Eichen, Kastanien, Linden, Ahorn, Buchen… Wasser, Schafe, Rehe, Plattenwege und und…

heute starte ich bei grauem Himmel, das Thermometer zeigt gerade mal acht Grad. Der Wind bläst kalt aus West. Was treibt mich eigentlich aufs Rad? Warum bleibe ich nicht im warmen Haus und verlängere das Frühstück? – Weil ich weiß, dass ich mich nach spätestens 30 Minuten Kurbeln in freier Natur immer gut fühle. Radfahren wirkt bei mir auf Körper und Seele wie eine hochwirksame, aber gefahrlose Droge.

Schon die erste Eichenallee, die von Schönfließ hinüber nach Mühlenbeck führt, euphorisiert mich. Warum haben Bäume eine so stimulierende Wirkung auf mich? Die noch im frühen Wachstum begriffenen Blätter leuchten wunderbar grün, sogar im nur diffusen Licht der wolkenverhangenen Sonne.

Auf den nächsten Kilometern ist Naturgenuss angesagt. Und natürlich werde ich auch an diesem Tag auf dem Wege zur Oder hin meine Lieblingseiche in Grüntal besuchen.

Mitfahrbank an der Eiche von Grüntal

Wie immer lehne ich mein Rad vorsichtig an die mächtigen Borkenfalten des Riesen. Wieder einmal lege ich meine Hände an den Stamm und meine die tiefe Kraft zu spüren, die drinnen steckt. Die neu errichtete Mitfahrbank muss ich dank meinem Topstone nicht in Anspruch nehmen.

Wohl Wahr! Gilt auch für Radler

Tuchen-Klobbicke, Trampe, Gersdorf. Diese 10 Kilometer sind gesäumt von herrlichen Alleen. Linden, Eichen, Kastanien in voller Blüte und daneben erstrecken sich Rapsfelder in sattem Gelb.

Vom Gamensee geht es kurz eine steile Rampe hinauf zur Ansiedlung mit dem schönen Namen Krummenpfahl

Nicht krumm, aber leicht schief steht das Schild bezeichnend am Ortseingang. Weiter führt die schmale Straße nach Dannenberg, wo ich diesmal an der Kirche nach links abbiege in Richtung Cöthen . Dort stürze ich mich hinunter nach Falkenberg und folge dann dem Wegweiser nach Bad Freienwalde. Grünes Schild für Wanderer! Obacht, jetzt beginnt ein Gravelweg hinüber zur Alten Oder. Dort angekommen, werde ich durch eine verwunschene Allee auf dem Oderdamm überrascht und belohnt.

hier fuhr einmal die Bahn von Freienwalde nach Cedynia

Auf dem Deichweg an der Alten Oder rumpele ich hinüber nach Schiffmühle, wo ich wieder einen besser fahrbaren Weg unter die Räder bekomme.

Am Oderhang sitzt auf einem Findling eine Wildkatze, die sich von mir absolut nicht stören lässt. Von hier aus kann man weit hineinblicken in das Oderbruch. Der östliche Hang, schon auf der polnischen Seite, kommt in Sicht.

Hohensaaten in Altdeutsch
aktuelle Kilometerangabe auf dem Oder-Radweg. Wie für mich geschrieben.

Auf diesem Abschnitt lasse ich mich immer wieder von der weiten Natur einsaugen. „Nicht nachsinnen, nur schauend genießen!“ Bilder sprechen lassen.

Die Wasserschutzpolizei im Tiefflug. Wen verfolgt die wohl?

Querab von Lunow biegt der ausgeschilderte Radweg ab nach Westen und folgt dann der Alten Oder bis nach Schwedt. Ich entscheide mich heute für den Track hin zum Naturwachtturm und dann weiter hinein in den Naturpark Untere Oder. Das wird zwar nach zwei Kilometern etwas beschwerlich, weil die glatte Asphaltoberfläche in einen klassischen, rumpeligen Plattenweg übergeht. Dafür bin ich hier allein mit der Natur , den Schafen, den Rehen, den Schwänen… einfach schön! Es lohnt sich, diesen Weg zu machen.

Rumpelplattenweg im herrlichen Naturpark Untere Oder

Von hier hat man einen schönen Blick auf Zatòn Dolna, die ehemaligen Nieder Saathener Höhen und die Maximilian Kolbe Kirche. Hier predigten von 1622 bis zum Ende des zweiten Weltkrieges deutsche Pfarrer in der Kapelle, die zum Kirchspiel Hohenkränig gehörte.

Nur noch einen Kilometer sind Oderbrücke und der Grenzübergang entfernt.

Das ehemalige Gebäude von Zoll und Grenzpolizei wird nicht mehr gebraucht. Gut so!

Wenige Kilometer rolle ich westwärts und ich stehe in Schwedt vorm Bahnhof. Um 16 Uhr fährt der Regio nach Bernau. Ich entscheide mich, flugs einzusteigen und sitze eine Stunde später für meine 25 km Schlussetappe nach Hause wieder auf dem Topstone. 140 Kilometer Naturgenuss waren das heute. Wieder einmal Nad Odra. Es hat sich gelohnt.

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