Lesen!

Auf dem Gabentisch lagen am Heiligabend drei Bücher: „Muks Mäuschen Schlau“ von Yigit Muk, „Erkenne die Welt“, von Richard David Precht und „Gute Beine, schlechte Beine“ von Peter Winnen.

Insgesamt 1150 Seiten Lektüre für die kalten, grauen Wintertage. Fast so viele Seiten wie PBP Kilometer hat. Nur kann ich mir die Bücher portionsweise einverleiben, so wie es für mich interessant ist, so wie ich gerade Lust habe. PBP muss man am Stück bewältigen.

Am besten erst mal in die Umschlagseiten schauen: Yigit Muk beschreibt seinen Werdegang vom Mitglied einer Straßengang hin zum besten Abitur Berlins mit einer Note von 1+, und das Ganze als türkischstämmiger „Hauptschulproll“ aus dem Norden Neuköllns. Hochinteressant – die ersten 50 von 250 Seiten machen Lust auf mehr. Doch auch der Precht scheint mir interessant. 560 Seiten pralles Wissen. „Lesen ist denken mit einem fremden Gehirn“, steht auf dem Rücken des Umschlags zu lesen. Also eher schwere Kost. Das lege ich erst einmal beiseite für die langen Abende im Januar und Februar.

Doch nun zu Peter Winnens „Gute Beine, schlechte Beine“. Dieses Buch zieht mich von den ersten Seiten, von der ersten Story an in sich hinein. Hier schreibt jemand, der es nicht nur in den Beinen hat oder hatte, sondern der auch noch eine Menge Hirn und Verstand mitbringt. Einer, der „mitreißend, herzlich, gemein und drastisch“ über das Radfahren – besser, das Fahren von Radrennen, schreibt. Drastisch ist auch das Titelbild. Schöne Radfahrerbeine sehen anders aus als hier: Das Krampfadergeflecht unterm Knie wird auch durch den muskulösen Oberschenkel nicht kompensiert. Gute Beine, schlechte Beine eben.

Das Buch versammelt die besten Kolumnen, Essays und Kurzgeschichten, die Peter Winnen bis 2008 veröffentlicht hat.

Hier eine kleine Kostprobe – wunderbar geeignet als Motivation, trotz Sauwetter auf das Rad zu steigen. Zu lesen auf den Seiten 108-109:

 Unbenannt

Winnen2Nicht alle Geschichten sind so leicht verdaulich und erbaulich wie diese. Auch die finsteren Seiten des Radsports werden schonungslos ausgeleuchtet. Doping, Betrug, blutige Stürze, Schmerzen – die schlechten Beine.

Peter Winnen schreibt in kurzen, prägnanten Sätzen, formuliert präzise, ohne Rundflüge. Der Bursche schreibt mindestens so gut, wie er mal Rad gefahren ist. Und er war ein sehr erfolgreicher Radsportler.

Bissige und weise Kommentare zum hochgezüchteten, technokratischen Radsport des 21. Jahrhunderts. Philosophische Erinnerungen an seine aktive Zeit, in denen er den Zirkus der Velo-Nomaden in seiner gesamten Schönheit und Schande, Erfüllung und Zerstörungswut reflektiert. Eskapaden als Profipensionär und leidlich ambitionierter Hobbyradler, der sich dreimal wöchentlich seine Ration Glückshormone abholt und den seine Touren auch einmal bis auf 5.000 Meter hohe Himalajapässe führen. Originelle Kurzgeschichten, mit denen er die Macken der Spezies Rennradfahrer entlarvt.“

( Aus einer Rezension von „Buch.de“)

Erschienen ist die sehr lesenswerte deutsche Ausgabe im Bielefelder covadonga-Verlagder sich dem Radsport verschrieben hat:

Der Covadonga Verlag wurde im Herbst 2002 in Bielefeld gegründet, im Frühjahr darauf erschien das erste Programm. Ziel und Ansprach waren und sind es, lesens- und sehenswerte Büchern zu verlegen, die den Radsport zeigen, wie er wirklich ist. Mit allem an Fieber und Faszination, Witz und Wunder, Schönheit und Schande. Inzwischen sind umfasst das Verlagsprogramm mehr als 60 lieferbare Titel rund um die Themenschwerpunkte Profi- und Hobbyradsport.

So, jetzt lehne ich mich zurück und widme mich dem letzten Drittel von „Gute Beine, schlechte Beine“.

Das kann ich schon jetzt voller Überzeugung sagen: ein lesenswertes Buch, auch für Nicht-Radsportler geeignet. Einfach gute Literatur.

LESEN!

 


7 Gedanken zu “Lesen!

  1. „Post aus Alpe d’Huez“ von Winnen fand ich toll! Er schreibt da sehr packend über seine Karriere als Radsportler, vor allem die Tour ist mitreißend geschildert, mit allem Zirkus und Grauen. Kann man mal lesen, wenn der Winter noch lang wird…

    1. Dann wird das mein zweiter Winnen! Danke für die Empfehlung. Und, falls Du es noch nicht kennst: „Das Rennen“ von Tim Krabbé – 170 Seiten, seelenwärmender Stoff für einen langen Winterabend.

  2. …tja wenn ich nicht soviel Radeln würde, oder eben anderen Sport und dann ochmal zeit hätte, dann könnte mir dieser „Schinken“ wohl auch mal gefallen. „Schwuchteln“ – schwächelt bei ein bisschen Niedershclag und hinkt dem Ziel hinterher.
    Ich glaube ich fahre am liebsten bei Kälte & Sauwetter.

    Anbei: Du hast doch eine Relevate Designs Viscacha Satteltasche. Auch eine Lenkertasche ? Wie ist die so ?

Kommentar verfassen