Festive 500 – Impressionen

Heiligabend,  Festive-Ausfahrt mit dem Weihnachtsmann.

Der Weihnachtsmann, alias Peter S., trägt eine dekorative Mütze mit beleuchteter Bommel auf dem Kopf. In Ermangelung von Schnee posiert er in Bötzow an farblich passendem Schneemann mit zugehörigem, bemützten Grenzstein.

An den Weihnachtstagen schüttet es stundenweise wie aus Kübeln. Festive-Fahren macht keine Freude, ist aber möglich. 🎅🎄🌧☔️

Am „dritten“ Weihnachtstag, dem Tag nach Weihnachten, locke ich Peter W. auf einen Track, der vom Griebnitzsee nach Osten und immer weiter nach Osten führt. Das Klosterstift Neuzelle, nahe der Neiße-Mündung in die Oder soll unser Ziel sein. Um die 150 Festive-Kilometer, das wär doch was. Und dann auch noch fahren mit ordentlich Wind von hinten. Peter ist dabei, Treffpunkt S-Bahn Griebnitzsee um 9.57 Uhr. Als wir uns treffen, ist er schon durch einen kräftigen Regenschauer geradelt. Jetzt kann es nur besser werden, rede ich ihm ein. Wir starten in den schwächer werdenden Regen. Die Autos gischten uns an, wir fluchen zurück. Wir passieren Ludwigsfelde und Schloß Diedersdorf. Langsam trocknen die Straßen ab. Ab hier sehen wir rechts, links und hinter uns fette Schauerwolken, bekommen aber nichts mehr auf die Helme. Randonneursglück!

Mittenwalde, Bestensee, Schwerin. Ja, Schwerin! Gibt es auch in Brandenburg. img_1149img_1150

Nach einer kurzen Pause und einer Streicheleinheit für die Streganzer Pferdchen lassen wir uns vom stärker werdenden Westwind in den Spreewald schieben. In Storkow finden wir kein einladendes Café, dafür aber im Lidl eine freundliche Bäckersfrau, die uns köstlichen Kaffee in riesige Tassen füllt.

In Storkow Markt lassen wir uns von den Hinweisschildern auf den Radweg nach Wendisch-Rietz am Scharmützelsee locken. Auf glattem Asphalt rauschen wir hinein in den Wald am Storkower See, vorbei am traumhaft gelegenen Schloss Hubertushöhe. Leider gibt es keine Chance,  auf das Gelände zu gelangen. Prädikat: schön, aber ungastlich.

Ein paar Meter weiter wird der Weg rumpelig, dann zum laubbedeckten Wanderpfad mit reichlich Querwurzeln. Wir aktivieren unsere Crosserfähigkeiten und nehmen es gelassen.p1070037

Der See zeigt sich in tiefem Blau, etwas heller darüber der vom Wind freigepustete hellblaue Himmel.

Der Wanderpfad geht über in einen Knüppeldamm aus rutschigen, teilweise morschen unbearbeiteten Ästen. Wir balancieren und staksen vorwärts. Die Crosser an unserer Seite.fullsizeoutput_2be9fullsizeoutput_2be6

„Betreten auf eigene Gefahr“. Na fahren geht auch hier nicht mehr. Kurz vor Erreichen von Wendisch-Rietz spuckt uns der Wald wieder aus – hinein in die Zivilisation. An der Südspitze vom Scharmützelsee vorbei gelangen wir auf das freie Feld, wo der Westwind uns ungeahnte Speed verleiht. Mit 35 bis 45 km/h rauschen wir nach Beeskow. Doch halt, halt, bei Lindenberg müssen wir einfach einen Stopp einlegen bei einer malerisch weidenden Schafherde samt zweier riesiger Hirtenhunde, die sogleich auf uns zurennen. „Bis hierher und nicht weiter“, zeigt uns ihre Gestik deutlich.fullsizeoutput_2bfffullsizeoutput_2c01

In Beeskow drehen wir eine Kurve über den von der Sonne angeleuchteten historischen Marktplatz. Nein, verweilen wollen wir hier nicht. Neuzelle ist unser Tagesziel. Noch 40 Kilometer liegen vor uns.

In Krügersdorf, querab vom „Germanischen Langhaus“, das schon mal Kontrollpunkt bei einem 400-km-Brevet war, begrüßt uns eine mächtige Eiche. p1070056

Die „Dicke Eiche“ gehört zu einem Ensemble von fünf uralten Stieleichen und hat einen Stammumfang von 10,45 m. 550 bis 600 Jahre alt soll dieser ausdrucksstarke Baum sein. Unsere Crosser lehnen sich behaglich an den Kraftspender an.

Weiter führt uns der Weg ins beschauliche Schlaubetal. Allein dieser Abschnitt unserer Tour lohnt den langen Anlauf. Hügel rauf, Hügel runter… Ein paar Höhenmeter kommen auch im Brandenburgischen zusammen. Wiegetritt, Druck auf die Pedale, da wird der Körper wohlig warm.fullsizeoutput_2bf5

Schlaubetal An der 20 Kilometer langen Schlaube reihen sich kleine Seen, fahren wir an 30 m hohen Steilabbrüchen vorbei und arbeiten uns auf der anderen Seite wieder hoch.

Dann bremst uns ein Trupp der Freiwilligen Feuerwehr, der dabei ist, einen auf den Weg gestürzten Baum zu zersägen. Kleine Fotopause:fullsizeoutput_2bf3

Die Farben werden fahl im letzten Licht des Tages. Auf der nächsten Kuppe leuchtet die wegsinkende Sonne durch die Bäume.fullsizeoutput_2bf7fullsizeoutput_2bef

15 Minuten später wird es dunkel. Unsere LED-Fluter leuchten den Weg sicher aus. Besonders hier und jetzt, bei zahlreichen auf dem Weg liegenden, heruntergeblasenen Ästen sehr beruhigend. Wir fahren Slalom.

Chossewitz, Schlaubemühle, Möbiskruge, so heißen die kleinen Ansiedlungen auf den Zielkilometern hin nach Neuzelle. Mit Schwung zischen wir hinunter zum Klosterstift, das uns herrlich warm angestrahlt empfängt.fullsizeoutput_2bee

Zur Linken lockt die Klosterklause, wo wir unbedingt das hier gebraute Klosterbier genießen wollen. Doch ein paar Schritte in den Klosterhof machen wir noch, ein paar Fotos schießen. Dann siegen Hunger und Durst über unsere Kulturbeflissenheit. Die Crosser abschließen und dann hinein in die warme Stube.p1070087

Für den „Schlaubeteller“ und zwei kleine Biere reicht die Zeit. Um 17.59 Uhr geht der Zug nach Frankfurt/Oder und dann wieder zurück nach Berlin. p1070094

Bahnhof Neuzelle – kalt und  menschenleer. Gut, dass der Zug pünktlich kommt.

Noch drei drei Tage bleiben für den Endspurt der Festive 500, die verbleibenden 150 Kilometer werden wir locker packen. Am Freitag soll die Sonne scheinen.


3 Gedanken zu “Festive 500 – Impressionen

  1. Sehr netter Bericht und fantastische Naturaufnahmen! Hinter so einer festlich verregneten Ausfahrt lässt sich ein großes Fahrrad- bzw. Randonneursherz vermuten – Respekt! Weiterso und alles Gute!

  2. Hallo Dietmar
    Ein sehr schöner Beitrag, wie immer.
    Ganz großer Respekt habe ich, wenn sich jemand nach den Feiertagen bei Regen auf das Rad schwingt und 150 km abreißt.
    Für mich haben am 3. Weihnachtstag abends schon 40 km Feierabendrunde gereicht um mich nach kurzer Unachtsamkeit zu Boden zu stürzen. Die letzten 10 km nach Hause gerollt.
    Diagnose Rippenprellung mit allen Symptomen. Lachen, Husten und niesen ist schmerzhaft.
    Nun, was solls. Wird wieder, dauert halt.
    Weiterhin gute Fahrt

    Thomas

    1. Hallo Thomas,
      Nasses Laub auf dem Radweg und Wunsch, macht man den Abflug. Ein Flicken im Kniebereich meiner schönen Sugoi-Winterhose zeugt noch von einem Sturz vor einem Jahr.
      Ich fühle mit Dir! Ansonsten – lass Dich nicht vom Radeln abhalten. Locker und langsam geht immer. Komm gut ins neue Jahr.

      all the best

      Dietmar

      p.s der Potsdam-Track kommt auch noch demnächst

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