Bauhaus, Luther, Cranach und die Bären von Torgau
Am späten Nachmittag lassen wir das Bauhaus-Ensemble in Dessau los und kurven durch die Auenwälder hinüber nach Vockerode. Das Hotel Elbebrücke wirbt mit sicherer Unterbringung der Räder und, mindestens genauso wichtig, einem sehr ordentlichen Restaurant mit dem Namen „Albert´s Treibhaus“, das im sogenannten „industrial chic“ gebaut wurde. Die Geschichte dazu erzählt uns mit viel eigenem Hintergrund der freundliche Mann an der Rezeption: Auf diesem Gelände stand zu DDR-Zeiten das größte Gewächshaus der Republik. Am Abend lassen wir es uns gut gehen bei Augustiner Bier und leckeren Speisen. Unser Hotelzimmer ist modern und auch „chic“. Vom ehemaligen Lehrlingswohnheim ist nichts mehr zu spüren.

Das Frühstück am nächsten Morgen ist mindestens genauso lecker wie das Abendessen. So rollen wir mit guter Laune im Gepäck hinüber nach Wörlitz, zum Gartenreich, von dem ich Peter schon vorgeschwärmt habe. Um halb zehn stehen wir vor dem Gebäude „Eichenkranz“, der Eingangspforte zum Gartenreich.



Ausgetrocknet und grau: Das Denkmal auf der Rousseau-Insel ist per pedes trocken erreichbar. Vor zwei Jahren kurvten hier noch die Ausflugsboote herum.

Die Kähne liegen aufgereiht auf der Uferwiese. Schön anzusehen, aber gleichsam auch trist.
Nach einem Besuch bei Fürst Friedrich Franz von Anhalt-Dessau schrieb Goethe an Charlotte von Stein am 14. Mai 1778
»Hier ists iezt unendlich schön. Mich hats gestern Abend wie wir durch die Seen Canäle und Wäldgen schlichen sehr gerührt wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben einen Traum um sich herum zu schaffen…«.
Wir können auch heute trotz halbausgetrockneten Teichen gut nachvollziehen, dass der Dichterfürst beeindruckt war. Wie auch wir.


Heute kann ich Peter auf unserer kleinen Runde nur einen Vorgeschmack zu einem zukünftig geplanten ausführlichem Besuch liefern. Das von Wetteronline angekündigte Regengebiet kommt näher, und wir tun gut daran, uns gen Wittenberg aufzumachen.
25 Kilometer noch bis zur Luther-Stadt. Und immer den Blick nach Nordwesten zu den immer dunkler werdenden Wolken.

Das Wallwachhaus Limesturm (Taubenhaus), zeugt von den aufwändigen Eindeichungen und dem Hochwasserschutz im 18. Jhd. Heute ist weit und breit kein Wasser in Sicht. Irgendwo hinter den riesigen Elbauen versteckt sich der Fluss. Die ersten Tropfen fallen aus dem grauen Himmel, als wir über die Bogenbrücke nach Wittenberg hinüberfahren. Gutes Timing! Schon gegen 15 Uhr können wir in der Cranach-Herberge einchecken, jetzt kann es regnen wie es will, in dieser geschichtsträchtigen Stadt gibt es viel zu sehen und zu staunen.

Unsere Räder sind sicher untergebracht im Schuppen des Cranach-Innenhofes. Insgesamt ein höchst beeindruckendes Ensemble, das in der DDR-Zeit immer mehr verfiel und erst nach 1989, initiiert durch eine Bürgerinitiative, umfangreich restauriert wurde. Deren Sinnspruch war: “ Wo Häuser verkommen, verkommen auch Menschen“.



Und so sieht es heute aus.


An jeder Ecke Kunst und Geschichte, die wir genussvoll und begierig aufsaugen. Deshalb sollen hier auch die Bilder sprechen.



Nach einem ersten Rundgang mit Regenschirmen bei Platzregen beruhigt sich das Wetter und passend zum Sonnenuntergang leuchten die Giebel der Innenstadt, wie von einem Filmregisseur inszeniert.




Und ergänzend zur historischen Kulisse machen wir noch einen Besuch im Augusteum, in dem uns der Museumsführer nicht von der Seite weicht: Er hat reichlich zu erzählen, er reiht Geschichte an Geschichte, Anekdote an Anekdote. So bekommen wir noch mehr zu hören als zu sehen.



Selbst Peters Speicher, der mehr über Luther erfahren wollte, ist übervoll.

Zur Verarbeitung des Gesehenen und Erlebten gönnen wir uns im Brauhaus nebenan Speis und Trank.
Am nächsten Morgen sagt meine Wetter-App ordentliche Bedingungen bis zum frühen Nachmittag voraus. So können wir gut gelaunt auf unsere letzte Etappe nach Torgau starten. Nur der brutal aus Südwest blasende Wind hemmt unseren Vorwärtsdrang ein wenig.


An der Windmühle bei Zahna rätseln wir über den dargestellten Elb-Bubu, einen Greifvogel aus verrostetem Stahl.
Der Himmel strahlt noch in feinstem Blau, der Wind bläst immer heftiger. So arbeiten wir uns durch die Auenlandschaft und freuen uns über jeden Kilometer.

In Klöden darf mein Topstone sich an eine riesige Eiche anlehnen.

„Last, but not least“, noch sind es 14 Kilometer bis Torgau. Ich frage mein Garmin nach dem kürzesten Weg dorthin. Der angezeigte Track sollte sich als fast unfahrbar herausstellen: Auf einem rumpeligen Deichweg kommen wir der Stadt zwar näher – wir sehen schon die Kirchtürme, aber der Weg macht Kurven und endet auf einer Flusswiese. Peter flucht zu recht.

Ich fluche auch! Erfreulicherweise bleibt es trocken, und wir müssen auch keine Bäche durchwaten.

Geschafft! Wir haben Torgau erreicht.



Die Bären im Schlossgraben bleiben in sicherer Entfernung.



Und wieder einmal lasse ich die Bilder sprechen: Torgau zeigt sich von seiner prächtigsten Seite. Schloss Hartenfels ist prächtig restauriert und glänzt.

So lautet der Titel einer Ausstellung im Schloss zu Ehren von Kurfürst Johann Friedrich, dem Gutmütigen
Unsere Standfestigkeit und auch unsere Trinkfestigkeit testen wir in Torgau gewissenhaft.
Als wir uns auf den Weg zu unserer Pension machen, sehen wir auch die weniger schönen Seiten- ( Gassen). Es gibt noch viel zu tun.

In der Entengasse checken wir ein und beziehen ein kleines Zimmerchen, in dem wir uns gerade so drehen können. Dusche und Toilette sind ähnlich klein wie in einem Wohnmobil. Was soll´s, wir wollen ja nur gut schlafen hier. Also machen wir uns wieder auf zum Stadtrundgang. Später testen wir Bier und Speisen beim Italiener. Und weil es unser letzter Abend bei dieser Tour ist, wird es spät. Irgendwann kurz vor Mitternacht erklimmen wir die Treppe zu unserem Zimmer und fallen wie tot in die Betten.

Am nächsten Morgen wachen wir nach tiefem Schlummer ausgeruht und, oh Wunder, ohne Kopfschmerz auf und rollen hinüber zum Bahnhof und räsonieren schon über unsere nächste Tour: Vielleicht dann an die Neiße und die Oder?! Wir sind uns einig, wir werden das machen!
Dann steigt Peter in den Zug Richtung Regensburg und ich eine halbe Stunde später in den Regio nach Berlin. Die Züge fahren wider Erwarten pünktlich.
