1. Oktober 2022

Spiegelbilder

Das Briesetal nach dem Sturm

Eine glaziale Rinne hat den Verlauf der Briese vorgegeben. Nur 17 Kilometer lang ist das kleine Fließgewässer. Im Wandlitzer See entspringt es und mündet bei Birkenwerder in die Havel. Die Briese fließt durch einen Erlenbruchwald, dem „Briesen“, wobei der Name Briese von „breza“, dem slawischen Wort für Birke stammt. Und die Erle ist ein Birkengewächs.

Heute ist das richtige Briesewetter: klare Luft, die Sonne hat sich durchgearbeitet, die Lüfte sind recht mild. Mein Cannondale Taurine und ich haben Lust, durch das Briesetal zu rollen. Sauerstoff tanken, Waldluft atmen, Natur erleben. Schon einige Male , in allen Jahreszeiten, bin ich hier unterwegs gewesen und habe den für mich schönsten Teil und den beeindruckenden Erlenbruchwald durchkurvt. Ich bin gespannt, welche Auswirkungen die Stürme der vergangenen Tage hinterlassen haben.

Der Radfernweg Berlin-Kopenhagen schneidet die Briese am gleichnamigen Wohnplatz, der Kolonie Briese, wo ein kleiner Biergarten offensichtlich die „Durstzeit“ überdauert hat.

Auf dem großen Parkplatz an der Waldschule Briesetal stehen die Autos in Reihen. Es ist Samstag, es ist mild, es ist trocken, die Familien strömen in die Natur, mit Corona als Beschleuniger solcher Outdoor-Aktivitäten.

Zwischen herrlichen Buchen führt der Weg zunächst hoch am Uferabhang entlang, dann geht es hinunter und heran an das Wasser, an den Bruch. Ein Bruch ist ein langfristig gefluteter, sumpfiger Wald. Beim Blick auf die im Wasser stehenden Erlen bekommt das Wort Bruch eine neue Assoziation. Bruch kommt von brechen, könnte man meinen. Viele der zum Teil morschen und schon abgestorbenen Erlen haben die Stürme Ylenia, Zeynep und Antonia weggeknickt als wären sie Streichhölzer.

Viele der Schwarzerlen, wie sie hier im Briesetal im Wasser und am Wasser stehen, sind schon seit Jahren trocken und morsch. Sie werden als schnellwüchsige Bäume ohnehin nur maximal 100 bis 120 Jahre alt. Danach mutieren sie zum Insektenhotel und sind dann eine hervorragende Nahrungsquelle für viele Vogelarten. Am Rande der Briese und am aufstrebenden Ufer wachsen Kiefern, und ein paar Meter höher haben sich die Buchen angesiedelt.

Einige der flach wurzelnden Kiefern haben die Stürme einfach aus ihrem feuchten, instabilen Fundament gerissen.

Dort, wo die Biber fleißig waren und briesebreite Dämme gebaut haben, steht das Wasser höher und ist ein wunderbarer Spiegel für die Bäume. Ich muss einfach alle paar Meter innehalten und fotografieren. Schauen, staunen, klicken. Bilder sprechen lassen:

Nach etwa drei Kilometern kreuzt die Briese die Landstraße, die Summt und Lehnitz verbindet. Vor über 100 Jahren wurde hier die Schlagbrücke aus den typisch gelben Ziegeln der „Birkenwerderschen“ ( Ziegelei) gebaut.

Mit meinen matsch-geschwärzten Schuhen steige ich die Brückentreppe mitsamt meinem Taurine hinauf, quere die Straße und rolle wieder ins Tal. Auf wenigen hundert Metern fließt die Briese in einem schmalen Bett, ehe sie die Biber wieder aufgestaut und verbreitert haben.

Dicke Kiefern und Fichten liegen geknickt über dem Wanderweg und wollen überklettert werden.

Bei der alten Försterei Wensickendorf biege ich ab nach Süden und folge dem Weg parallel zur Stromtrasse.

Eine wahre Zauberwelt

Mein Taurine lehnt an der derselben Bank. Vor genau fünf Jahren und heute. Der schöne Spruch ist mittlerweile verwittert.

Hören, Schauen und das Maul halten

unbekannter Verfasser

Dem kann und will ich heute nichts hinzufügen.

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