Edelstahl trifft auf Carbon – erste Eindrücke vom neuen Canyon Endurace CF Pro

Peter besitzt sein Genesis Croix de Fer seit drei Monaten und ergeht sich regelmäßig in Lobeshymnen: Wie das Gerät über Kopfsteinpflaster läuft, wie toll es verarbeitet ist, wie schön es ausschaut…

Da habe ich es schwer, gegenzuhalten mit Colnago, Merida, Basso und Co. Zumindest sind meine bisherigen Breveträder Oldtimer im direkten Vergleich.

Seit dem 23. August  aber tritt mein neues Canyon Endurace CF pro an zum Vergleich mit dem jungen Edelstahlgerät. Seit gestern sind die ersten 230 km unter den Conti GP 4000 II weggerollt.

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das Endurace vor dem Vers eines unbekannten Dichters in Zerpenschleuse

Und so fing die Geschichte an:

In „Roadbike“ und „Tour“ lese ich die ersten Berichte über das neue Canyon Endurace. Ein „Echter Marathonrenner“, schreibt die Roadbike, „Schwebender Teppich“, zu dieser Beschreibung versteigt sich die „Tour“.  Nach umfassendem Studium der Canyon- Beschreibung und diverser Foren-Artikel, die allesamt sehr gut ausfielen, entscheide ich mich, das Endurace zu bestellen. Erster Eindruck zur Web-Präsenz und zum Bestellprozess: Außerordentlich professionell und kundenorientiert!!! Selbst bei der Auswahl der richtigen Rahmengröße wird man durch Tools unterstützt.

Bestellung am 8. August, Lieferung am 23. August. Beste Kommunikation zum jeweiligen Status der Bestellung und Anlieferung im speziellen „Bike-Cage“. Die Montageschritte sind bestens beschrieben, sogar ein Drehmomentschlüssel und Carbon-Montagepaste liegen bei! Nach 30 Minuten Schrauben und Feineinstellung und ausführlicher Begutachtung im Wohnzimmer am Sonntagabend (die Vorfreude steigt), sitze ich am vergangenen Montag zum ersten Mal auf dem neuen Endurace.

Top Sitzposition! Der Rahmen der Größe S ist für mich mit meinen 173 cm Körperlänge genau passend. Beim ersten Beschleunigen dann das erste Aha-Erlebnis: Kein Rad, das ich bisher gefahren bin, reagierte so direkt! Keine Verwindung, nur Vortrieb! So muss es sein!

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der filigrane, aber überaus steife Hinterbau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann bin ich natürlich sehr neugierig auf den von den Fachjournalisten gepriesenen Komfort. Einen „schwebenden Teppich“, wie die Tour schreibt, fühle ich beim Überfahren einer ersten Kopfsteinpflasterpassage wirklich nicht. Eine maßlose Übertreibung des wohlmeinenden Artikelschreibers!  Das Endurace  rollt zwar straff, aber nicht hart, wie mein Orbea oder Merida. Sicher und wunderbar leicht zu dirigieren geht das neue Gerät über die Buckel. Ein gewaltiger, sofort erlebbarer Fortschritt für einen Carbonrenner! Allein mein altes Stahl-Colnago federt ähnlich elastisch. Ist aber locker drei Kilo schwerer und lange nicht so steif im Antrieb.

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die VCLS 2 Sattelstütze aus zwei Carbonfederelementen
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Campagnolo Chorus 11 Kurbel
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Chorus 11 Schaltwerk

Auf der ersten 80-km-Proberunde stelle ich den Sattel um 5 mm höher ein – die Carbon-VCLS-Stütze federt etwa um diesen Betrag schon beim bloßen Draufsitzen ein. Das will berücksichtigt werden. Den Lenker drehe ich noch um ein paar Grad nach vorn, so kann ich auch sehr bequem Unterlenker fahren. Jetzt noch eine halbe Umdrehung den Schaltzug der Campa-Chorus-Schaltung straffer gestellt, schon gelingt jeder Gangwechsel definiert und genau mit dem Campa-typischen „Klack“.

Der Freilauf des DT-Swiss Spline ist deutlich zu vernehmen, so wie ich es mag! Jeder Kilometer Endurace wird so zum puren Genuss! Fast. Wenn nur nicht der Fizik-Aliante VS so auf meinen Allerwertesten drückte. Dieser Sattel ist zwar ordentlich verarbeitet, aber für mich eindeutig zu breit und auch zu kurz geraten. Also montiere ich für den nächsten Ausritt meinen bewährten Selle SLR. Weil dieser Sattel etwas flacher aufbaut, kann ich die Hightech-Sattelstütze noch 15 mm weiter herausziehen und erlebe noch etwas mehr Sitzkomfort.

Für den nächsten Tag habe ich mich mit Peter verabredet.  Sein Genesis Croix de Fer soll mal bei einer längeren Ausfahrt das Endurace beschnuppern.

Edelstahl trifft auf Carbon! Wir fahren bei herrlichem Spätsommerwetter meine klassische  130-km-Nordrunde. Der Umbau auf den Selle-SLR-Sattel ist die richtige Maßnahme. Jetzt sitze ich perfekt auf dem Bike. Eine Race-Rocket-Pumpe von Topeak und ein schmales Rücklicht von Cube habe ich dem Endurace noch gegönnt.

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Stahl und Carbon in trauter Eintracht

Beim „Schleusengraf“ genießen wir ein Weizenbier in der Sonne und machen eine Fotosession.

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der Wirt vom Schleusengraf auf seinem Rabeneick – old school!

Der Wirt stellt uns sein 72 Jahre altes Rabeneick samt zugehörigem Blechdöschen vor.

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Wir verlassen die gastliche Stätte und rollen gen Westen nach Zerpenschleuse und dann nach Liebenwalde. Die Wurzelwellen auf dem Oder-Havelradweg steckt das Endurace genauso souverän weg wie das Genesis! 1:1 steht es bis jetzt, was den Komfort betrifft.

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das Croix de Fer mit Brevetausrüstung

Mit 7 gegenüber 10,5 Kilo, nackt, gewinnt das Endurace locker die Gewichtswertung. Einen halben Punkt gibt es für die Scheibenbremsen des Genesis. Bei nassem Wetter oder extremen Abfahrten ein Vorteil. Die Nachtfahrtauglichkeit mit Nabendynamo und Supernova-Leuchten steht außer Frage. Mein Endurace bekommt für die Dunkelheit den bewährten Magic Lights Akku LED Flutet angebaut.

Das Kapitel Antrittsschnelligkeit und Wendigkeit entscheidet das Endurace für sich.

Bei der Allwetterfähigkeit macht das Genesis mit seinen famosen Schutzblechen wieder einen Punkt.

Im Kapitel Verarbeitung und Ausstattung sind beide Räder spitze.

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innen verlegte Züge

 

 

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zwei Rahmen der Spitzenklasse
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ein Hinterbau zum Verlieben
DT-Swiss Spline VR
DT-Swiss Spline VR

Und so geht die vorläufige Wertung unentschieden aus. Schaun mer mal, wie die ersten Fahrten mit Brevetgepäck laufen. Meine Viscacha freut sich schon, an die famose Sattelstütze gehängt zu werden!

 

Unser Urteil über die beiden Kandidaten:

Peter freut sich, dass sein Croix de Fer für ihn und seine  „Mehrkilos“ genau das richtige Rad ist. Ich lasse meiner Begeisterung über das nagelneue Endurace freien Lauf: Dieses Rad ist das beste, auf dem ich je gesessen habe!

Nach den ersten langen Strecken mit Brevetgepäck gibt es natürlich ein „Update“ des Vergleichs – ohne Anspruch auf Objektivität oder Vollständigkeit!

 


6 Gedanken zu “Edelstahl trifft auf Carbon – erste Eindrücke vom neuen Canyon Endurace CF Pro

  1. Vielen Dank für den Bericht.

    Bin auf der Suche nach mehr Endurace Infos auf Deine Webseite gestossen und kanns nun kaum erwarten, noch mehr von Deinen Langstreckenerlebnissen zu lesen.

    Nach jahrelanger Pause, habe ich nun auch wieder mit dem Radfahren angefangen und vielleicht schaffe ich 2015 noch meinen ersten 200er

    1. Hi Thomas, gratuliere! Wenn Du wieder Freude gefunden hast am Radfahren.Ein 200er wird doch sicher gehen… Laaangsam, dafür laaange. Und irgendwann bist Du am Ziel – erschöpft und zufrieden.
      Übrigens: Das Endurace hat auch nach mehr als 5000 Kilometern alle meine Erwartungen erfüllt, bzw. übertroffen. Verarbeitung, Qualität des Materials, die Konstruktion überhaupt. Gerade bin ich dabei, das Gerät Paris-Brest-Paris-tauglich zu machen. Eine Supernova E3 Pro ist montiert. Der SON Nabendynamo wird die Lampe ordentlich mit Strom versorgen. Und die Campagnolo Chorus ist endlich so genau eingestellt, dass sie so funktioniert, wie sie soll! Hat lange gedauert. Bei der Verlegung der Züge haben die Kollegen von Canyon noch Optimierungsbedarf! Ansonsten: Top!

    1. Hallo Rainer, Du Mann, der weniger braucht!
      Wundervoller Bericht von Dir! Mit Genuss habe ich mitgelitten, mitgefühlt, …
      Gratuliere zu jedem Höhenmeter, und davon waren es bekanntlich reichlich!
      Wir sehen uns bei HH-B. Startzeit 07.02
      Fahr nicht so brutal schnell, dann kann ich ein paar Kilometer in Deinem Windschatten oder in dem von Klaus lutschen.
      all the best und bis dahin
      Dietmar

  2. Hallo Rainer, das Gerät rollt wirklich gut!!! Auch nach den ersten 1000 km hat sich an meiner Ersteinschätzung nichts geändert. So Muss ein Randonneur gebaut sein, wenn er schon aus Carbon gebaut ist!!! Schade, dass immer noch ich in die Pedale treten muss. So braucht ihr euch auch nicht warm anziehen. Bis HH-B oder besser vorher bei der Abschlußfahrt.
    LG Dietmar

  3. Hallo Dietmar,
    herzlichen Glückwunsch zu Deiner Neuerwerbung. Ja, man muss sich schon immer mal wieder etwas gönnen. Da werde ich ja fast neidisch… . Und bei HH-B werden wir uns wohl mal warm anziehen müssen.
    LG rainer

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