Kaiserbahnhof, Kloster, Kirchenmalereien und Pelmeni

Ein heißer Tag wird es heute wieder! Soll ich eine Runde fahren oder es lassen? Ich entscheide mich für lockeres Rollen, das sollte auch bei angesagten 37 Grad funktionieren, dann eine Streckenführung mit vielen Waldabschnitten – das sorgt für Kühlung. Also sitze ich um 10 Uhr nach gemütlichem Frühstück auf dem Rad und kurbele gen Wandlitz, dann nach Zerpenschleuse und Marienwerder. Hier sind die ersten 40 Kilometer geschafft und ich kann schon die frische Seeluft des Werbellin erahnen.

Was das Apothekenschild am Seiteneingang der Gastwirtschaft „Zur Kleinen Moldau“ an der Schleuse Rosenbeck zu bedeuten hat? Ich weiß es nicht, aber irgendwann – geöffnet ist hier ab Freitagmittag – werde ich sicher ein kühles Pivo hier trinken und mal nachfragen.

So oft bin ich hier schon vorbeigefahren, aber eben nie passend zu den spärlichen Öffnungszeiten.

Die Eiche von Eichhorst – mindestens 600 Jahre alt und Namensgeberin des Ortes

Wenige Kilometer noch und ich erreiche den Werbellinsee. Schön schattig unter großen Bäumen, aber der Radweg parallel zur Straße zeigt zunehmend Wurzelaufbrüche und Buckel.

Kaiserbahnhof in Joachimsthal – Hauptgebäude

Kaiser Wilhelm II. ließ den Bahnhof mit Fachwerkgebäuden im Nordischen Stil anlegen, damit er und seine Staatsgäste komfortabel anreisen konnten um sich dann per Kutsche und später mit dem Auto in sein Schorfheider Jagdrevier bringen zu lassen.

Zu meinem Tagesziel habe ich das Orthodoxe Kloster in Götschendorf auserkoren. Noch knapp über 20 Kilometer nach Norden, in die Diaspora, dorthin, wo kaum jemand sich heute verirrt. Über das Holzschuhmacherdorf Friedrichswalde, wo mein Lieblingsbäcker Hakenbeck seit nunmehr zwei Jahren sein Geschäft aufgegeben hat. Wunderbar schmeckenden Kuchen und Kaffee gab es hier einmal zu kosten. Vorbei!

Der nächste Ort, Ringenwalde , 136 Einwohner, eine Kirche, eine Kneipe. Ich rolle weiter und erreiche Götschendorf: 223 Einwohner, keine Kneipe, dafür aber ein Gutshaus samt Kloster St. Georg mit neu erbauter Russisch Orthodoxer Kirche.

Zur erstaunlichen Geschichte des Klosters hier nachzulesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Götschendorf

Die Kirche ist geöffnet, ich gehe hinein und staune. Prachtvolle Monstranzen, Blumen, auf dem Steinboden liegen reichlich Teppiche. Die Wandmalereien sind seit meinem letzten Besuch vor einem Jahr weiter ergänzt worden. Auch heute ist hier ein Maler am Werke. Er steht auf einem Gerüst und begrüßt mich freundlich.

Überhaupt sind hier alle Menschen zugewandt und hilfsbereit. Ein schwarz gekleideter Novize schreitet mit einigen Rotweinflaschen auf dem Arm zu seinem Verkaufspavillon am Eingangsbereich. Hier kann man rasten, essen, trinken. Ein paar Schritte weiter betreibt eine Frau einen Imbissstand, an dem ich heute eine Portion Pelmeni bestelle. Nach einem Kaffee und 15 Minuten Zubereitungszeit kann ich die leckere Spezialität aus einem Plastikteller löffeln. Sehr entspannt wirken die Menschen hier, obwohl es reichlich zu tun gibt. Hühner, Schafe, Ziegen, Truthähne… alle wollen gehegt und betreut werden.

Pelmeni nach Klosterart
Der Imbissstand
Und leckeres, gekühltes Bier für drei Euro gibt es auch noch
Das alte Gutshaus mit dem Bronzekreuz, das 2015 als Gedenken an die Opfer des Krieges 1941- 1945 aufgestellt wurde.

https://www.nordkurier.de/regional/uckermark/bronzekreuz-vom-don-in-der-uckermark-geweiht-1251778

Veranstaltungsplakat am Eingang

Demnächst gibt es hier einiges zu sehen und zu hören. Ein Grund mehr für den nächsten Ausflug nach Götschendorf.

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