Sa Calobra, die Schlange mit Krawattenknoten

„Da würde ich auch gerne noch mal runterfahren“, meint Peter W., seines Zeichens Randonneurs-Urgestein. Peter hat seinerzeit Berlin als Startort für Brevets ins Leben gerufen, Paris-Brest-Paris, Trondheim-Oslo gefahren, und er gehört zu den wenigen, die schon ein 2000-km-Brevet bewältigt haben. Jetzt, im gesetzteren Randonneursalter, werden die Ziele auf das vernünftig Machbare heruntergeschraubt.

Aber Sa Calobra muss es nochmal sein. Gesagt, getan: Mit den anderen Gruppen zusammen genießen wir die Busanfahrt bis fast zum Gorg Blau. Hier machen wir uns zu zweit auf, durch den kleinen Tunnel, dann runter bis zum Abzweig nach Sa Calobra. Lockere 200 Höhenmeter baggern wir zum Ausgangspunkt der Abfahrt erst einmal hinauf. Puls und Betriebstemperatur kommen in den grünen Bereich. So um 5-7 Grad ist es hier noch kalt. Beim Hochkurbeln ist das schnell vergessen. Nus_de_sa_Corbata_01

Am sogenannten Krawattenknoten, einer 270 Grad Kurve, beginnt die eigentliche Abfahrt.

1932 wurde dieses Meisterwerk der Straßenbaukunst vom Ingenieur Antonio Paretti erdacht. Ohne Einsatz von Maschinen wurden dann die 12 Haarnadelkurven in den Berghang eingefügt.

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Warum dieser unglaubliche Aufwand für die nur 32 Menschen der Ansiedlung Sa Calobra getrieben wurde, ist mir schleierhaft. Peter und ich genießen erst den traumhaften Ausblick und dann die rasante Abfahrt.

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Langfingerhandschuhe anziehen, Bremsen prüfen, ab geht es.P1050057

Gelernt ist gelernt: Peter schwingt sich gekonnt durch die engen Kurven.

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Meereshöhe – 15 Grad – die Straße endet hier.

Im Restaurant La Calobra führen wir uns leckere Kohlenhydrate und Coffein zu. Wir werden dieses legale Doping brauchen, um den langen Anstieg zu packen.IMG_0492

Die schnellen „Haie“ mit ihrem Guide Roger kommen nach uns an, werden uns aber den Berg hinauf locker davonfahren. Wir sind doppelt so alt, dafür auch 2016-03-01 12.36.042016-03-01 11.15.22 halb so schnell. Peter kurbelt locker vorneweg und hat noch Zeit, mich zu fotografieren. Nach knapp einer Stunde stehen wir oben. Die Oberschenkel wissen, was sie getan haben.

Steigung Sa calobra

Der Himmel ist tiefblau, die Sonne lacht, wir sind mit Anstand den Hügel hochgeklettert. Was will das Randonneurs-Herz mehr!?!

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Rapha 500, eine schöne Taschenzier.

Einige Wellen und kleine Anstiege warten noch, bis wir an Kloster Lluc vorbei sind und uns endlich hinunter nach Inca stürzen können. Eine schnelle Gruppe mit sechs guten Abfahrern macht vor uns die Pace. So macht es Freude.

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Zurück am Hauspass weiden friedlich die Schafe im goldenen Abendlicht. Noch einmal hinauf und dann über Calvia hinunter zum wohl verdienten Weizenbier.

Eine Traumtour war das heute!

sa calobra karte

 

 

 


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