Fundstücke

Hohen-Neuendorf hat zwei Bahnhöfe – einen für die S-Bahn, die aus Berlin kommt und den zweiten für die Regionalbahn. In HN-West wurde offensichtlich ein „W“ für andere Zwecke als zur Bahnhofsbeschilderung benötigt. Und so wurde aus West „est“. P1080615P1080618

Peter ergötzt sich an den kunstvoll drapierten Zweirädern und der einladenden Architektur des Bahnhofs. Lang rüber ins Oderbruch bis Frankfurt wollen wir heute fahren, bei kräftigem Westwind und genauso kräftiger Bewölkung. Egal, Radfahren geht immer.

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Über Berlin-Buch rollen wir hinaus in den Barnim. Gegenüber dem Heizkraftwerk von Vattenfall, das die Umgegend mit Fernwärme versorgt, muss ich einfach diese Mietskaserne aus den 60ern ablichten. Die einzigen Farbakzente bilden die Haustüren in Blau und Rot.  Himmel grau, Häuser grau. Wegfall Farbe! Erlöst werden wir durch ein herrlich leuchtendes Mohnfeld mit blauen Kornblumen.P1080626

Rotes Basso an rotem Mohn.

Die Idee, die vielbefahrene B 168 nach Wriezen zu wählen, erweist sich als „suboptimal“. Sattelschlepper, Baufahrzeuge, Müllwagen, aufgebrezelte alte BMWs und bollernde SUV lassen uns fluchen. Irgendwann bei der Ortschaft Prötzel biegen wir links nach Wriezen ab und schwingen uns hinab ins Oderbruch. Zeit für eine Kaffeepause. In Wriezen wird gerade der Wochenmarkt abgebaut , der fahrende Bäcker packt seine Brote schon wieder ein. Auf dem Marktplatz vor der Kirche sichten wir ein komplexes Kunstwerk in Brunnenform: „Lebensbrunnen“ des Bildhauers Horst Engelhardt aus dem Jahre 1997. fullsizeoutput_3547

„Jeder kann es selbst runter reissen“ steht auf dem Brett vorm Kopf des Schmiedes geschrieben. Ich ergänze frei: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ , nach Erich Kästner.

Wriezen wirkt verlassen und ohne Leben. In der langen Fußgängerzone, die aufwändig gestaltet ist, begegnen uns nur wenige Menschen. Gefühlt steht jeder vierte Laden leer und wartet auf neue Mieter. Irgendwie bedrückend zu erleben, wie diese Gegend ausblutet. fullsizeoutput_352b

Zwischen den Kolonistendörfern Vevais und Beauregard aus der Zeit Friedrichs des Großen stehen frisch geschorene Lamas auf der Wiese und schnuppern zutraulich an meiner Kamera. Bei Eichwerder wird die gesamte Landstraße erneuert. Komischerweise ist die Straße bis dorthin fertig, nur an der  Ortsdurchfahrt scheint seit langer Zeit nicht mehr gebaut zu werden. fullsizeoutput_352a

Der junge Mann, der aus dem Haus der Futterkrippe, ehemaliges Konsum, tritt,  klärt uns auf: In Eichwerder wird gegraben! Archäologisch gegraben! Tausende Funde aus der Bronzezeit liegen ausgerechnet unter dem Pflaster der  zu renovierenden Dorfstraße. Und der nette Bursche, der das alles zu berichten weiß, gehört zu der Gruppe von Archäologen, die in der Futterkrippe ihr Büro aufgeschlagen haben. Und solange hier gegraben wird, ist die Ortsdurchfahrt eben gesperrt.

In Groß-Neuendorf erreichen wir die Oder und den Oder-Radweg, der uns flussaufwärts in Richtung Frankfurt führt. Nur noch wenige Kilometer bis zum Radkirchen-Café in Kienitz.

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In Groß-Neuendorf wird eifrig getöpfert

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P1080653Und im Kirchencafé warten leckere Sachen und nette Menschen.P1080662

Köstliche Möhren-Ingwer-Suppe, dazu das genauso köstliche Seelsorger-Bier aus Neuzelle. Das muntert uns auf für die nächsten 50 Kilometer bis Frankfurt.

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Ein Peter auf dem Deich, der andere unterm Deich.

Bis Frankfurt kurbeln wir die Kilometer heute einfach ab. Ein paar träge Störche staksen durch die Wiesen, ein Milan zieht seine Kreise – schön ist es hier. Wer Natur und Weite sucht, der ist hier richtig.

Und so sieht die Landschaft hier bei gutem Wetter aus – Fotos aus dem Sommer 2016.

An den tristen Plattenbauten von Frankfurt  fahren wir vorbei, hinein in die Innenstadt und zum Bahnhof.fullsizeoutput_352f

Eine Stunde Fahrt zurück in die Hauptstadt und dann noch auf ein Augustiner-Bier im Zollpackhof.

Die Wade hat 150 km durchgehalten. Demnächst sind also wieder weitere Touren angesagt, meint der eine Peter. So soll es sein.


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