Auf einen Punsch

Die beiden sind pĂĽnktlich. An der Ecke mit dem CafĂ© können wir uns treffen, hat Frank vorgeschlagen. Das Haus ist ĂĽber und ĂĽber mit Anti-Glyphosat-Plakaten dekoriert. Ein Treffpunkt fĂĽr Menschen,  die besorgt sind, die wĂĽtend sind ĂĽber Chemie, die Unkraut vernichtet, aber auch Artenvielfalt bedroht und Menschen und Tieren schaden kann. Schöne GrĂĽĂźe an Monsanto dann…

Frank und Bettina haben sich dick eingepackt und die Lobster-Handschuhe angezogen. Knapp unter Null Grad hat die Luft, und es weht ein spĂĽrbarer Wind aus Ost. Also nicht zu schnell fahren, dann beiĂźt die Kälte, und nicht zu langsam, dann wird der Körper nicht genĂĽgend vom inneren Kraftwerk erwärmt. Frank hat vor Monaten Bettina davon ĂĽberzeugt, dass sie ein neues Rad braucht. Ein richtiger Randonneur oder besser Randonneuse sollte es sein. Mit ordentlicher Beleuchtung, Schutzblechen, leichten Trägern vorn und hinten und am besten einer Rohloff-Nabe. Das Ganze exakt angepasst auf eine Frau, die Frank gerade bis unter die Achsel reicht. Florian – „Flo“von FERN-Rad hat diese Aufgabe bravourös gelöst. Stahl, feinste Verarbeitung, feinste Detaillösungen, ein MaĂźkostĂĽm also. Endlich kann Bettina flĂĽssig kurbeln, hat die optimale Position auf dem Rad. Da können die Brevets 2019 kommen. 

Wandlitz liegt 20 km nördlich von Berlin, dann kommt der Ortsteil Klosterfelde, und nachdem ich im vorigen Beitrag ĂĽber das etwas seltsame Waffengeschäft geschrieben hatte, ist nun der Bahnhof Klosterfelde dran: Mietropa, so steht es auf der Werbetafel geschrieben. Ich frage mich, warum MiE Tropa und nicht Mitropa… 

Ein Blick ins Internet gibt Auskunft: MI E TROPA ist eine Erfindung des heutigen Betreibers, um keine Markenrechte zu verletzen. Ich lese, dass nach der Wiedervereinigung im Jahr 1991 unglaubliche 100000 Mitarbeiter in Mitropa-Diensten standen. Heute ist das Unternehmen nach diversen Aufteilungen und Umorganisationen nicht mehr erkennbar. Viele trauern den Angeboten und Dienstleistungen nach…

Zurück nach Klosterfelde: Als ich die Homepage von MI E TROPA gelesen habe, beschließe ich, auf der  nächsten  Nordrunde hier eine ausgedehnte Pause einzulegen. Ich bin neugierig geworden. Demnächst mehr dazu.

Unsere Kälte-Ausfahrt regt mich an, wieder einmal vor den wirklich kalten Wintertagen über die richtige Ausrüstung zu räsonieren. DIE Ausrüstung, DIE Bekleidung schlechthin gibt es sicher nicht. Dazu sind die individuellen Voraussetzungen zu verschieden. Der eine bekommt schnell kalte Füße, der andere ist besonders empfindlich im Gesichtsbereich und an den Ohren. Dann gibt es die Sonderkategorie der Edelharten, die auch bei Minusgraden mit Sommerschuhen und Dreiviertelhose fahren. So einer bin ich nicht. Ich fahre am liebsten bei Sommerwärme und in lauen Lüften. Im Winter brauche ich wärmende Schichten, damit Körper und Seele sich wohl fühlen bei langen Touren.

Bekleidung von innen nach auĂźen:

  • warme Unterwäsche, ich bevorzuge Merinowolle, und wenn es ganz hart wird, das Merino „Deep Winter“– Unterhemd von Rapha. Da ist auch noch eine Kapuze dran, die man ĂĽber Kinn und Stirn ziehen kann. Unter die Radhose ziehe ich eine Multifunktionsunterhose, die hat sehr flache oder gar keine störenden Nähte und den Vorteil, die empfindlichen Bereiche warm zu halten. Wintersocken, es dĂĽrfen auch knielange sein, ergänzen die unterste Schicht.
  • auf den Kopf gehört ein Bufftuch, am besten eine etwas dickere Version, oder eine Winterkappe, die gut ĂĽber die Ohren gezogen werden kann. 
  • dann ein Langarmtrikot, eine lange Radhose – entweder mit Sitzpolster oder eine ohne. Die wird dann einfach ĂĽber eine Bibshort drĂĽber gezogen. 
  • Eine Softshell- Winterjacke mit reichlich ReiĂźverschlusstaschen und am besten mit gut sichtbaren Reflexelementen bildet die letze Schicht.
  • Winterhandschuhe – wichtig: mit dem  Zeigefinger sollte das Navi oder das Smartphone bedient werden können. Und wenn es bitterkalt wird, die Handschuhe in Lobster-Design ĂĽberziehen.
  • Die empfindlichen FĂĽĂźe werden in Winterschuhen warm gehalten, die ĂĽber die Knöchel hoch reichen und sauber oben abschlieĂźen. Am besten sind hier die wasserdichten Versionen. Mein liebster Schuh derzeit MAVIC CROSSMAX SL PRO THERMO WINTER-MTB-SCHUHE
  • Als Helm bevorzuge ich meinen Giro-air-attack mit Shield in leicht grau getönter Version. Kann ĂĽber der Brille getragen werden und schĂĽtzt Stirn und Jochbein.
Deep-Winter-Bekleidung

Das Rad, hier gibt es mehrere schöne Möglichkeiten:

  • Mtb mit Stollenreifen oder gar Spikes, das ist die härteste Version
  • Gravel- oder Crossrad mit leichten Schutzblechen
  • klassisches Langstreckenrad mit 28-32mm Bereifung ( Conti 4seasons)

Unerlässlich ist bei allen Versionen eine gute Beleuchtung vorn und hinten!

Wieder mal nach Norden, ran an den Langen Trödel und dann rüber nach Liebenwalde – so wollen wir unsere Runde fahren. Frank hat Punsch in Thermosflaschen dabei und ein paar Leckerlies. Das will erst mal durch lockeres Pedalieren verdient werden. 

In dem rosa gestrichenen Haus gab es  vor Jahren mal ein Geschäft für Brautmoden. 

Ich hatte schon vermutet, die alljährliche Weihnachtsdeko im alten Schaufenster fiele aus. Doch auch dieses Jahr haben die Bewohner die alten Utensilien aus dem Schrank geholt, Lichter installiert und lassen den Engel neben dem Kronleuchter fliegen.

Frank treibt uns, etwas schneller werdend, in Richtung Liebenwalde. Den Punsch will er dann bei Neuholland kredenzen – also tapfer die Finger in den Handschuhen zurückziehen und heftig bewegen, damit der Kälteschmerz nachlässt. Meine Füße sind in den Mavic-Winterschuhen gut eingepackt und bleiben warm.  Am Holländer Rundweg querab von Neuholland dürfen wir dann endlich den versprochenen Punsch schlürfen. Dazu reicht Frank leckere Dominosteine. Für 20 Minuten vergessen meine Fingerspitzen, dass sie kalt geworden sind ( ich hatte die Kälte unterschätzt und meine Lobster-Handschuhe zu Hause gelassen)

Ein paar Fotos vom famosen FERN-Rad dĂĽrfen nicht fehlen

So „aufgepunscht“ rollen wir gut gelaunt wieder nach SĂĽden – am VoĂźkanal entlang,  zurĂĽck an den Rand der groĂźen Stadt.

P.S

Franks Lobster haben sich offensichtlich in seinen Lenker verbissen.


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