Sonne im Havelland

An die Oder oder doch ins Havelland nach Westen? Das Havelland gewinnt, und so rollt heute eine veritable Vierer-Crew vom Bahnhof Birkenwerder los in den Sonnentag.fullsizeoutput_2cbc

Zuerst Wolfgang, dann kommen Peter und Matthias die Treppen herauf.

Punkt 10 Uhr sind wir auf dem Track, der uns nach Wittenberge an der Elbe führen soll. Matthias hat die 147-km-Strecke abgesteckt. Über Velten nach Germendorf und dann „Go West“. bildschirmfoto-2017-02-15-um-14-07-51

In Germendorf entdecken wir Erstaunliches: Zuerst ein schlichtes Haus mit Bemalung.

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Die Galerie von Andreas Uckert in Germendorf

Zugegeben, eine Galerie stelle ich mir anders vor, aber Kunst und Künstlern sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Andreas Uckert gilt als der größte Fälscher Brandenburgs und sieht sich selbst als Künstler. „Die alten Maler sind meine Lehrmeister“ – So kann ich es in der Berliner Zeitung vom 6.11.1999 lesen. Das Haus ist jedenfalls ein Hingucker und eine Attraktion am Rande von Germendorf. Ein paar hundert Meter weiter bremst uns die nächste Attraktion: Auf dem Parkplatz vor dem Freizeitpark lauern riesige Tiere der Vorzeit auf die armen Randonneure.20170214_110010_resized

Matthias zeigt nicht den Hauch von Respekt und nimmt uns die Angst vor der Raubechse.

Die nächsten Kilometer rollen wir im kalten Schatten der Kremmener Wälder und sehnen uns die Sonne herbei. Beim Buddhisten-Zentrum Sommerswalde geht es hinaus in die weiten Felder. Ein Genuss, hier heute den Sauerstoff aus der klaren Luft zu saugen. Viel Gegend, wenig Bäckereien! Nach drei Stunden im Sattel finden wir in Friesack einen Metzgerimbiss, der einfach ALLES bietet.p1070560

Von der Leberwurst bis zum Suppenhuhn, in Friesack ist das Angebot bunt. Wir gönnen uns Soljanka. Und danach beim Bäcker nebendran noch heißen Kaffee. Solchermaßen gestärkt, können wir locker das nächste Teilstück nach Rhinow angehen. p1070564

Vor dem Lilienthal-Centrum in Stölln steht ein ausgedienter Cmelak-Agrarflieger aus den 70er Jahren. Auch Peter und Wolfgang konnten den Sternmotor nicht mehr zum Leben erwecken. Die Landschaft der Havelauen zwischen Rhinow und Havelberg lässt uns reichlich Ahhs und Ohhhs ausstoßen. Traumschön ist es hier, wenig Menschen, weites Land. Graugänse, alte Rinderarten, Rehe, dicke Bussarde, weiße Reiher, Schwäne im Vorbeiflug, Pferde auf weiten Wiesen. Einmal mehr verstehen wir, warum Fontane sich dieser Region in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ so intensiv gewidmet hat.

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Zu der Havelschönheit tragen die Schwäne ein sehr Erhebliches bei. Sie geben dem Strom auf seiner breiten Fläche eine königliche Pracht, und eine schönere Einfassung aller dieser Schlösser und Residenzen ist kaum denkbar. In neuerer Zeit hat man diesen Zauber dadurch noch gesteigert, daß man, durch Unterlassung der Flügellähmung, den Wildschwan wiederhergestellt hat. Man wurde dazu durch verschiedene Rücksichten bestimmt. Das Nächstbestimmende war die größere Schönheit des wilden Schwans; er ziert die Fläche mehr, die er durchschwimmt, und sein Flug durch die Luft, den er wenigstens gelegentlich macht, gewährt einen imposanten Anblick.

aus: Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Dritter Teil: Havelland

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Blick zum Fernmeldeturm Rhinow

Havelberg kommt in Sicht. Der Dom der Hansestadt grüßt uns von Weitem.p1070574

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Gerade noch 6600 Einwohner zählt die Stadt. Möge sich die Zahl endlich stabilisieren, sonst sind hier bald nur noch ein paar Touristen, aber keine „Ureinwohner“ mehr zu sehen.

Matthias will gerne nach Wittenberge weiterfahren, Wolfgang bremst ihn ein: „Bei mir geht langsam der Sprit aus.“ Also einigen wir uns auf das Ziel Bad Wilsnack. Noch 20 Kilometer bei goldenem Abendlicht einfach nur locker in die Pedale treten und rollen lassen. Eine Stunde später stehen wir vor dem Bahnhof.p1070585

Das restaurierte historische Gebäude ist herrlich bemalt mit Szenen der Stadtgeschichte. Und drinnen wartet ein Bistro mit heißen Getränken auf uns. Stündlich fährt der Regio nach Berlin. Unsere Abfahrt ist 17.11 Uhr.


6 Gedanken zu “Sonne im Havelland

  1. Hallo Dietmar,
    Respekt! Unermüdlich drehst Du Deine Runden, Wind und Wetter schrecken Dich nicht und es ist auch immer wieder schön und motivierend Deine gut bebilderten Berichte zu lesen. Bei mir reichts im Moment leider nur zu regelmäßigen Fahrten zur 18km entfernten Arbeit. Und ein bisschen vermisse ich das Artfahren…
    Viele Grüße
    Markus

    1. hallo Markus, da habe ich „leicht radeln“. Wenn man im Pensionsalter angelangt ist, ist es schön, eine ausfüllende Beschäftigung zu haben. Das Artfahren vermisse ich auch, allerdings schaue ich seitdem viel genauer hin auf die Kunst am Wegesrand und fotografiere immer noch – und recherchiere nach. Weil es Spaß macht und den Horizont erweitert. Bleib munter und genieße den kommenden Frühling.

      all the best
      Dietmar

  2. Hallo Dietmar,
    wie immer sehr schön geschrieben. Wie ich auf den Bildern gesehen habe,
    warst du mit dem Troytec Racer unterwegs.
    Wie war es? Hat es dir gefallen.
    Gruß Peter

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