28. November 2021

Auch Randonneure werden älter – in eigener Sache

Meine ganz langen Strecken mit dem Rad sind Vergangenheit. Die Dutch Capitals Tour mit ihren 1425 Kilometern liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Und 2019 bei PBP, als ich nach 800 von 1230 Kilometern aufgegeben habe, war ich auch nicht mehr auf der Höhe meines Leistungsvermögens. Etwas neidisch und mit sehr viel Respekt denke ich an Friedhelm Lixenfeld, der im Alter von 84 Jahren bei diesem Klassiker erst bei über 1100 Kilometern ausgestiegen ist. An solchen absoluten Ausnahmeathleten sollte man sich nicht unbedingt messen. Das Ergebnis ist dann Frust und Demotivation. Die bessere Variante mit dem Älterwerden auf dem Rad ist wahrscheinlich, sich das Motto “ Mache das Machbare, aber auch nicht mehr“ zum Wahlspruch zu erheben. Das schafft Zufriedenheit mit der Realität, und der Körper freut sich, dass er nicht brutal überfordert wird.

2016 – Post aus Holland von den Organisatoren der Dutch Capitals Tour

Mittlerweile kann ich gut auch ohne Brevets und organisierte Langstreckenveranstaltungen leben und radeln. Natürlich lese ich die Berichte der „jungen Wilden“, die 600 Kilometer mal eben in 24 Stunden absolvieren. Oder auch 1000 Kilometer bei der „Mille du Sud“ in der Provence durchstehen. Neid verspüre ich nicht, höchstens ab und an ein bisschen Wehmut. Aber auch Dankbarkeit im Rückblick auf die vergangenen Zeiten.

Zerpenschleuse – ein Holztor, das immer mit einem guten Zitat aufwartet

Den Blick nach vorne richten, das hilft – nicht nur beim Radfahren! Man vermeidet Stürze und bekommt mehr mit vom dem, worauf es ankommt. Bei meinen Touren durch die Lande sehe ich immer Neues, bisher für mich Unbekanntes. Und die Recherche im Internet und manchmal auch in alten und neuen Büchern ist fast so interessant wie die Touren selbst. Zumindest ist am Ende, nach dem Nacharbeiten der Strecke entlang meiner gemachten Fotos, mein Wissens- und Zuwachs an Erkenntnis so groß, dass ich motiviert bin, darüber einen Blogbeitrag zu schreiben. Allein das Schreiben und Zusammenstellen der Fotos ist noch einmal ein Quell der Freude. Wenn ich das einigermaßen gut hinbekomme, ernte ich sogar Lob in Form von anerkennenden Kommentaren. Das tut gut!

Das Steinhuder Meer im milden Herbstlicht

Ein kleines Projekt auf dem Wege zum Kultur-Randonneur ist das Suchen und Finden von beeindruckenden Bäumen. Herauszufinden, wie alt sie sein mögen, welche Geschichten um sie herum passiert sind, was sie schon alles gesehen und erlebt haben. Viel mehr als jeder Mensch. Und trotzdem sind sie als Lebewesen bedrohter denn je. Hinschauen, hinriechen, anfassen. Dann ist die Kraft, die die alten Riesen ausströmen, zu spüren. Es lohnt sich, viele von ihnen zu finden, zu erleben, wie es ihnen geht, und in der Vergangenheit zu stöbern.

Die Silkebuche in der Schorfheide – ein Baum mit ungeheurer Ausstrahlung

Nun wisst ihr mehr über meine zukünftigen Schwerpunkte und was ihr von meinem Blog erwarten könnt.

Demnächst geht es weiter mit Beiträgen über Bäume, Menschen und Tiere, Land und Kultur.

17 Gedanken zu “Auch Randonneure werden älter – in eigener Sache

  1. hallo Ulrich, genau! lassen wir uns das Machbare machen, aber eben auch nicht mehr. Vernunft und Genuss vertragen sich so gut. Bleib munter und unternehmungslustig. Beste Grüße Dietmar

  2. Hallo Dietmar
    Lese immer wieder gerne Deine Berichte mit den vielen interessanten Fotos. Ich musste dieses Jahr mit den langen Ausfahrten auch ziemlich zurückschrauben. Die Ärzte meinten, dass ich meine Umfänge und das Tempo doch etwas dem Alter entsprechend anpassen sollte, um mein Herz zu schonen. Da ich ja noch einige Jahre auf dieser verrückten Welt mitmachen möchte, habe ich mich nun auch strikte daran gehalten. Weiterhin viel Spass und bleib gesund.
    Ulrich Bächli

  3. liebe Barbara, Dein Kommentar tut mir gut und motiviert mich, endlich wieder mehr zu schreiben. Erlebnisse, die es wert sind, „auf das Papier“ gebracht zu werden, habe ich noch reichlich in der Gedächtnisvorratskammer. Und was die Produktivität anlangt, bist Du eh´für mich vorbildlich unterwegs. Kultur und Menschen zu erleben, hinter die Kulissen zu blicken, mach einfach Freude. „Naturgenuss“ , wie ihn Alexander von Humboldt definiert.
    Beste Grüße
    Dietmar

  4. hallo Stefan, „Jungspund“. Eine Nacht durchzufahren, dann ins Morgengrauen hinein, macht nach wie vor Spaß. Nur die Streckenlängen werden eben geringer. Aber entscheidend ist das Erlebnis und dass man sich nicht überfordert.

    Dir wünsche ich viele schöne Kilometer auf Deinem Rad. Und an Das Steinhuder Meer werde ich sicher auch im nächsten Frühjahr wieder rollen. Die Sicht vom Nordrand hin zu den Kalibergen im Süden hat schon etwas Alpenländisches.

    keep on riding

    Dietmar

  5. Ich freue mich immer sehr über jeden deine Beiträge und finde sie sehr inspirierend. Ich freu mich auch für dich, dass du die Gelegenheit hast, diese Dinge zu betreiben. Herzliche Grüße aus Aachen, Henning

  6. Lieber Dietmar, ich schätze Deine Beiträge sehr, lese sie gerne und freue mich auf alles, was da kommen wird. Ich wünsche Dir offene Augen und Ohren und einen wachen Blick für alles, was sich am Wegesrand Schönes und Interessantes entdecken lässt. Weiterhin viel Freude beim Radeln und schön, wenn Du uns daran teilhaben lässt… Herzliche Grüße! Barbara

  7. lieber Markus, solche Zeilen tun der Seele gut.
    Ziele setzen, die anspruchsvoll sind, aber eben nicht unmöglich zu erreichen sind. Das ist die Kunst. Jeder kann das für sich herausfinden. Quälen gehört manchmal dazu, Dann bleibt das Erlebnis garantiert tief in der Erinnerung. Bleib munter und unternehmungslustig.

    all the best
    Dietmar

  8. Mein lieber Dietmar,
    wie Du weißt verfolge ich Deinen Blog schon etwas länger und habe mich oft davon inspirieren lassen. Auch so einige Tipps zur Ausrüstung für die Langstrecke haben mir schon geholfen. Ich bin zwar noch ein wenig jünger als Du, aber mittlerweile auch schon 58 und weiß doch wovon Du sprichst. Ich hoffe Strecken, wie die Deinen, von 600, 1000 oder mehr Kilometern nochmal am Stück unter die Räder nehmen zu können ohne mich zu sehr quälen zu müssen.
    Zwar ein wenig abgedroschen, aber deshalb nicht weniger richtig: Erlebnis vor Ergebnis! Das gilt für Zeiten und für Streckenlänge gleichermaßen!
    Noch viele entspannte Kilometer wünscht Dir
    Markus aus Duisburg

  9. Kann mich den Vorredner*innen nur anschließen. Als Jungspund in der Runde (*1962) merke ich auch schon die Zipperlein und muss mich vom jugendlichen ‚ich mache die Nacht halt durch‘ langsam verabschieden.

    Ich lese sehr gerne über Deine Fahrten und Entdeckungen; ich finde, Du hast eine sehr gesunde Art, mit dem Altern umzugehen.

    Gefreut hat mich das dritte Photo. Am Steinhuder Meer bin ich häufiger, das ist das Ziel meiner 100er-Touren von Hannover aus.

    Grüsse Stefan

  10. Lieber Dietmar, ich mag und schätze Deine Beiträge sehr und freue mich schon auf alles weitere, was da kommen wird. Viel Spaß beim Radeln mit offenen Augen und Ohren, sowie einem wachen Blick für die schönen Dinge am Wegesrand… Herzliche Grüße! Barbara

  11. Schöne Zeilen von dir. Ich (*1947) sehe es genau so. Fahre durch die Lande und genieße.
    Bin auf die nächsten Beiträge gespannt.

  12. Ja Dietmar: das ist ein guter Weg. Es wird so vieles übersehen und vergessen, auf dem Rad ist man näher an der Welt 1.0

    Außerdem wollte ich fragen, wie man oben im beitrag diese Drucker und Teileung Buttons bekommt vom wordpress??

  13. Ich sehne und fiebre allen Deine Beiträgen entgegen. Poppt ein neuer Beitrag auf, egal ob auf Iphone, Ipad oder Mac, lasse ich alles stehen und liegen, unterbreche ich jedes Gespräch, beende ich jeden Satz, verlasse ich jeden Gedanken und stürze mich sofort – wie gerade eben – auf Deine neue Nachricht. Dir, meinem Radfahrer-Idol, der herzlichste Dank. Mein (*1948) Motto ist „Altwerden mit Würde“. Du bist ein überzeugendes Beispiel dafür, dass dies gelingt. Gero F.

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