Berlin im Winterlicht – mit Licht und Schatten

Mit dem Basso-Crosser wieder mal in die Stadt. Ist das nun Genuss, oder doch mehr eine „Auto-Ausweich-Unfall-Vermeidungsfahrt“? Etwas von Beidem! Berlin ist eben schön und hässlich zugleich. Und immer spannend. p1060912

Die Hochhausbemalung in Tegel ist bombastisch und anrührend zugleich. Kleiner Star ganz groß!

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Und vor der Humboldt-Bibliothek in Tegel stehen passend Wilhelm und Alexander in Überlebensgröße. Was der Affe zwischen ihnen sucht, habe ich noch nicht ergründen können.

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Der Angestellte“ vor einer Bank im Hansaviertel – Realismus in Bronze. Bis hierher kann man recht ungestört von Norden aus auf dem Radweg am Hohenzollernkanal entlang zur Stadtmitte gelangen. p1160830

Im Hansaviertel mache ich einen Bogen zur Akademie der Künste hin. Waschbeton reichlich, dazu leicht angegammelt. Henry Moore´s Liegende liegt hier seit 1961. Sie scheint einiges auszuhalten. Derzeit liegt sie hinter Gittern, weil wieder einmal renoviert werden muss. Kunst auf Weltniveau im unfreundlichen Umfeld. Dazu das kalte Nieselwetter. Bekomme ich jetzt den Herbstblues?fullsizeoutput_2b40

Nein! Hinter dem Bundespräsidialamt im kleinen Englischen Garten erfreut mich der Knabe mit Pony: Ein junger Knappe und sein Pony halten Rast. Die Bronzeplastik wurde 1896 von Erdmann Encke gefertigt.

Dann rolle ich zum Großen Stern hinüber und stehe unvermittelt vor dem großen Helmuth. ( von Moltke) nicht Schmidt! p1160849

Die Straße des 17.Juni hinunter, dann durch das Brandenburger Tor auf den von Touristen bevölkerten Pariser Platz. Was ist hier eigentlich außer dem schönen Tor noch zu sehen?

Am Adlon und an der Britischen Botschaft vorbei kurbele ich gen Süden. P1160860.JPG

Vorbei an der „Topografie des Terrors“ und dem Gropius-Bau. dann hinüber  zum Museum für Technik und vorbei am Anhalter Bahnhof.p1160869

Ben Wagin, eigentlich Ben Wargin, hat hier seine Aktionskunst gesammelt. Holz, rostigen Stahl, Steine… Das muss man mögen – oder auch nicht. p1160868p1160874

Kultur zum Lesen und zur geistigen Erbauung.

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Der neu geschaffene Park am Gleisdreieck entfaltet einen besonderen Charme, so ohne Menschen, ohne Lärm.p1160879

Hier flanieren im Sommer die Familien, turnen die Biker über die Wellen und schlürfen die Genießer ihre Bierchen. Mittendrin in Berlin. P1060915.JPG

Auf dem Rückweg nach Norden mache ich noch einen Abstecher zum Flughafen Tegel. Ich frage mich durch zu einer Art „Lilienthal-Denkmal“, das es hier geben soll. Hinter dem Hauptterminal, neben einer Imbissbude liegt der Arme vor mir. „Der Fall Daidalos und Ikaros“ 1997 von Rolf Scholz geschaffen . Eine Anspielung, nein, ein klarer Bezug zum Namensgeber des Flughafens Otto Lilienthal. Welch eine Achtlosigkeit, Gedankenlosigkeit, Geschmacklosigkeit der Menschen, die das Werk hierhin verfrachtet haben. Hier nimmt das Kunstwerk kaum jemand als solches wahr. Kaffeebecher und Pommes-Schalen landen auf den Bronze-Flügeln. Dreckig ist der Ikaros zu allem Überfluss auch noch. Pfui Teufel! Wenn so der Namensgeber des Flughafens auf den kalten Fliesen, an einem Seil festgebunden daliegt, überkommt mich der Zorn. Der Zorn auf achtlose Stadtväter, -verordnete, auf alle, die solch einen Blödsinn zu verantworten haben. Und sicher auch noch ordentlich Geld dafür ausgegeben haben.P1060917.JPG

Wer war 1997 eigentlich Kultursenator dieser wunderbaren Stadt? Ich würde ihm gerne meine Meinung dazu verabreichen.p1060925

Am Kurt-Schumacher-Damm steht das alte „Cinema L`Áiglon“. In den 50er Jahren für die französischen Soldaten und ihre Familien gebaut. Zwanzig Jahre ist es her, dass die französische Armee und die Familien der Offiziere aus dem Norden Berlins abzogen, ihre Wohnviertel am Flughafen Tegel, in der Cité Foch und der Cité Joffre, räumten und die Baulichkeiten der Bundesvermögensverwaltung und der Bundeswehr übergaben. Heute sind die Bauten verlassen, vergammelt und modern vor sich hin. Auch ein Beispiel für Achtlosigkeit, Konzeptlosigkeit in dieser doch auch so schönen, spannenden Stadt.

 

 

 


8 Gedanken zu “Berlin im Winterlicht – mit Licht und Schatten

  1. Ja, der „Lilienthal“ ist wirklich der Gipfel, ich wußte gar nicht, daß der da liegt. Andererseits ist das eine perfekte Illustration der zeitgenössischen deutschen Lage – den Imbiß eingeschlossen ;). Verantwortlicher Kultursenator war BTW von 1996–1999: Peter Radunski, CDU. Noch Fragen?

      1. Ja, es gab schlimmere Berliner Politiker. Insofern ist der „Lilienthal“ entschuldigt. Ich finde die Präsentation dennoch totenpeinlich und bezeichnend. Aber wie sagt mein Kunstlehrer (Barlach-Schüler) immer: Kunst ist Reaktion auf die Zeit(umstände. RM)… Berlin sieht in dieser Jahreszeit ansonsten ja immer etwas schmuddelig aus – das sind die Härten der geografischen Lage und wir haben noch Glück: Wir haben den Golfstrom;).

      2. Kleine Korrektur: SagtE mein Kunstlehrer… Der ist leider schon lange nicht mehr unter den Lebenden.

  2. Gut beobachtet – Lilienthal ist der Gipfel, in der Tat! Aber so lange kein auswärtiger Staatsgast ihn zu Gesicht bekommt, darf er sich weiter von Brosamen des Imbiss nähren. Merkt ja keiner. Sei die Stadt noch so gegenwärtig in der öffentlichen Darstellung: Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander.

  3. Hallo Dietmar,

    schöner Bericht.

    Berlin habe ich zuletzt 1988 erlebt, im Rahmen eines Marathons. Während der Deutschland-Tour mit meinem Sohn werde ich aber nochmal hinkommen, vielleicht schon im nächsten Jahr.

    Gruß Uwe

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