Lost Places III – noch ein Flugplatz

Von Berlin Frohnau führt ein Radweg über den ehemaligen Grenzstreifen nach Hennigsdorf. Dann durch den Wald nach Bötzow und Schönwalde. Viel Wiesen und Wald, Sumpf und Wasser! In Schönwalde-Dorf finde ich den ersten Hinweis auf den ehemaligen Fliegerhorst: Die Straße „Fliegersiedlung“. Den Weg zum verlassenen Fliegerhorst finde ich, nachdem ich eine Runde durch das „Gewerbegebiet Schönwalde“ gefahren bin.Bildschirmfoto 2014-12-15 um 19.44.10

Die open-mtb-map kennt sogar die ehemalige Landebahn. Für Google Maps ist hier nur Wiese!

 

 

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Der Flugplatz liegt in der Bildmitte

 

Vergammelte Hallen, Schrottautos, Müll, eine Paintball-Anlage. Eine Gegend, in der man sich den „Winterblues“ holen kann. Südlich des Gewerbegebietes folge ich einem moorigen Feldweg nach Osten. Die ersten verfallenen Zäune, dann ein Wachturm. Und das Stahlgerippe mit den riesigen Schiebetoren.

 

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Die russischen Buchstaben am Tor künden von den letzten Nutzern dieser Gebäude. Die russische Armee übergab erst 1992 das Gelände an die deutsche Verwaltung.

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Das ist in Wikipedia über den Flugplatz zu lesen:

„Im Jahre 1935 verlegte die Flieger-, Übungs- und Ausbildungsstelle (FÜS) Hennigsdorf vom nahe gelegenen AEG-Werksflugplatz Nieder Neuendorf zum damals noch „Sportflugplatz Hennigsdorf“ genannten Flugplatz Schönwalde. Ende 1936 wurde die FÜS in die Flugzeugführerschule (FFS) A/B 11 umgestaltet, in der bis 1943 Flugzeugführer für die deutsche Luftwaffe ausgebildet wurden. Im Jahr 1943 wurde Schönwalde Standort der Ergänzungs- und Transportfliegergruppe des XIV. Fliegerkorps.“

Im fahlen Gegenlicht des 15. Dezember wirkt das Gerippe wie ein überdimensionales modernes Kunstwerk.

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leicht verschlissen ist das Sofa – aber die Aussicht ist gut
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Bitte Platz nehmen, der Tee kommt gleich – oder besser ein Wodka?
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Die Dachgrafik

Hidden and Lost! Vielleicht auch gut, dass nicht jeder Besucher des „Ländchens Glien“ im Havelland diese Monumente zu Gesicht bekommt. Es gibt Schöneres zu sehen hier. Irgendwann  wird das Stahlgerippe in einem Schmelzofen landen und sich vielleicht zu einer schönen, flussüberspannenden Radwegbrücke  verwandeln. Mit dieser Vorstellung im Kopf rumple ich über die zerbröselte Betondecke der ehemaligen Startbahn gen Schönwalde und stoße auf den Radweg am Havelkanal.

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Die Biber sind  vor diesem Winter ungemein fleißig und fällen Baum auf Baum.

Auch die Esche Nr. 00288 wird ein Opfer des scharfen Biberzahns.

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Grünkohl mit Mettwurst essen! mmmmh! Das wäre doch was in den kalten, dunklen Tagen! Leider ist dieser Schrebergarten vor hungrigen Radlern gut geschützt.

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Die „Große Freiheit“ ist auch schon winterfest aufgebockt und tummelt sich nicht mehr im Havelkanal.

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Ein Trost in dieser grauen Zeit: Der Schlot des Biomasse-Heizwerks Hennigsdorf bringt Farbe in den Himmel.

Und jetzt ab nach Hause, heißen Tee trinken, die Weihnachtsbeleuchtung anknipsen, Füße hochlegen. Es wird Winter, die längste Nacht ist in sechs Tagen.


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