ich hänge mich ran und rausche mit 30 bis 35 km/h im Windschatten weiter gen Osten.

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„Bodenwellen“ bei Hohenzieritz
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Sascha macht Dampf

 

 

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Peter und Ingo machen die Pace

 

Am – leider geschlossenen – Alten Bahnhof St. Moritz laufen wir auf die erste Gruppe auf, die es sich schon in einem Wanderer-Pavillon gemütlich gemacht hat. Essen, trinken, Geschäfte erledigen. „Aber jetzt fahren wir nicht mehr so schnell“, höre ich erfreut. Die Botschaft hörte ich wohl, allein mir fehlte der Glaube! Also fahren wir ungebremst weiter, nur ist die Gruppe durch den Zusammenschluss jetzt größer geworden.

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Bis Lychen komme ich gut mit, dann in den nächsten Hügeln lasse ich wieder abreißen, kann die Truppe aber bis Templin immer im Blick behalten. Nur wird sie immer kleiner vor mir. An der Aral-Tanke in Templin hole ich mir den Stempel, kaufe einen Liter Cola-Doping und bin wieder „bei der Musik“.

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Als Erster gehe ich wieder auf Kurs, stecke mir mein letztes Brot zwischen die Zähne und rolle in die Altstadt ein. Die gelbe Hausfassade mit dem Assisi-Zitat wirkt mit dem Blick auf die Kirchturmuhr –17.00 Uhr – noch gut 70 Kilometer zu fahren –, überaus motivierend. So früh war ich beim 300er noch nie hier!

 

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Bei Kilometer 280 hat mich die Tempogruppe wieder eingefangen. „Nun bleibste aber bei uns!“, mahnt Peter. Das mache ich gerne, zumal die Jungs so schön Windschatten geben. Wir erreichen den Rand von Berlin, und immer noch ist es hell. Ampelhopping bis zum Amstelhouse. Kurz nach 20 Uhr stehen wir vorm Tresen und setzen den Stempel. Ziemlich genau 13 Stunden für 310 Kilometer. Balsam für die Seele – wenn nicht Klaus Erdmann schon wieder seine Lasagne und den Salat weit vor uns verdrückt hätte! Wie alt muss dieser Crack noch werden, bis er endlich langsamer wird!?

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Lange sitzen wir zusammen und genießen die Rückschau auf den Tag und die Ankunft aller, die noch einrollen. Peter und Frank sitzen irgenwann am Tisch, dann gönnen wir uns noch ein leckeres Weizenbier. Ich beschließe, dieses Brevet umzutaufen in „Naturgenuss im Havelland“. Eine Höllentour war das wirklich nicht.

Erst spät, gegen 23 Uhr, mache ich mich auf, durch die immer noch betriebsame Innenstadt gemächlich nach Hause zu rollen.

Andi, der Sturzlädierte, meldet sich um 23.30 Uhr auch noch im Ziel. Er hat sich heldenhaft durchgekämpft. Erhol Dich gut, das 400er wartet schon!


5 Gedanken zu “„Die Hölle des Nordens“ – 300er Brevet am 12. April

    1. Hi Andy, für einen jungen Rookie warst Du verdammt schnell unterwegs – und die Fotos sind auch gut! Ich klaue mir ein paar davon und setze sie, Dein Einverständnis vorausgesetzt, in meinen Bericht ein. das würde einfach gut passen. Danke

  1. hallo didier,

    wie schon gewohnt ein herrlicher bericht und alles gut getroffen und gewartet hab ich schon drauf.
    gratuliere zu deiner superrunde. deinen beschreibungen ist nichts hinzuzufügen.
    selber hatte ich von fürstenberg bis weit hinter kratzeburg sven r. als begleiter.
    ich hab ihn dann auch nach „vorn“ geschickt.
    beim so vielen schwatzen muß ich immer aufpassen, das trinken nicht zu vernachlässigen.
    in der nacht kam ich dann noch in den regen, was solls, es ist april.
    beim 400er sehen wir uns wieder.

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