Das Garmin Oregon 600/650 – das ideale Navi für Randonneure?

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Oregon und Edge verstehen sich per ANT

Zum Geburtstag im Mai ließ ich mir von meiner spendablen besseren Hälfte ein Oregon 650 schenken. Das Oregon 300, altgedient, absolut zuverlässig, aber halt in die Jahre gekommen, sollte ersetzt werden. „Das Bessere ist des Guten Feind“, nach dieser Devise hatte ich das 650er mit integrierter Kamera ausgewählt.

Beim 400er Brevet  hatte das neue Teil reichlich Gelegenheit, sich zu bewähren.

Erster Eindruck: tolles Display, Karte gut erkennbar, auch im Sonnenlicht. Großer Fortschritt gegenüber dem 300er. Kleiner-größer-schieben, wischen – wie beim iPhone! Klasse! Garmin hat es endlich gelernt. Die OSM Velomap Germany hat locker Platz auf der 16-GB-Speicherkarte.

Der Track führte nach Süden hinaus aus der großen Stadt, dann an die Oder, Richtung Angermünde. Dunkel wurde es hier. Verdammt, wie stellt man das Display auf Dauerbeleuchtung? Das hätte ich besser vorher ausprobiert. Elend kompliziertes Menü! Andi mit seinem 300er feixte und gab genüsslich an jeder Wegbiegung die Richtung an.

Der zweite Satz Akkus war auch schon im Einsatz. Uff, beim 300er hielten die Akkus mindestens 5 Stunden länger aus. Endlich habe ich herausgefunden, wie das Display erleuchtet bleibt. Wunderbar, jetzt konnte ich wieder Frieden schließen mit dem 650er.

Auch bei Walddurchfahrten blieb der GPS-Empfang einwandfrei.

GPS-Genauigkeit und Displayqualität, die Schnelligkeit des Kartenaufbaus, das sind die ersten dicken PLUS für das 650er.

Warum hat das teure Teil eigentlich keinen Temperatursensor, wie jeder ordentliche Radcomputer???

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hier ein Vergleich von Geocaching-MS

geocaching-ms.de

Nun, dieses 400er Brevet lief sehr ordentlich, das 650er arbeitete zuverlässig, Aber der zweite Satz Ersatzakkus musste kurz vorm Ziel auch noch ran!

Zwischenfazit: Deutlich besser als das 300er. Besonders das Display. Kauf hat sich gelohnt.

10000 Kilometer später

Jetzt ist November. Fast 10000 Kilometer hat das neue 650er mich an meinen verschiedenen Rädern begleitet. Ein paar neue Erkenntnisse sind hinzugekommen. Nicht nur gute!

Ich hatte mich für das 650 entschieden, weil es auch eine ordentliche Kamera eingebaut hat. Wie ein smartphone halt auch. Die Kamera wollte ich einsetzen, um Fotos für meinen Blog zu machen, Fotos von meinen Brevets und langen Touren. So hatte ich mir das vorgestellt. Positiv ist, dass die Kamera eine recht ordentliche Qualität liefert. 8 MP Auflösung ohne Schnickschnack. Bei normalen Lichtverhältnissen ausreichend. Bei Dämmerung und besonders bei leichtem Gegenlicht untauglich!

Fazit: Als Notkamera okay, aber für den Anspruch eines Fotografen nicht ausreichend. Zumal für jedes Foto das Oregon aus der Lenkerhalterung befreit werden muss. In der Praxis viel zu umständlich. Nun weiß ich das auch.

Also konzentriere ich mich auf das Oregon als Navi. Dafür ist es schließlich kernhaft entwickelt worden. Und Navigieren kann es exzellent! Es findet deutlich schneller als das 300er die Satelliten, und die Möglichkeit, auch GLONASS zu nutzen, verbessert die Genauigkeit spürbar.

Wer die Displayqualität eines iPhone gewöhnt ist, sehnte sich schon lange nach einer Verbesserung bei Garmin. Die matte Kunststoffoberfläche beim 300er hat nur den Vorteil, dass sie auch auf Druck reagiert, also auch mit Langfingerhandschuhen zu bedienen ist. Und so hat mich das klare, feine, brillante Display des 600er auch von der ersten Minute an begeistert. Das ist bis heute so geblieben. Wischen, vergrößern, verkleinern, alles machbar. Nur heftigen Regen hat es nicht ganz so gerne. Allerdings ist der Touchscreen mit einem Tastendruck deaktivierbar, und dann kann es schütten wie es will! Auch in der Tasche eingesteckt bleibt die Anzeige unbeeinflusst.

Die Menüführung empfinde ich gegenüber meinem geliebten iPhone als umständlich und wenig intuitiv. Lernen ist angesagt. Aber wenn man sich mit den Möglichkeiten intensiv beschäftigt, bleibt kein Wunsch offen. Bis hin zur Programmierung von „Kurzbefehltasten“, beispielsweise zum Deaktivieren des Displays.

Fazit: Zum Navigieren mitttels Tracks eignet sich das Gerät hervorragend – bei jedem Wetter und bei jeder Beleuchtung. Auf das Routing verzichte ich nach wie vor. Ich lasse mich nur ungern vom Navi um immer wieder neue Ecken lotsen. Hier klappt das mittlerweile besser, aber bei Entfernungen von mehr als 20 km für einen Streckenabschnitt dauert das Neuberechnen lange Sekunden. Und mir macht das Vorbereiten eines Tracks zu Hause mit Basecamp so viel Freude, dass ich es für lange Strecken immer so mache.

Und jetzt zu den kleinen und größeren Ärgernissen:

Stromversorgung:

Besonders gefreut habe ich mich über die Möglichkeit, die Akkus auch von extern zu laden, zumal beim Oregon 650 der original Garmin-Akkupack im Lieferumfang enthalten ist.

Die erste böse Überraschung kam, als ich versuchte, den USB-Stecker von meinem BUM E-Werk einzustecken. Das muss typischerweise gehen, wenn das Gerät in der Lenkerhalterung steckt! GEHT NICHT!

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Am Halter einfach die linke Seite absägen. Funktion und Sicherheit bleiben erhalten
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So geht es, hier beim Colnago mit BUM E-Werk

Was haben sich die Entwickler von Garmin dabei gedacht??? Offensichtlich gibt es bei denen keinen Langstreckenradler, der hätte das sofort bemängelt.

Aber: Es gibt Abhilfe! Eine Laubsäge oder zur Not ein scharfer Seitenschneider ist das Instrument der Wahl. Von der linken Seite des Halters ein Eckchen abschneiden, Kanten schmirgeln, und schon klickt das USB-Kabel widerstandslos ein. Warum kann das Garmin nicht ab Werk?!

Akkulaufzeit:

Von meinem langgedienten Oregon 300 war ich um die 14 bis 16 Stunden Laufzeit gewöhnt. Mit den eingelegten Eneloop 2000 mAh. Noch einen Tick länger hielten die Sony Cycle Energy mit 2500 mAh.

Beim 650er , bestückt mit dem vollgeladenen original Garmin-Akku-Pack, geht der Saft schon nach 7 bis 10 Stunden zur Neige. Enttäuschend! Dabei achte ich immer auf einen stromsparenden Modus: Karte auf Nord eingerichtet, Beleuchtung 15 s, GPS ohne Glonass. Finster wird es in der Nacht, wenn das Display dauernd beleuchtet sein soll, wenn Glonass eingeschaltet ist und auch noch das Routing läuft.

Ohne eine externe Stromquelle oder zwei Sätze Ersatzakkus geht es nicht bei einem langen Brevet mit Nachtfahrt.

Meine erste Maßnahme: Eine Powerbank von Sanyo mit 5000 mAh für mein Rennrad, und an meinem Colnago-Randonneur mit SonDelux und BUM E-Werk die Stromversorgung über Dynamo. Das klappt vorzüglich.

Und nun ein Wort zum wunderbaren Garmin-Akkupack. Für stolze 28 € ist er zu kaufen!!! Da habe ich mich sofort gefragt, welche edlen Bauteile diesen Preis rechtfertigen?!

Nach Zerlegen des Packs, (Verschieben der Akkus und auseinanderziehen) kamen zwei handelsübliche 2000-mAh-Akkus der Marke NEXcell zum Vorschein. Vergleichbar mit den Eneloop 2000. Mitsamt der Kunststoffklammer ein Einkaufswert vom max. 4 €. MAXIMAL!!!https://www.youtube.com/watch?v=86Sk8QOUTAI

In Youtube die Anleitung zum Zerlegen des Packs

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Dafür verlangt Garmin vom Kunden 28 € !!

 

Garmin bietet diesen Akku-Pack für ca. 28 € seinen Kunden an: Ein unfassbarer Wucher, geradezu unanständig!

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im grünen Kreis der Betätigungsknopf für das Akku-Pack

Lösung: Den Akku-Pack selber basteln, aber nicht verbasteln!

Einen Plastikstreifen zuschneiden, 10 x 35 x 1 mm, und dann mit dünnem Tesa über den Betätigungsknopf kleben. Dann z.B die ENELOOP drauf. Schon ist der Akku-Pack fertig. Top Qualität für  fünf Euro!P1010936

Trotzdem: Wenn man für eine hinreichende Stromversorgung sorgt, den Akkupack selber bastelt, den Lenkerhalter USB-steckfähig macht und dann ordentliche OSM Velomaps auf der Speicherkarte hat – ja dann ist es als Randonneursnavi kaum zu schlagen.

Garmin nutzt die Fast-Alleinstellung im Markt weidlich aus, macht gute Geräte und versucht dabei leider, den geneigten Kunden zu schröpfen, wo es immer geht.

Trotzdem: Das Oregon 600/650 ist das Navi der Wahl für jeden Randonneur!


2 Gedanken zu “Das Garmin Oregon 600/650 – das ideale Navi für Randonneure?

  1. Hallo,

    danke für den Bericht!
    Bin begeistert, wie von der ganzen Seite.

    Gab es beim Oregon auch Abstürze oder ist die Software eingefroren?

    Danke,
    Georg

    1. hallo Georg,
      Am Anfang hat sich das Gerät einige Male unmotiviert abgeschaltet, ließ sich aber immer wieder normal starten. Nach Update auf die Firmware 4.30 läuft das System stabil. Scheint so, als ob auch Garmin bei neuen Geräten ersteinmal den Kunden die Fehler suchen läßt, bis dann nach dem Zweiten oder dritten Softwareupdate die Sache funktioniert. Aktuell funktioniert das 650 bestens.
      all the best
      Dietmar

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