Rad und Licht

 

Voraussetzung für ein lustvolles Radeln sind eine vorhandene Motivation und eine geeignete Ausrüstung.

Was unterscheidet den „Randonneur“ vom reinrassigen Rennrad?

Aber klar, man kann auch ein 600 Kilometer Brevet bei Regen auf Rumpelstrecken mit einem edlen Carbonrenner fahren! Nur für Filigranfelgen wird es unterwegs im Fall des Defekts kaum Ersatz geben. Mit 20mm Reifen und 8 bar wird jede Kopfsteinpflasterpassage zur Tortur. Und ohne Spritzschutz ist der Rücken schnell versaut und klatschnass.

Also: Was macht dann einen typischen Randonneur ( Fahrrad) aus?

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Hier mein Stahl-Basso, das Rad für Sauwetter mit der Revelate-Tangle am Oberrohr

Schon vor 35 Jahren hat Ernesto Colnago wunderbar leichte UND komfortable Stahlrahmen gebaut. Eine ideale Basis für einen typischen Randonneur. Mit Platz für max. 28 mm breite Reifen.

Aber immer von der solideren Sorte. Rahmen und Räder sollten stabil sein und ordentlich federn. 36 Speichen in einer Mavic Open Pro sind allemal besser geeignet als ein Systemlaufrad mit 20 Speichen, das man unterwegs kaum reparieren kann! Wer gut investieren will und kann, ist mit einem handgearbeiteten Stahlrahmen von Norwid www.norwid.de/  Genesis stahlrahmen-bikes.de/tag/genesis‎ oder gar vom belgischen Edel-Stahlradbauer Jaegher bestens bedient. VanNicholas/‎ baut feine Titanrahmen. 

Wem das zu abgehoben oder schlicht zu teuer ist, der möge zum soliden Stahl-oder Alurenner greifen.

Wie soll denn ein Randonneur ausgerüstet sein/ worauf kommt es an:

Lenker  und Vorbau: Auch hier, solide geht vor leicht. Ein guter Alu Lenker wie der Ritchey WCS mit dem zugehörigen Vorbau ist sehr gut geeignet.

Austattungsgruppe: Shimano, Campagnolo, SRAM, am besten die mittlere Preislage, also z.B. Campa Centaur, Chorus,  Shimano Ultegra etc. Die sind zuverlässig, und es gibt überall Ersatzteile. Bei den Schaltungen scheinen mir die 9-fach, 10-fach Getriebe langlebiger zu sein als die neuesten 11-fach mit superschmalen Ritzeln und Kettenblättern. ( aber: bisher beste Erfahrungen mit Chorus 11-fach beim Canyon Endurace)

Meine Kettenblattgarnitur Campa Super Record Titan von 1980 hat mittlerweile mehr als 50000 km ausgehalten und hat immer noch keine „Haifischzahnkonturen“!!!

Ansonsten bevorzuge ich Campa Record/ Chorus/ Centaur

Laufräder:

Auch hier gilt: Stabil geht vor leicht. Die Mavic CXP 33 oder die OPEN PRO, 36-fach eingespeicht,  sind klassische Randonneur-Laufräder. Mit den DT-Swiss Spline 23 Systemlaufrädern habe ich bisher auch gute Erfahrungen gemacht. Aber aufgepasst: für diese Teile gibt es schwer Ersatz. Und nachzentrieren ist auch nicht einfach!

Widerstandsfähige Pneus gehören auf die Felgen! Die Conti  4seasons sind eine gute Wahl für das ganze Jahr . Aktuell habe ich die Version mit 28 mm Breite bei meinem Basso aufgezogen. Wunderbar komfortabel, mit sehr gutem Nässegrip und auch von fiesen scharfen Teilen nicht so leicht zu verletzen. Die 4seasons gibt es auch in 23 und 25mm Breite.

Reifen für jedes Wetter!  Also keine 23 mm „Trennscheiben“, wie Ralf, unser Organisator meint. Wunderbar komfortabel, mit sehr gutem Nässegrip und auch von fiesen scharfen Teilen nicht so leicht zu verletzen. Wer es noch sicherer haben will, greift jetzt zum Schwalbe Marathon plus. Der kann bekanntlich auch Reißzwecken verkraften. Rollt aber sehr bescheiden, ist schwer und äußerst unkomfortabel im Abrollen!!! Ich bleibe beim Conti. Bei meinem Canyon Endurace geht knapp ein 25er durch die Gabel.

Werkzeug/ Ersatzteile

Bei langen Herbstausfahrten nehme ich zur Sicherheit zwei Ersatzschläuche mit. Das beruhigt ungemein. Und ordentliches Werkzeug gehört immer ans Langstreckenrad. Ich nutze ein Topeak Mini 20, das ist klein, leicht und zweckmäßig in einer Neoprentasche verstaut. Ein paar Kabelbinder und ein passendes Kettenschloss (Powerlink von SRAM) habe ich auch immer dabei. Jedem, der eine gerissene Kette unterwegs reparieren will, empfehle ich allerdings Ärger vorbeugend ein wenig „Trockentraining“ mit dem Powerlink. Öffnen und Schließen üben, am besten an einer schön verdreckten Kette. Dann geht das im Ernstfall unterwegs locker von der Hand.

Die Situation kennt jeder Langstreckenfahrer: Ein Plattfuß mitten in der Nacht, ein Defekt am Rad… Und keine Straßenlampe in Sicht. Die Frontleuchte leuchtet auch nicht dahin, wo man gerade Licht braucht.

Erfahrene Randonneure sieht man mit verschiedensten Helmlichtkreationen. Auch ich habe schon einige kleine Leuchten an meinem Helm getestet. So richtig zufrieden war ich bisher nicht. Die kleine Sigma mit den Knopfzellen war ganz o.k, aber so richtig hell war sie auch nicht, zudem blendete sie. Die Lösung sah ich dann auf dem 1000er Brevet bei einem Kollegen, der sich eine dünne, leistungsfähige Fenix an den Helm gebaut hatte. Die Lösung sah ich dann auf dem 1000er Brevet bei einem Kollegen, der sich eine dünne, leistungsfähige Fenix an den Helm gebaut hatte. Ich habe dann die 46 g leichte „Photonpump“ im Baumarkt gefunden.IMG_2881

 

Bei langen Brevets nehme ich zur Sicherheit zwei Ersatzschläuche und einen Mantel mit. Das beruhigt ungemein. Ohne eine leichte und gute Pumpe bleibt der Reifen schlapp: Die Topeak „http://de.topeak.com/products/Pumps/racerocket_hp_bk“,  kann ich wärmstens empfehlen. Eine leichte Kartuschenpumpe von Topeak oder SKS passt auch ins Gepäck – mit 2 x Ersatzkartusche. Ordentliches Werkzeug gehört immer ans Langstreckenrad. Ich nutze ein Topeak Mini 20,

http://de.topeak.com/products/Mini-Tools/mini20pro_silver

Das ist klein, leicht, und zweckmäßig in einer Neoprentasche verstaut. Ein paar Kabelbinder und ein passendes Kettenschloss (Powerlink von SRAM) habe ich auch immer dabei. Jedem, der eine gerissene Kette unterwegs reparieren will, empfehle ich allerdings-Ärger vorbeugend- ein wenig „Trockentraining“ mit dem Powerlink. Öffnen und Schließen üben, am besten an einer schön verdreckten Kette. Dann geht das im Ernstfall unterwegs locker von der Hand.

Sehen und gesehen werden:

Wenn ich in Berlin nächtens mal in der Innenstadt unterwegs bin, bekomme ich immer wieder den Eindruck, dass es große Versorgungsengpässe bei der Beschaffung von Fahrradleuchten geben muss. Jedenfalls fahren gefühlt 70 % der Nachtradler ohne Licht durch die Stadt. Ein echter Wahnsinn! Dummheit, Unachtsamkeit, Faulheit??? Jedenfalls ist Fahren ohne gutes Licht am Rad lebensgefährlich. Und vernünftige Leuchten sind immer eine gute Investition. Zum Ranklemmen gibt es in jedem Radladen für kleines Geld taugliche Teile für die Kurzstrecke und die Stadt.

Kleidung:

Eine Warnweste ist ein überaus nützliches Teil. In Frankreich gilt seit 2008 eine Pflicht zum Tragen einer Signalweste für Radfahrer bei Dunkelheit und schlechten Sichtbedingungen. Für weniger als 20 € bekommt man eine gute, atmungsaktive Weste, die nicht flattert. Und wer eine federleichte, top verarbeitete Weste sucht: Rapha Brevet-Gilet

 

Beleuchtung:

Ein ganz wichtiges Kapitel. Wer schon mal eine stockfinstere mondlose verregnete Nacht auf kurvigen Straßen durchgeradelt ist, weiß gutes Licht noch mehr zu schätzen.

Hier gilt für mich: Keine Kompromisse!

Erste Möglichkeit:

Vorderrad mit SON delux Nabendynamo der Tübinger Edelschmiede „Wilfried Schmidt Maschinenbau“ Leicht, effizient, unzerstörbar. Der Nabendynamo schlechthin.

http://www.nabendynamo.de

Dazu als Frontleuchte den passenden SON Edelux oder eine Supernova E3 oder gar die E3 Triple.

Edelux II mit 90 lux und sehr guter Nahfeldausleuchtung. Sogar mit StVO Zulassung!

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Der Supernova E3 Triple holt das Maximum aus dem Nabendynamo heraus!

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Hier am Endurace die Supernova E3 pro 2. Der durchleuchtete Schriftzug verbessert die Erkennbarkeit von der Seite.

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Supernova E3-Halter an VR-Bremsbolzen
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Hinten am besten das Supernova Taillight2 , das vom Nabendynamo mit Strom versorgt wird. Winzig, wasserdicht und sehr hell.
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SON delux, der Nabendynamo schlechthin. Hier in der Stahlgabel des Colnago
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Sigma Hiro und Supernova Taillight – die Kombination für alle Fälle
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Licht satt: Supernova E3 Pro 2, Magicshine Akku-Leuchte, und das BuM E-Werk als Stromversorger für NAVI etc.

Zweite Möglichkeit, oder auch Zusatzleuchte für alle Fälle:

 Akkuleuchte

Hier kann man schnell sehr viel Geld ausgeben oder eben auch sparen. Ich bevorzuge die Frontleuchte von Magic shine MJ 808E  für den Lenkerbügel mit 5600mAh Akku  und eine Sigma Hiro hinten. Am besten eine Leuchte mit heller LED, die über eine Batterieanzeige verfügt, bzw. einen aufladbaren Akku.

Magic Shine Lights

Die beiden Teile kosten zusammen keine 100€ und machen ein tolles Licht. Mit dieser Kombination kann man mit einer Akkuladung sicher durch eine lange Nacht fahren. ( bei auf 30% heruntergedimmter Frontleuchte– immer noch jeder Halogenleuchte überlegen– hält der Akku ca. 10h)

Wer mehr Geld ausgeben kann und will, dem sind bei der Beleuchtung keine Grenzen gesetzt. Für die Top Produkte von Supernova oder Lupine kann man schnell einige hundert Euro loswerden. Dafür bekommt man aber auch die beste Beleuchtung, die derzeit machbar ist.

Mein aktueller Favorit für das „ad on Light“ bei miesestem Wetter, Waldabfahrten etc. Lupine Piko4

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Es werde Licht! Top-Gespann: Supernova E3 Pro2 und Lupine Piko 4
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Und hinten das Taillight 2 und zusätzlich eine Leuchte von Aldi – klasse Licht, wassergeschützt, mit AAA-Batterien

 

 

17 Gedanken zu “Rad und Licht

  1. Toller und informativer Blog! Eine Frage zur Befestigung der Supernova E3 am Rennrad. Passt die mit der original Halterung hinter eine Rennbremse, oder benötigt es eine spezielle Halterung?

      1. Hallo!
        Hast du den E3 Halter dann direkt zwischen Bremse und Rahmen geschraubt, ohne Schutz Rahmenseitig? Stehe genau vor dem gleichen Problem.
        Danke und Gruß Nick

  2. Seit heute weiß ich dass es für die Art des Rennradfahrens welches ich im letzten Jahr begann den Ausdruck “Brevet“ gibt.
    Super Beschreibung der Gegenstände die ans Rad drankommen, muss nicht mal mehr eine Aufwendige Suche betreiben weil hier alles recht Gut beschrieben ist. Jetzt werden erstmal ein Paar Teile bestellt.

    Vielen Dank für den super Artikel Raddoneurdidier

  3. Zunächst mal ein großes Dankeschön für die Informationen dieser Seite. Ich bin auch ständig am rumprobieren und dran- und abschrauben. Hätte ich Deine Seite vorher gelesen, hätte ich mir vielleicht einige Versuche sparen können.
    Leidiges Thema ist bei mir die Tasche hinter dem Sattel. BeamRack finde ich klasse, aber ist viel zu schwer. Die Viscacha von RD finde ich interessant, bei meiner Recherche stoße ich aber immer wieder darauf, dass sie nicht wirklich wasserdicht ist und bei längerem Regen nachlässt. Also eher gut wasserabweisend.
    Hast Du mittlerweile diesbezüglich noch einen anderen Tipp? (Außer Parsleybags)
    VG Tom

    1. Hallo Tom, die Viscacha hält schon einige Stunden dicht. Für alle Fälle packe ich alles, was unbedingt trocken bleiben muss, in eine Plastiktüte. Noch besser, in einen leichten Ortlieb-Sack, den Du auch sehr gut zum Komprimieren nutzen kannst. Die Viscacha ist neben einigen Konkurrenzprodukten für mich nach wie vor erste Wahl! All the best Dietmar

  4. Hi Peter, schön, dass Dir meinen Seiten Nutzen bringen! Die Revelate Viscacha kannst Du bei veloista kaufen http://veloista.com/shop/satteltaschen/revelate-designs-viscacha/
    oder die Kopie bei Parsley bags in Berlin:http://www.parsleybags.com/DE/
    oder noch eine Kopie:http://bikepack.pl/shop/index.php?route=product/product&product_id=55
    das ist ein kleiner Hersteller in Polen

    Ich halte das Angebot von Veloista, 139 Franken, für das Original, für die beste Variante!

    beste Grüße

    Dietmar

  5. Bin durch Zufall auf Deine Seite gestossen. Sehr gute Berichte. Toll zu lesen.
    Bin von der Satteltasche begeistert. Wohne im Hohen Norden und dort sind Radfachgeschäfte Rar(gute).
    Meine Frage :was kostet die Tasche und wo kann ich sie bestellen.

  6. Ich möchte im März 2015 anfangen, Brevets zu fahren und bin derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Navi. Ein Garmin Oregon 600 könnte mich reizen, allerdings lese ich in vielen Foren, dass es bei Regen (wegen des kapazitiven Touchscreens) quasi nicht zu gebrauchen ist. Du bist offenbar sehr viel und sicher auch im Dauerregen mit diesen Geräten unterwegs gewesen, daher bin ich an Deinen Erfahrungen sehr interessiert. Vielleicht kannst Du speziell auf diesen Punkt noch einmal eingehen?
    Martin

    1. hallo Martin, das Oregon 650 (Display identisch mit 600) habe ich seit 1 Jahr im Einsatz. Auch war sensibilisiert, weil ich Kommentare zur Empfindlichkeit des Touchscreens gelesen hatte. Ich kann nach vielen Stunden Regenfahrt sagen: das Gerät ist auch mit Regentropfen auf dem Display gut zu bedienen. Und mal drüberwischen ist auch kein Problem. Wenn es ganz heftig wird, kann man die Touchfunktion des Bildschirms abstellen. Ich habe das bei mir per „Kurzbefehltaste“ eingestellt. Überhaupt erschließen sich die Möglichkeiten vom Oregon 600 besonders dann, wenn man sich auch damit wirklich beschäftigt. Als ich mein altes Oregon 300 testweise nochmal in Betrieb genommen habe, konnte ich gar nicht fassen, wie ich jahrelang mit einem so bescheidenen Display zurechtkommen konnte. Das Oregon 600 ist für mich absolut erste Wahl für den Randonneurseinsatz. Einzig im Bereich Akkulaufzeit ist es zu kritisieren. Knapp 10h mit Sanyo Eneloop und ca. 7h mit dem originalen Garmin-Akku-Pack sind schon bescheiden. Prozessor und Display brauchen halt Energie. Ich habe bei ganz langen Brevets immer eine „Powerbank“ dabei, die ich per USB anschließe. Da wird der interne Akku geladen, bzw. die Laufzeit verlängert sich um Faktor fünf. Anker Astro3 2. Gen. für ca. 40 € mit 12000mAh reicht für mehrtägige Brevets locker. So ausgerüstet ist das Oregon 600 dann auch noch diese kleine Schwäche los.

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