Langer Trödel, Wandbilder, Ziegeleien und dann zurück über Venedig

Heute soll das Thermometer die 20 Grad-Grenze knacken. Wenn das kein Grund ist, auf das Rad zu steigen und Kilometer wegzurollen.

Das Granfondo freut sich auf eine schöne Runde nach Norden, erst einmal über Wandlitz nach Zerpenschleuse zum Langen Trödel.

In Klosterfelde gammelt das Gebäude des ehemaligen Artistenmuseums vor sich hin. Kein schöner Anblick. Schon 10 Minuten später bin ich am Kanal und biege nach Westen in Richtung Liebenwalde ab.

Der Name „Langer Trödel“ bekommt vor der kleinen Galerie eine zusätzliche Bedeutung: Die Bewohner sind am „ausmisten“. Sogleich werde ich gefragt, ob ich nicht ein paar Spielzeuge für die Enkel mitnehmen will. Klarer Beweis dafür, dass ich als Opa identifiziert werde.

Ein paar Meter weiter stelle ich das Granfondo vor mein Lieblings-Holztor, das regelmäßig mit Sinnsprüchen verziert ist.

Am Langen Trödel lädt eine Holzplattform zum Betrachten eines Keramik-Froschkönigs ein. Daneben steht Janosch´s Tigerente, auf der schon 10 Jahre zuvor einmal Peter platz genommen hatte.

Die Fronten der alten Häuser zeugen von ihrer ursprünglichen Nutzung als Ladengeschäfte. Porzellan, Tabak, Farben, Seifen, Schreibwaren, Besen, Korbwaren… Fast alles konnte man hier kaufen vor 100 Jahren.

Vor der liebevoll gestalteten und sorgsam gepflegten Leselaube, die ursprünglich eine Bushaltestelle war, komme ich ins Gespräch mit einer Einwohnerin, die ganz begeistert von Zerpenschleuse spricht. Nebendran betreibt sie einen Kanuverleih, der seit der 2016 wiederhergestellten Verbindung von Langem und Altem Trödel für Wassersportler und Touristen attraktiv geworden ist.

Schließlich halte ich noch ein Schwätzchen mit Ines Schweighöfer, die mit ihrem Mann Matthias hier wohnt und den wunderbaren Laden mit Café „Emma Emmelie“ betreibt. Stundenlang könnte man hier Schauen, genießen, reden…

Ich reiße mich schließlich los und rolle weiter nach Liebenwalde. Vorbei am Alten Forsthaus mit der Adresse „Angra Peguena“, was über setzt „Walfischbucht“ heißt. Warum allerdings dieser Wohnplatz so heißt, hat mir bisher noch niemand schlüssig erklären können. Ich muss wohl mal den alten Lüderitz befragen.

Am Radweg gibt es einen Weinberg ( der auf den Weinanbau des 18.Jahrhunderts hinweist) und viele Schafe.

Der Voßkanal führt hin nach Zehdenick und ist gesäumt von alten Alleebäumen, die im ersten Grün erstrahlen

Es wird langsam Zeit, dass ich ein paar Kilometer unter die Räder bekomme. In Zehdenick bin ich bei km 50. Und schon wieder leiste ich mir einen Fotostopp: Die Wandbemalung ist es wert.

Ja, schaut mich denn in der Klosterschenke ein Würdenträger an – gar der Papst persönlich?

Ich kann das Rätsel nicht lösen, also radle ich schließlich weiter gen Norden, auf dem Radweg Berlin-Kopenhagen zum Ziegeleipark Mildenberg, wo die alten Brennöfen besichtigt werden können. Schließlich heißt es so treffend: „Berlin ist auf einem Kahn gebaut“, den Lastkähnen, auf denen die Ziegel zur prosperierenden Großstadt befördert wurden.

Weiter geht es nach Norden. Nächster Stopp: Blumenow mit seiner alten Eiche und natürlich jeder Menge Blumen.

Ich schaue auf mein Garmin, es ist 14. 40 Uhr, 75 Kilometer stehen zu Buche. Zeit, wieder Kurs Süd zu setzen. Also ab nach Dannenwalde mit seiner schönen Radfahrerkirche.

Hier kommt keiner unbeobachtet durch!

Die nächsten zwei Stunden bleibe ich bei mir – ohne Fotopausen, sozusagen im gelernten Brevetmodus. Der Wind ist mir dabei behilflich. Wentow, Zabelsdorf, Ribbeck, Zehdenick und wieder ran an den Kanal back home.

In Venedig kurve ich rüber zur Havelbaude, verkneife mir eine Pause und bremse erst wieder beim Heinse Kebap in Glienicke, wo ich mir einen köstlichen Seitan Döner und Pommes gönne, nach 150 Kilometern Kultur, Natur, Landschaft, Menschen.

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