Havelland – Roter Stern, Ribbeck und Auszeit

„Schreib doch nicht ĂŒber jede kleine Ausfahrt gleich einen Blogbeitrag“, so mahnt mich meine bessere HĂ€lfte. Sie muss es ja wissen, schließlich ist sie „vom Fach“ und beschĂ€ftigt sich von morgens bis abends mit dem Geschreibe anderer.

Heute kann ich mich aber nicht zurĂŒckhalten, heute geht es um einen kleinen Ausflug, dafĂŒr aber um große EindrĂŒcke. Die Tour fĂŒhrt immer der Nase nach, von Potsdam aus in Richtung Nordwest, hinein ins Havelland. Henning braucht noch Trainingskilometer vor seinem „Transcontinental-Race“ nach Istanbul. Auch meine Beine freuen sich ĂŒber jeden Kilometer – am 13. Juli starte ich bei der Dutch Capitals Tour.

Henning freut sich ĂŒber sein frisch erworbenes Canyon-Endurace. „FĂ€hrt sich absolut unspektakulĂ€r locker und komfortabel“. So soll es sein! FĂŒr die anstehenden AlpenpĂ€sse Ende Juli werden wir noch eine schöne Kurbel von Sugino montieren, damit er auch im Anstieg noch locker kurbeln kann.

Heute freuen wir uns am Surren der Ketten, an den in der Sonne leuchtenden Weizenfeldern, den tiefblauen Seen und den architektonischen Kleinoden in den Dörfern des Havellands. So gesehen in der 500-Seelen-Gemeinde Retzow:

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Die SchinkelÂŽsche Laterne hat die Zeiten schadlos ĂŒberdauert. Die LPG gibt es nicht mehr, und die Tiere werden nicht mehr „produziert“. Erfreulicherweise sichten  wir wunderschöne Rinder und Pferde auf den umliegenden Weiden. Es scheint ihnen gut zu gehen ohne LPG.

Durch sattgrĂŒne WĂ€lder und ĂŒber rumpelige Straßen kurbeln wir gut gelaunt nach Nennhausen. Hier biegen wir wieder nach Westen ab. Henning setzt das Tempo rauf auf 30 km/h. RĂŒckenwind erleichtert das   flotte Fahren. Auf dem Flugplatz „Bienenfarm“ sollte es eine kleine Trinkpause geben. Pech gehabt: Mo und Di ist Ruhetag. Erst am kommenden Wochenende beim Treffen der Boeing-Stearman-Doppeldecker wird hier wieder richtig was los sein. IMG_0784

Dann werden sicher die Piloten der Oldies am Lagerfeuer sitzen und Fliegerlatein produzieren.

Henning und Peter haben mĂ€chtig Durst. Die Trinkflaschen sind leer. Hilfe ist in Sicht – In Ribbeck sollten wir in der „Alten Schule“ vorm Verdursten gerettet werden.IMG_0786IMG_0787IMG_0789IMG_0791IMG_0792IMG_0795

„Wiste ne Beer? Kumm man röver, ick hebb noch mehr…“

Im Schatten der alten BĂ€ume zwischen Schoß Ribbeck und dem „Schul-CafĂ©“ lassen wir es uns gut gehen. Dieser illustre, gastliche Ort steht in meiner Liste „Kultur und Gastlichkeit im Havelland“ ganz weit oben.

Der Durst ist gelöscht, Henning hat eine Bockwurst verdrĂŒckt, Peter einen Salat. Zeit, wieder ein paar Kilometer zu rollen. Vorher  aber mĂŒssen wir unbedingt das Schloss vom  Ribbeck auf Ribbeck anschauen. Im Park entdecke ich drei hingestreckte Bronze-Schönheiten.IMG_0797IMG_0798IMG_0799

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Hingestreckte Schönheiten – Bronze und Stahl

Der Bildhauer Knuth Seim hat 2009 die Bronze-Gruppe „HavelmĂ€dchen“ geschaffen und mit Zitaten aus dem Fontane-Gedicht „Havelland“angereichert.

„Und an dieses Teppichs blĂŒhendem Saum
Die lachenden Dörfer, ich zÀhle sie kaum:
Linow, Lindow,
Rhinow, Glindow,
Beetz und Gatow,
Dreetz und Flatow,
Bamme, Damme, Kriele, Krielow,
Petzow, Retzow, Ferch am Schwilow,
Zachow, Wachow und Groß-BĂ€hnitz,
Marquardt an der stillen SchlÀnitz,
Senzke, Lenzke und Marzahne,
Lietzow, Tietzow und Rekahne,
Und zum Schluß in dem leuchtenden Kranz:
Ketzin, KetzĂŒr und Behlefanz.“

Fontane, der große Freund des Havellands, kannte offensichtlich sogar das Örtchen Retzow.

SpĂ€t ist es geworden, die Sonne steht schon schrĂ€g im Westen und leuchtet milde auf die Felder und Wiesen zwischen Ribbeck und Nauen. Der Radweg ist  ein „Gedicht“. IMG_0808IMG_0809

Auf dem Weg nach Hennigsdorf kommen wir ganz automatisch an meinem Lieblings-Pausen-Imbiß vorbei:Bildschirmfoto 2016-06-29 um 12.33.49

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Noch ÂŽne Pause in der Auszeit in Pausin.

Knapp 150 Kilometer sind es  geworden heute. Mit einem knackigen, langen Schlußspurt  immer ĂŒber 30 km/h. Peter aus Staaken hat sich zu uns gesellt und muss seine ansteigende Form zeigen. Zudem lockt uns ein sehr sportlich vorbeirauschendes RennradlerpĂ€rchen, unter Beweis zu stellen, dass auch Randonneure schnell fahren können. Sie können!


11 Gedanken zu “Havelland – Roter Stern, Ribbeck und Auszeit

  1. Entscheidend ist es, den richtigen Rhythmus zu finden und nicht am Anfang zu schnell zu fahren. Richtig getimte Erholungspausen, in denen dann gut gegessen, getrunken wird. Und dann einfach so tun, als sei die nÀchste die erste Etappe.

  2. Dann halte ich natĂŒrlich Euch allen dreien die Daumen, dass es gut geht und bin außerdem sehr gespannt, was Du berichten wirst. So ĂŒber das Jahr bereitest Du Deine Leser jedenfalls gut auf die immer lĂ€nger werdenden Strecken vor!
    Gerade habe ich mal auf der Website nach den Zeitvorgaben geschaut. Das kommt ja dann auch noch dazu. Meinen Respekt! Kein Wunder, dass Deine bessere HĂ€lfte eine Tour von 150 km als „kleine Ausfahrt“ abtut. Sie muss einiges gewohnt sein!

  3. Hallo Peter, Danke fĂŒr die „Blumen“, freut mich sehr😊 Henning findest Du in der Starterliste unter Henning B… Eine Startnr. Habe ich noch nicht.

  4. Hallo Dietmar,
    deine Berichte sind „Grosses Kino“ . Wenn ich die Benachrichtigung bekomme, dass etwas von dir im Briefkasten ist,
    bin ich auch gleich am Lesen. Bitte schreib weiter ĂŒber deine Touren. WĂŒnsche Dir und auch Henning alles Gute fĂŒr Eure Touren. Es wĂ€re schön wenn ich die Startnummer von Henning bekĂ€me, dann könnte ich seine Tour verfolgen.
    Alles Gute fĂŒr Deinen Ritt durch Holland..

  5. Wir werden zu dritt nach Holland reisen. Und dann jeder fĂŒr sich die 1425 km unter die RĂ€der nehmen – Unsere Marschgeschwindigkeiten, die resultierenden Ruhepausen werden unterschiedlich sein. So nehme ich an, werden wir, wie es Randonneuren zukommt, langsam, laaang und manchmal ganz allein auf weiter Hollandflur unterwegs sein. Um uns schließlich und hoffentlich im Ziel wiederzusehen. „Schaun mer mal“
    Und dann fĂ€hrt Ende Juli Hennig nach Istanbul – noch lÀÀÀÀnger, und Höhenmeter satt.

  6. Dankedanke, der VORname reichte ja schon, die Starterliste weist einen einzigen Henning aus…Toll, daß er es unter die 300 Starter geschafft hat. Und Respekt fĂŒr den Mut

  7. Verzichte bitte nicht auf die „Kurzfahrten“-Berichte. Du hast einen Klasse Schreibstil und auch dieser Bericht ist wieder ein Genuss. Freue mich jedes Mal darauf.
    Gibts zur Transcontinental vom Freund Henning dann auch was zu lesen? WĂ€re toll! Viel Kraft und Erfolg. Das wird ne Lebenserfahrung.

  8. Jede Fahrt ist wichtig! Bitte, das der Gattin zu bestellen. Und wer die Fahrten so garniert wie Du, darf erst recht davon erzĂ€hlen. WĂ€hrend meine Tochter Beatrice gestillt werden mußte (2008), drĂŒckte ich erstmals vorschriftswidrig die Ribbecker Schulbank. man lernt nie aus. Viele radsportliche GrĂŒĂŸe an den Mitfahrer Henning. Da ich „TCR“ auf dem Bildschirm anhand der Tracker verfolge, wĂŒĂŸte ich gern, welche Nummer der erwĂ€hlte trĂ€gt. . . .

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