HHB – Zeitfahren von Hamburg nach Berlin – nicht zu kalt und nicht zu trocken!

10.10.2014, Bahnhof Spandau. image2Rainer wartet schon beim Bahnhofsbäcker – wie jedes Jahr! Ein Milchkaffee und ein Baguette noch, mein Endurace wird hinreichend gewürdigt, Peters Croix de fer steht geradezu verschüchtert neben den beiden Carbonteilen. Bild 2Die Lokführer streiken heute ausnahmsweise nicht, und so steigen wir gutgelaunt in den EC 176, der uns flugs und ohne Umsteigen in 1:30 Stunden nach Büchen bringt. Noch lächerliche 20 Kilometer bis zu unserem Starthotel in Geesthacht Krümmel. Mindestens zehn andere Starter checken auch hier ein. Bild 10Knapp 10 Kilometer sind es von hier bis zum Startpunkt „Fährhaus Altengamme“. Die Luft ist mild, die Sonne lacht, und so rollen Peter und ich schon mal testweise zum Start. Bild 12Das Fährhaus schläft noch, es gibt nicht den kleinsten Hinweis darauf, dass 12 Stunden später hier 300 Randonneure ungeduldig mit den Hufen ( Cleats) scharren werden, um endlich ihre unbändigen Kräfte in Geschwindigkeit Richtung Hauptstadt umsetzen zu können. Nach dem Vertilgen von Schnitzeln, Kartoffeln, Gemüse und dem Zuführen von isotonischem Weizenbier liegen wir um 23 Uhr in den Betten. Um fünf ist die Nacht rum! Ab geht es zum Start, wo wir schon um sechs eintreffen. Startnummern holen, Gepäck abgeben, und dann ins Fährhaus zum rustikalen Frühstück. Bild 14Vor und im Fährhaus nichts als Brot, Wurst, Butter, Joghurt, Kaffee, Tee, Rührei… Wir greifen zu und führen unseren noch nicht ganz wachen Körpern reichlich Kohlenhydrate und Koffein zu.

Die Leisetreter stärken sich
Die Leisetreter stärken sich

Wir werden reichlich Kalorien bis zum Abend verbrennen müssen, um die Räder auf Speed zu halten.Bild 19

Bild 24
das heißeste Brevetrad ever
Bild 23
NSU – ca. 60 Jahre alt
Bild 22
Stilmix mit Tria-Lenker und BUM-Leuchte

Das Orga-Team um Burkhard vom Audax-Club SH hat wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Keiner bleibt hungrig, jeder bekommt seine Startnummer und wenn nötig, auch noch einen  humorvollen Spruch mit auf die Reise.

snel marke
Das SNEL von Crispinus

300 Starter sind gemeldet, die ersten gehen schon um 6.20 Uhr auf Kurs. Mein Start ist um 7.02 Uhr. Mittendrin im Getümmel. Vor mir Klaus, Rainer und Stefan. Die erste halbe Stunde kann ich sie halten, dann entschwinden sie mit 35 km/h in die Morgendämmerung. Zehn Minuten später kann ich mich an einen anderen D-Zug hängen. Zehn Fahrer rauschen vor mir mit 30 bis 35 km/h durch den Nebel. Verflixt! Warum hat noch niemand einen Scheibenwischer für Radlerbrillen erfunden? Also müssen die Zeigefinger mäßig wirkende Wischdienste leisten. Es reicht, um Navi und Straße zu erkennen. In der Nähe von Bleckede holt mich eine schnelle Gruppe ein. Triathleten Berlin 09. Ein Fahrer hat zur Feier des Tages einen Zeitfahrhelm aufgesetzt. Na, dann viel Vergnügen – zehn Stunden unter einem solchen Dach! Dann schiebt sich ein blaues „SNEL“neben mich. Auf dem holländischen Stahl-Klassiker sitzt „Crispinus“, mit dem ich bisher nur per Blog Kontakt hatte. Nun also auch physisch. Ein paar Kilometer rollen wir nebeneinander her und plauschen. Dann biege ich nach rechts ab, mein Track umfährt die fiesen harten Hügel vor Hitzacker.

Bis Dömitz duelliere ich mich mit einem Quest-Fahrer, der bergab an mir vorbeirauscht, den ich aber in den kleinen Anstiegen immer wieder einholen kann. Im flachen Teil kurz vor der Elbbrücke enteilt er mir dann.

 

Bild 28
Elbbrücke bei Dömitz
Bild 32
Kontrolle und Verpflegung

Dömitz erreiche ich um 10.17 Uhr. Fast 30 km/h Schnitt bis zum Kontrollpunkt. Ich bin zufrieden mit mir. Wenn nur nicht die Bernauer Leisetreter heute noch schneller unterwegs gewesen wären! Trinkflaschen füllen, eine Stulle vertilgen, die andere – schon wieder auf dem Sattel – auf die Hand! Die meiste Zeit verliert man mit den Pausen! Ich habe mich entschieden, diesmal die Route über die B5 zu fahren. Hier fahren gerne die Velomobilrenner. Es geht Kilometer um Kilometer nur geradeaus. Saftige Wiesen, exotische Rinder, oben am Himmel hunderte Graugänse auf dem Weg in den Süden. Kein Sonnenstrahl beleuchtet die Landschaft. Nur die milde Luft ist ein angenehmer Begleiter. Milane und Quests (Velomobile) rauschen an mir vorbei. Ich habe das Gefühl, zu stehen, so schnell sind die!

Istrische Rinder in den Elbauen bei Lenzen
Istrische Rinder in den Elbauen bei Lenzen

In Perleberg habe ich den Track auf den kürzesten Weg durch die Stadt gelegt. So komme ich in den Genuss von 1000 Meter Rumpelkopfsteinpflaster. Mein Endurace darf seine Federeigenschaften zeigen! Über eine alte Poststraße, die ein Feldweg ist, erreiche ich schließlich die B5. Mann, was rollt das wieder gut! Zur Belohnung stopfe ich mir einen Bananen-Haferriegel zwischen die Zähne und spüle gut mit Wasser nach. Das gibt Kraft. Und die brauche ich auch, denn es fängt sanft und stetig an zu nieseln, dann wird der Niederschlag zum Regen. Regenzeug anziehen oder warten?! Ich entscheide mich für die Regenjacke und die Überschuhe. Das hält zumindest warm.

Nach endlos gefühlten nassen Geradeauskilometern rolle ich in Kyritz ein. Kyritz an der Knatter. Dieser Beiname kündet von den früher zahlreichen, knatternden Wassermühlen. Hier will ich mir einen Milchkaffee und ein Baguette gönnen. Allein: Ich finde in dieser grauen Stadt keine Bäckerei. Endlich, wieder auf freier Strecke, lockt eine Aral-Tanke mit bunter Würstchenreklame zum Stopp. Würstchen rein, Wasser in die Flaschen, und weiter geht die Reise!

Mittlerweile bin ich außen nass vom Regen, innen nass vom Schweiß. Aber warm ist der Körper, und das ist die Hauptsache! Auf den endlos erscheinenden 56 Kilometern bis Nauen habe ich das Gefühl, ganz allein auf der Strecke zu sein. In Nauen schließlich leiste ich mir einen folgenschweren Navigationsfehler und fahre an der Innenstadtbaustelle vorbei nach Süden aus der Stadt hinaus. Dumm, dass ich erst nach einer 12 km langen Schleife wieder auf meinem Plantrack zurückfinde. Dem selbsternannten Navigationsprofi unterläuft ein solcher Lapsus! „Zeitstrafe“: 30 Minuten, und auch noch Wut auf die eigene Blödheit im Bauch! Beim Durchrollen des Designeroutlets Wustermark habe ich den Umweg vergessen. Auf geht es, in den langen Endanflug nach Berlin.

Die Straßen sind fast trocken, es rollt wieder! Beim Passieren des ehemaligen, verfallenden Olympischen Dorfs in Elstal treffe ich mit einem jungen HHB-Mitfahrer zusammen, der mich fragt, ob ich wüsste, wo es lang geht. Ich bejahe, und wir machen den Endspurt nach Alt Gatow gemeinsam. 150 km war bisher seine längste Tour. Und 270 Kilometer haben ihn schon ordentlich geschlaucht. Aber auch motiviert, so etwas demnächst wieder zu machen. Gut so!

Die freundliche Zeitnehmerin
Die freundliche Zeitnehmerin

18.44 Uhr, es wird schon dunkel,  bin ich im Ziel. 11 h 42 Minuten. Das ist keine Top-Zeit. Als ich dann im Geiste meinen Umweg abziehe, bin ich wieder getröstet.

Frank und Gerhard
Frank und Gerhard, 1500 und 1200 km Breveterfahrung nach der „Kurzstrecke“

Frank, der „Randonneur XXL“ und Gerhard sitzen schon beim Bier. Irgendwann kommt auch Peter, der heute „nicht in Schwung“ gekommen war.

Die beiden Damen vom Grill – natürlich vom Audax SH
Die beiden Damen vom Grill – natürlich vom Audax SH

Kaputt, zufrieden, satt! Dann genieße ich auch noch den Luxus, dass mich Frank und Heike mitsamt Rad bis vor die Haustür chauffieren. Das ist Service! Heiße Dusche, ein großes Glas Rotwein, dann tiefer Schlummer.

Steht eigentlich schon der Termin für  das Zeitfahren HHB 2015?!

P.S.  HERZLICHEN DANK an das ganze Team vom Audax Club SH. Ihr seid Spitze!

EPILOG:

Liebe Kollegen von CANYON: Euer Endurace hat die erste echte Bewährungsprobe mit Bravour bestanden! Ohne zu mucken über Pflaster, Schmodderwege und durch Regen. Das Ganze elf Stunden lang.

Dies ist keine Schleichwerbung, die ist nicht bezahlt, die kommt aus Überzeugung!

Bild 54
Das Endurace mit Kampfspuren

Bild 50 Bild 52

 


4 Gedanken zu “HHB – Zeitfahren von Hamburg nach Berlin – nicht zu kalt und nicht zu trocken!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s