Den Frühling suchen an der Havel

4 Grad sind es, als ich um viertel vor Acht auf mein Endurace steige. Lang-lang und die Füße in den Winterschuhen. Es fängt an zu tröpfeln, die Straßen sind feucht, die Autofahrer im Berliner Berufsverkehr benehmen sich wie immer: eilig und unbarmherzig. Ich weiche aus auf den schmalen Radweg. Der Streusplit quält die 4Seasons, ich rumple durch die Stadt in Richtung Süden. Geltow ist das Ziel – Wir treffen uns bei Peter zwei, das zweite Frühstück wartet schon nach 47 Kilometern. Zu dritt dann auf den Havelradweg nach Westen. P1050200

Still ruht der See, nur ein paar emsige Enten paddeln durch die kalte Havel.

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In Werder dann „Easy Koing“ und „Fuck da Police“. Da weeßte, wo et langjeht in Brandenburg…

Wir biegen auf den Havel-Radweg ein. Tausende Graugänse sitzen in den Auenwiesen, schnattern und lassen sich von uns aufscheuchen. Peter fliegen sie geradezu aus dem Mund.P1050203

Die Weiden stehen schon in Blüte. Die Kätzchen hängen fett und leuchtend an den Büschen.P1050208

Der renovierte Havelradweg ist in einem erstklassigen Zustand. Reiner Genuss, über den wunderbar glatten Asphalt durch die Landschaft zu rollen.

In Götzer Berge gammelt die ehemalige Bildungsstätte für Forstarbeiter vor sich hin.

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Oben am Zaun entdecken wir „Kunst am Bau“ – Waschbecken in Reihe, bepflanzt mit was auch immer. Eine Installation der besonderen Art. Die ersten grünen Blätter schieben sich ans Licht

 

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Was die ehrwürdige riesige Buche daneben so alles zu sehen bekommt!

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Den Götzer Berg mit seinen sagenhaften 108 Metern Höhe lassen wir hinter uns. Der Radweg bis nach Brandenburg ist ein wahres Gedicht, nachdem hier 4,5 Millionen Euro in den Ausbau investiert worden sind. Gut so!

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Um halb zwei stehen wir vor dem riesigen Brandenburger Dom. 850 Jahre Backsteinherrlichkeit. P1050224

Mein Endurace lehnt sich  ergriffen an.

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Irgendwo bei Klein Kreutz

Weiter nach Norden – gen Päwesin, wo der berühmte Kuchen im Backwahn auf uns wartet, vorbei an weiten, mit Folien bedeckten Spargelfeldern.

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Die Suche nach dem Frühling endet heute nach 168 Kilometern mit Nordostwind und kalter Winterluft erfolglos. Weidenkätzchen und Graugänse geben uns  eine kleine Idee davon, wie es bald hier grünen und blühen wird.

Vorfrühling
Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
(Rainer Maria Rilke, 1875-1926)

 


4 Gedanken zu “Den Frühling suchen an der Havel

  1. …ach schööön, Dietmar.
    Wie ich sehe seid Ihr wieder in der Heimat unterwegs und habt die Gefilde der Warmduscher verlassen – so ist es gut.
    Deine Heimatimpressionen treffen bei mir irgendeinen Nerv… .
    Danke.
    LG rainer

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