Endurace und Croix de fer auf Tour

Peter ist in Crailsheim aufgewachsen. Und so weiß er zu berichten, dass es dort ein berühmtes Volksfest gibt. Wir beschließen, das Croix de fer und mein neues Endurace zu satteln und in drei Genussetappen von Berlin ins Hohenloher Land zu reiten. Endlich soll das  Endurace zeigen, was es auf langer Strecke kann – in voller Marschausstattung. Und Peter und ich werden reintreten müssen – schließlich müssen wir quer über den Thüringer Rennsteig klettern.

P1010485
Croix de fer und Endurace mit Reisegepäck
P1010479
Starthilfe in Leipzig
P1010489
na, wenn das der Ernst wĂĽsste!

Es soll keine Brevet-(tor) tour werden, Natur und Kultur wollen wir auf dieser Strecke erleben! So entscheiden wir uns, den Prolog mit der Bahn zu erledigen! Berlin bis Leipzig. Hier starten wir nach einem Frühstücksbaguette und einem Milchkaffee bei bestem Wetter. Leipzig ist definitiv keine Fahrradstadt! Straßenbahnschienen, Kopfsteinpflaster, fiese Baustellen – endlich sind wir in den Außenbezirken und finden auf den Elsterradweg. Feiner Schotter, grober Schotter, aber immer die Elster im Blick! Wirklich schön rollt es  dann am Cospudener See entlang, einem ehemaligen Braunkohlentagebau, der zu einem riesigen See geflutet wurde.

P1010495
Gera: der Mohrenplatz mit dem Geburtshaus von Otto Dix

Durch die Elsterauen geht es flott über Köstritz mit seiner Brauerei nach Gera. Der Hunger fängt an, uns zu plagen. So steigen wir am Geraer Mohrenplatz von Endurace und Croix de fer und gönnen uns Kaffee und Kuchen. Ein herrliches Plätzchen haben wir gefunden: P1010497 P1010499

Auf der ElsterbrĂĽcke stehen Tische und Sonnenschirme, der Blick schweift zum Otto Dix-Haus hinĂĽber. Der Maler wurde hier 1891 geboren. Bekannte Radsportler wie Olaf Ludwig, Jens Heppner und John Degenkolb kommen aus Gera! Das motiviert uns, nach der Pause zĂĽgig in die ersten HĂĽgel der Tagesetappe hineinzukurbeln.

SchluĂź mit Lustig! Ab jetzt wird gearbeitet im Sattel!

140px-Wappen_Lederhose
Ortswappen von Lederhose

P1010502Durch Orte mit so wundersamen Namen wie „Lederhose“, arbeiten wir uns über Schleiz und Gräfenwarth bis Saalburg am „ThĂĽringer Meer“. Hier hat Peter das Hotel „Kranich“ ausgemacht, direkt an der TalsperrenbrĂĽcke gelegen, die den größten Stausee Deutschlands ĂĽberspannt. Ganze 28 km ist der See lang. Seltsamerweise mĂĽssen wir nach dem wirklichen Namen „Bleilochtalsperre“lange suchen. Wir nennen den See einfach „Größter“, Nachname Stausee!

P1010508
Der Kranich in Saalburg

P1010507 Im Hotel Kranich finden Endurace und Croix de fer ein beschauliches und sicheres Plätzchen fĂĽr die Nacht im Klimbimlädchen des Hotels – zwischen Postkarten, BierkrĂĽgen und anderen netten Andenken. Der leicht burschikos auftretende Wirt bringt uns zuverlässig „immer noch ein Weizenbier“. Die Qualität der Speisen ist, wie wir bemerken: „verbesserungsfähig!“ Den Wirt stört das nicht. Was er nicht hören will, hört er eben nicht!

Am nächsten Morgen schickt er uns mit einem zĂĽnftigen:  „Männer, dann strengt euch mal an!“ auf die Reise.

P1010511
hier schaut keiner mehr ins Land – schade bei der Aussicht!

Heute ruft der Thüringer Wald mit seinen Höhen! Der Rennsteig will bezwungen werden!  Endlich kann das Endurace mit seinen 7 kg netto plus 6 kg Gepäck plus Fahrer plus 1 kg Lampe, Pumpe, Werkzeug, seine Vorteile beim Höhenmeter machen ausspielen!  P1010512Einige muntere zweistellige Steigungsprozente fordern uns. Rauf ist das Endurace deutlich vorn, runter bei Minus 14% fühlt sich das Croix de fer in seinem Element. Kopfsteinpflaster mag das Stahlgerät mit den 32er Reifen einen Tick lieber als der Carbon-Komfortbrummer. Und der Geradeauslauf bei schnellen Abfahrten ist Spitzenklasse beim Endurace. Es will immer noch schneller und wird nur durch meine Vernunft gebremst! Bei der idealen Gewichtsverteilung mit Viscacha hinten und Bikepack-Barbag vorn rollt es auch bei 65 km/h wie auf Schienen. Nur die Bremsbeläge der Campa-Bremsen jaulen beim Anbremsen wie ein getretener Hund. Das tut der guten Wirkung aber keinen Abbruch!

P1010490
auch im ThĂĽringer Wald kann man es krachen lassen!
P1010519
das Endurace vor einer bayerischen „Bildungszelle“

Meine Kompaktkurbel 50/34 mit dem Ritzelpaket 12-27 funktionieren bei max 12% Steigung optimal. Peter freut sich bei seinem ca. 25 kg höheren „Systemgewicht“ ĂĽber seine Ultegra 3-fach Kurbel!

P1010523
der jĂĽngste ImbiĂźbudenchef von Oberfranken
P1010529
nicht nur in Spanien gibt es Jakobswege
P1010530
Dschungel ja! aber GroĂźstadt?

Mittags ist der Rennsteig geknackt, und wir rauschen durch das Rodachtal runter nach Kronach in Oberfranken. Am Jakobsweg „Kronach-Lichtenfels“ entlang kommen wir in Redwitz in der Rodach an, wo unsere Intuition uns direkt zu einem zĂĽnftigen MetzgerimbiĂź mit herrlich schmeckenden BratwĂĽrsten lenkt.

P1010546
Carbon und Edelstahl
P1010540
Obatzda und NĂĽrnberger in Bamberg
P1010556
im fränkischen Freilichtmuseum
P1010555
Rot auf Carbon und Rot mit Rostloc  

 

Die Rodach leitet uns schlieĂźlich nach Bamberg, wo wir uns mutig ins TouristengetĂĽmmel der Altstadt werfen.image4  Auf dem Platz vor dem altehrwĂĽrdigen Dominikanerbau gönnen wir uns Obatzd´n und NĂĽrnberger WĂĽrstl mit Kraut. Dazu ein Weizenbier. Das hebt unsere Moral und bringt uns die notwendige Energie, um den Tagesendspurt nach Höchstadt in Angriff zu nehmen. Ganz in der Nähe checken wir im Landgasthof Scheubel ein. Peter genieĂźt sein „Schäufele“ und ich mein Wiener Schnitzel. Der Koch kann es! Satt und zufrieden fallen wir um 23 Uhr in die Betten.

Samstag: Letzte Etappe nach Crailsheim! 110 Kilometer im Schongang! Erste Pause im Fränkischen Freilandmuseum bei Bad Windsheim. Natur und Kultur! Hier bekommen wir wieder eine ordentliche Dosis davon. Und Kuchen und Kaffee und Peter seine Wurst.

P1010568
nach drei Weizen gehen wir noch lange nicht nach Hause

Unsere Garmins zeigen nördlich von Rothenburg eine nette AbkĂĽrzungsmäglichkeit, die sich als steiler, schmieriger Waldweg rauf auf 500 Meter Höhe erweist. Schwitzend und mit drei bis sieben MĂĽckenstichen auf Armen und Beinen rollen wir irgendwann erleichtert raus aus dem Wald auf Rothenburg zu. Diese nette Stadt verschmähen wir heute. Bamberg war uns Touri-Rummel genug! Schon um vier rollen wir in Crailsheim ein. Ab jetzt wird es sehr sehr anstrengend: Wir  landen per Zufall auf dem Geburtstagsfest eines alten Freundes von Peter. Wieder mal Weizenbier, Wurst und fĂĽr mich Kuchen. Und abends dann aufs Volksfest mit Peters Freunden, bei denen wir auch ĂĽbernachten können… Croix de fer und Endurace ruhen sich jetzt ersteinmal in Ralfs Garage von den Strapazen der Fahrt aus! Gut gemacht, ihr beiden!

Epilog: Das Drais-Laufradrennen beim Volksfest

Ein paar Impressionen:

P1010584
Startnummern kleben
P1010580
die Top-Starter
P1010579
Steuersatz-Technik
P1010591
je oller, je doller!
P1010577
Drais-Rose
P1010608
Zieleinlauf

Der Sieger des Tages benötigt für die 3,5 Kilometer auf glitschig nassen Straßen gerade einmal 6:30 Minuten. Macht locker mehr als 30 km/h Durchschnitt! Wenn das der alte Freiherr von Drais geahnt hätte!

P1010657
nur, weil ich rot so gut finde!

 

 

 

 

Epilog vom Epilog:

P1010658
Stahl und Carbon auf dem Heimweg nach Berlin

 

 

 

 


Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darĂĽber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.