Festive 500 – eine Etappe an der Oder entlang

Am zweiten Weihnachtstag mache ich eine Festive-Pause. Die anderen sollen heute Kilometer fressen, ich bleibe daheim bei der Familie. Gemütlich genießen ist auch nicht schlecht. Am „Dritten“ Feiertag ist dann die dritte Festive-Etappe dran. Ein frischer Wind aus Südwest ist vorhergesagt, also kann der feiertagsfaule Randonneur die Strecke so legen, dass der Wind immer schön schiebt. Ich suche ein nicht ganz so attraktives Ziel aus: Schwedt an der Oder. Garnisonsstadt, Raffineriestadt, Ziel der „Druschba“- ( Freundschaft) -Ölpipeline. Schwedt wurde im zweiten Weltkrieg zu 85% zerstört. Riesige Plattenbauareale entstanden in der DDR-Zeit. Die Stadt boomte – Raffinerien, Papierfabriken wurden errichtet. Schwedt war die Ölhauptstadt der DDR. Von den 54000 Einwohnern im Jahr 1981 schrumpfte die Stadt auf gerade mal 30000 Einwohner aktuell herunter.

Ein guter Grund, diesen Ort mal per Rad aufzusuchen.

Um 10.20 Uhr treffe ich mich mit Henning in Mühlenbeck am S-Bahnhof. Den Schiebewind spüren wir schon angenehm auf den ersten Kilometern. Nach gut zwei Stunden und genussvoller Fahrt über die Wellen des Barnim kommt das Schiffshebewerk Niederfinow in Sicht.

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Neben dem alten Hebewerk von 1934 entsteht seit 2009 das neue aus Beton, das dann Schiffe von bis zu 110 m Länge aufnehmen kann.

Im Vergleich zu dem massigen Betonbauwerk wirkt die alte Stahlkonstruktion filigran und leicht.

Das über  80 Jahre alte, historische Bauwerk ist als ältestes Hebewerk Deutschlands immer noch in Betrieb und wuchtet pro Jahr mehr als 11000 Schiffe um 36 Meter in die Höhe. 150000 Zuschauer pro Jahr verirren sich ins Oderbruch, um die Technik zu bestaunen. Über Liepe gelangen wir nach Oderberg. Von 4500 Einwohnern im Jahre 1890 sind noch gerade 2100 geblieben. Der ausgemusterte Raddampfer Riesa, den das Museum für Binnenschiffahrt auf dem Ufer der alten Oder aufgestellt hat, wirkt wie ein Klecks Farbe, der  in das eher graue Umfeld getropft ist.P1140846

Frisch lackierter Schiffsrumpf und rostige Laterne. Symptomatisch für die Gegensätze hier im Oderbruch.

Der Zahn der Zeit und die Biber nagen um die Wette.

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An der alten Oder entlang rumpeln wir auf einem teilgeteerten Weg nach Hohensaaten, um dann oderabwärts in den Nationalpark Unteres Odertal einzurollen. „Wunderbar weiches Licht“, bemerkt mein Mitrandonneur Henning, der hauptberuflich sein Geld mit Fotografieren verdient.

Henning beläßt es beim Blick nach Polen. Der aktuelle Rechtsruck und die Rückkehr von Jarosław Kaczyński hat uns den Appetit auf einen Ausflug über die Oder verdorben.P1140885

Bei Stolpe sitzt auf einem Hügel ein riesiger, runder Backsteinklotz. Was ist das denn, fragen wir uns: Wie Wikipedia zu berichten weiß, handelt es sich um die Reste einer Turmburg: „Urplötzlich steht man vor einem Rundturm mit gewaltigen Ausmaßen. Er hat einen Durchmesser von 17,80 m, eine Höhe von 18 m und reicht unterhalb des Turmhügels bis in 10 m Tiefe. Mit seinen 5 bis 6 m starken Mauern zählt er zu den stärksten Bergfrieden Deutschlands. Die Turmburg von Stolpe, die sowohl Wohn- als auch Wehrfunktion vereinigte, ist im norddeutschen Tiefland ohne Parallele. Sie entspricht den Reichsburgen, die von König Waldemar dem Großen in Dänemark angelegt worden sind.“ Das Bauwerk ist vermutlich über 800 Jahre alt.

Nach soviel Natur und Kultur nähern wir uns geschwind dem Städtchen Schwedt, von Weitem zu erkennen an den „Ewigen Flammen“ der Raffinerien. Zügig steuern wir den Bahnhof an, denn wir wollen unbedingt den Regionalzug nach Bernau um 15.08 Uhr bekommen. Nach 15 Minuten hocken wir im warmen Fahrradabteil und lassen uns ein Stündchen durch die Landschaft ruckeln. In Bernau verabschiede ich mich von Henning und  packe noch die Kilometer nach Hause drauf. 135 waren es heute.  Halbzeit ist bei der Festive 500 . Morgen geht es weiter…


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