4. Dezember 2020

Rauf auf den Darß und rüber nach Rügen, Teil 2

Schön war es in Waren, ein Frühstück mit Bircher Müsli, Rührei und leckerem Brot ist eine gute Grundlage für eine voraussichtlich verregnete Etappe. Also lasse ich mir Zeit heute morgen. Sorgfältig packen, die Regensachen parat halten. Nochmal einen Blick auf wetteronline werfen. Die Vorhersage wird nicht besser, den ganzen Tag über zieht ein gewaltiges Regengebiet übers Land. Durchfahren, akzeptieren, positiv bleiben. Wie lautet doch ein weiser Spruch: “ Du sollst dich nur über Dinge ärgern, die du auch ändern kannst“.

Um 9.30 Uhr stehe ich im Radschuppen des Hotels – mein Granfondo hat die Nacht gut überstanden und wartet samt allen Anbauten fröhlich auf den Start.

Adieu Waren, auf geht es nach Norden. Entgegen meiner ursprünglichen Planung wähle ich die kürzeste Route in Richtung Ribnitz-Damgarten, entlang der B 108. Auf den ersten Kilometern gibt es einen begleitenden Radweg, da kann ich es mir so richtig gemütlich machen im Nieselregen. Doch bald muss ich rauf auf die Bundesstraße, der richtige Zeitpunkt, meine Rückleuchte von Lezyne in den Tageslicht-Blitzmodus zu stellen. Der ist geradezu fies hell – erfreulicherweise halten die Autos und LKW großen Abstand beim Überholen.

Alte Schmiede bei Burg Schlitz

So schöne Plätze wie die Burg Schlitz, das Schloss Schorssow und Ulrichshusen passiere ich heute ohne Umwege dorthin. Überall war ich schon, also kann ich mir die Sehenswürdigkeiten einfach vor mein geistiges Auge holen. Das spart Kilometer. Nur die ehemalige Schmiede von Burg Schlitz banne ich auf ein Foto, denn sie liegt günstig direkt am Straßenrand.

Regenjacke anziehen, ausziehen, Windjacke, Windjacke nass, shakedry an… so geht das munter über die nächsten Stunden. Zwischendurch wird es mal etwas heller, dann kommt der Segen wieder von oben.

Ich teste einige mehr oder weniger luxuriöse Wartehäuschen. So richtig gemütlich ist das nicht. Aber Hauptsache die Füße und die Hände bleiben warm. Ich passiere die bekannten Brevet-Kontrollorte Teterow und Tessin. Meistens kamen wir hier bei Sonnenaufgang oder auch etwas früher vorbei, wenn wir auf einem 600er Brevet unterwegs waren. Wie ist das doch beschaulich heute im Vergleich dazu. Fischland, den ersten Teil der Halbinsel, erreiche ich bei Dierhagen und kurbele mich dort zum Strand durch. Grau ist die Ostsee, nur die Wellenkämme setzen weiße Streifentupfer.

„Bonzen Raus“ lese ich unter dem kleinen Windrad kurz vor Wustrow. Ich fühle mich nicht angesprochen.

Wenige Minuten später stehe ich an der Seebrücke und schiebe mein Granfondo zwischen den Restaurants „Moby Dick“ und „Swantewitt“ hindurch. Wie oft habe ich hier schon gestanden.

Ich lasse die ersten Erinnerungen und Eindrücke erst mal wirken, dann gehe ich hinüber zum Dorint, wo ich ein Zimmer gebucht habe.

Herbsteszeit, Glühweinzeit. Gleich mache ich noch einen kleinen Dorfrundgang, dann gönne ich mir ein leckeres Mahl. Um 22 Uhr liege ich flach, erfreue mich an der Sonnentagvorhersage in wetteronline und schlafe wohlig und erwartungsvoll ein.

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Morgen geht es rüber nach Rügen, bei Rückenwind und Sonnenschein.

randonneurdidier

ich bin 1950 im Sauerland geboren, bin verheiratet und lebe in Glienicke-Nordbahn bei Berlin. Leidenschaftlicher Radfahrer bin ich seit 50 Jahren.

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