Eisangeln und Eisfahren

Erst um die Mittagszeit sitzen wir auf den Crossern, nachdem wir uns  lange  mit Strava-Accounts und den Eigenheiten der Internet-Explorer herumgeschlagen haben. Dafür hängt die Sonne jetzt schön hoch am blauen Winterhimmel und wärmt uns. „Sie hat schon wieder Kraft“, hätte meine Mutter jetzt gesagt.cropped-fullsizeoutput_2c7f2.jpeg

Die Havel ist zugefroren und spiegelt wunderbar das Sonnenlicht. Am Horizont liegt die Silhouette von Werder. Wir wollen testen, ob der Havelradweg fahrbar ist. In Phoeben entdecken wir zwei Eisangler, die mit einem riesigen Bohrer Löcher in die Eisdecke bohren. Dort kommt die Angelschnur samt Köder hinein und soll den Zander locken. fullsizeoutput_2c82

Der Radweg ist eisfrei und es ist eine Lust, mit sanftem Rückenwind nach Norden zu rollen. Ein riesiger, weißer Reiher überquert den Weg in niedriger Höhe. Graugänse sitzen auf den Wiesen und schwingen sich durch die Lüfte. In Ketzin wollen wir mit der Fähre über die Havel setzen. Der Fährmann läßt sich heute Zeit und trinkt sich erst noch einen Mittagskaffee auf der anderen Seite. Wir gönnen es ihm.p1070361

Unser erstes Ziel ist das Café „Backwahn“ in Päwesin, wo  die besten und größten Kuchen Brandenburgs gebacken werden. Diesmal wähle ich einen riesigen Kirschstreusel.  Am Riewendsee entlang wählen wir ein kleines Sträßchen, auf dem wir zum ersten Mal unterwegs sind. Gepflastert mit gelben Ziegeln, die offensichtlich aus der nahe gelegenen Ziegelei stammen. Mehr als zwei Kilometer rumpeln wir über den historischen Wegbelag.p1070366

Wie sooft die letzten Male, wenn wir auf Erkundung waren, wird auch heute der zunächst gut fahrbare Weg zur Randonneursprüfung. Erst Klein Behnitz, dann Groß Behnitz, dann links ab. Wald, Wald, Wald. Eisig wird es wieder, spiegelglatt in ganzer Breite. Mindestens zwei Kilometer schieben wir die Räder und sind froh, dass es uns nicht auf den Boden haut.p1070372

Ich habe Peter dazu überredet, den Ort zu finden, in dem Juli Zeh, die Autorin des überaus lesenswerten Gesellschaftsromans „Unterleuten„,  wohnen soll: Barnewitz. Also weiter nach Westen. Mein Oregon kennt Barnewitz. Aber es weiß nicht, wie sauglatt der Waldweg ist. Dann, in einer kleinen Senke taucht das Dörfchen auf. In einer „Wilhelminischen Villa“ soll die Juli wohnen. Langsam fahren wir über die Mainstreet. Einige Häuser sind renoviert, Stuck ist wieder sichtbar, die Fenster sind neu… Aber ein Klingelschild mit dem Namen der Autorin finden wir nicht. Warum steht sie jetzt nicht einfach vor ihrem Haus und lädt uns zu einem Tässchen Tee ein. Träum weiter, meint Peter. Den zieht es schon wieder raus in Richtung Rathenow. Die Sonne steht nur noch knapp über dem Horizont. Es wird Zeit, weiterzufahren.

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lange Schatten in Barnewitz

Rathenow, 23 Kilometer, lesen wir auf dem nächsten Hinweisschild. Also reintreten und den Sonnenuntergang genießen.p1070379

Garlitz, Mützlitz, Bamme – am Rande eines Dorfes sichten wir dieses Unikum: Einen zusammengebrutzelten alten IFA-Laster, vorn ein fetter Motor,  drüber ein Überrollbügel, an der Tür prangt das DDR-Wappen. Wer fährt wohl mit so einem Teil durch Wiesen und Wälder im Märkischen Luch?

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Und schon taucht die Sonne im Westen unter – es dämmert, als wir in Rathenow ankommen.

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Zum Verweilen lädt der Bahnhof  nicht ein, das wissen wir mittlerweile. Also schnell in den Regio und ab wieder zurück in die Hauptstadt. Ein zünftiges Bier wartet schon im Zollpackhof auf uns. Mit Blick auf das hell erleuchtete Kanzleramt, in dem Angela vielleicht gerade mit Frank-Walter über Donald räsoniert.fullsizeoutput_2c81

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2 Gedanken zu “Eisangeln und Eisfahren

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