Lost Places II

Schon zig Male bin ich auf meiner Trainingsrunde nach Norden hier vorbeigefahren. Dieses Mal schaue ich genauer hin! Nicht auf dem Radweg Berlin-Kopenhagen, sondern auf der Ostseite des Hohenzollernkanals, oder wie es  heute heißt, des Oder-Havel-Kanals, rolle ich nach Norden. Ein paar hundert Meter weiter, auf dem Weg Richtung „Klinkerhafen/ Havelbeton“, komme ich an der ehemaligen „Brotfabrik“ des KZ Sachsenhausen vorbei. P114000680 Häftlinge des KZ „durften“ hier pro Tag 40000 Brote backen. Heute ist nur noch ein verfallenes Gebäude hinterm Zaun zu entdecken.

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So selbstherrlich wurde im „Dritten Reich“ ein Bauvorhaben angekündigt

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Steine für Germania, Granaten für den Endsieg! Es kam dann Gott sei Dank doch anders…

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Im Bereich des Klinkerhafens wurden von den Häftlingen 10000 Granaten pro Tag gefertigt – Um damit noch mehr Menschen umzubringen. Wie müssen sich diese Menschen gefühlt haben – wie hilflos! Wenige haben es überlebt. Neun Tonnen Menschenasche ließ der Kommandeur des Lagers schon im Januar 1945 in das Hafenbecken schütten, um die Spuren des grausamen Terrors zu verwischen!P1140018Tausende von Freizeitradlern fahren auf dem Radweg Berlin-Kopenhagen dort vorbei, ohne zu ahnen, was da vor 70 Jahren Grausames geschah, was  Grausames Menschen von Menschen angetan wurde. Hinschauen! Nachdenken! Innehalten!

Den nächsten „Lost Place“, den ich erkunden will, erreiche ich nach 15 Minuten Fahrt am Kanal entlang: den Grabowsee mit der ehemaligen Lungenheilstätte.

Ein eingezäuntes Areal, direkt am See. Die Blätter rascheln, hier und da schlägt der Wind eine Tür zu. Sonst ist es vollkommen still. Eine gespenstische Atmosphäre, die auch George Clooney angezogen hat. Vier Tage drehten der Hollywoodstar und seine Crew 2013 in den alten Lungenheilstätten Grabowsee  Szenen für seinen Film „The Monuments Men“.

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Auf dem riesigen Gelände verfallen die Gebäude. Hinter Dreifachzäunen, „geschützt“, vor wem eigentlich, vergammelt die einstmals große Pracht!Heilstätte_Grabowsee

„Kids Globe“, so heißt ein ehrgeiziges Projekt, das schon 2006 von einem reichlich optimistischen Menschen gegründet wurde. Nach einem Masterplan soll das Projekt bis zum Jahre 2017 voranschreiten.“ Mit der Internationalen Akademie Kids Globe bricht nun eine neue Zeit am Grabowsee an“. So der Bürgermeister von Oranienburg, Hans-Joachim Laesicke!

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Ich sehe heute nur die erstaunlich aufwändige Absperrung des Riesengeländes von 34 Hektar! Ein Hund bellt, im Bauwagen spendet ein Lämpchen dem einsamen Wachmann ein wenig Licht.

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50 Millionen € sollen zur Grundsanierung der Gebäude erforderlich sein! Und welcher Mäzen spendet das Geld??? Für „Kids Globe“???

So rolle ich von dannen, in der Gewissheit, auch in den nächsten Jahren hier noch einen „Lost Place“vorzufinden.

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So kreativ geht es am Grabowsee zu! Nach dem Anschauen von „Kids Globe“ will ich noch einen Abstecher zum KZ Sachsenhausen machen.

Das  Eingangsgebäude des ehemaligen KZ ist frisch renoviert und sieht aus wie soeben errichtet – irgendwie irritierend!P1140064

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Im Hintergrund die Häftlingsbaracken – wer mag die riesige Walze wohl gezogen haben?

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Der Wahlspruch der KZ ist unglaublich zynisch und menschenverachtend. Die meisten, die hier gearbeitet haben, überlebten die Strapazen nicht!

Wieder einmal, und wieder sehr nachdenklich,  verlasse ich diese Stätte des Grauens. Viel eindrucksvoller ist sie als das Mahnmal in Berlin! Jeder halbwegs interessierte Bürger sollte mal hierher kommen! Das erdet.

Am Oder-Havel-Kanal entlang fahre ich durch Oranienburg nach Süden gen Heimat.

Ein kleiner „Lost Place“ wartet noch: der ehemalige Flughafen Oranienburg:

Werksflughafen der Heinkel Werke , Versuchsstelle für Höhenflüge, Schlachtgeschwader 1, … ein unglaublicher Schauplatz für das Geschehen im 2. Weltkrieg. Heute eine Brache von zig Hektar.

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Verloren wirkt mein Taurine vor dem riesigen Tor der ehemaligen „Einfliegehalle“.

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Heute ist die Ruine des Hangars Projektionsfläche für gigantische Graffiti, und noch steht die Halle unter Denkmalschutz. Als Zeugnis der Bauhaus-Architektur?!

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Nachdenklich fahre ich wieder an meiner Lieblingsbank im Summter Forst vorbei:

Soviel für heute


Ein Gedanke zu “Lost Places II

  1. Gern gelesen,
    ja, die Heinkelwerke hatten hier einen sehr aktiven Ableger, die Landebahn wurde erst um 2000 abgetragen, wird jetzt von der B96 „Ausbau“ zerschnitten. Soweit von mir.
    Leegebruch hieß es glaube ich und einen französischen Friedhof gibt es in der Näher der Straße. Zwangsarbeiter auch dort.

    Vielen dank für diese historischen Ausflüge. Die Zahl der relikte ist doch erstaunlich, auch das offizielle Schweigen, das sie begleitet. Vielleicht mehr übriggeblieben als erwünscht.

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