Rauf auf den Darß und rüber nach Rügen, Teil 3

Westwind, Stärke 4-5, aufklarend. So sieht die Wettersituation aus, als ich am Frühstückstisch sitze. Eine Sonnenetappe erwartet mich heute, eine Etappe zum Erinnern an frühere Urlaube hier, an die Wanderungen mit unserem Retriever, und jetzt zum Entdecken von Neuem, das es immer gibt, wenn man das Herz öffnet. „Aber die Augen sind blind, man muss mit dem Herzen suchen“, lässt Antoine de Saint-Exupéry bekanntlich seinen Kleinen Prinzen sagen.

Ich befreie mein Granfondo aus dem Hausmeisterbereich hinter der Hoteltiefgarage, den ich freimütig genutzt habe, weil das Dorint offensichtlich hauptsächlich an die Autourlauber denkt, weniger an das sichere Unterbringen von Fahrrädern. Ein klares Minus für dieses Hotel. Dreckverkrustet sind Innenlagerbereich, Bremsen und Hinterbau. Auf dem Deich werde ich das einfach abschütteln.

Eine Lustfahrt über den Darß, dann auf dem Ostseeradweg nach Stralsund und dann hinüber auf die Insel Rügen soll es werden. Die ersten Kilometer bleibe ich auf dem Deichweg, der hinüber nach Ahrenshoop führt. Die Steilküste weicht immer weiter zurück, Meter um Meter frisst das Meer den Strand weg. Vor zehn Jahren konnte ich noch laufen, wo jetzt die Abbruchkante verläuft.

In Ahrenshoop kann ich nicht widerstehen, beim wunderbaren Licht dieses Morgens ein paar Fotos aus der Postkartenperspektive zu schießen. Das Reetdachhaus und die Baumgruppe stehen sehr geübt dort, wo sie immer stehen.

Ich mache eine kleine Pause und sauge diesen Blick ganz tief in mich hinein. Dann schwinge ich mich gut gelaunt aufs Rad und fahre hinüber auf die Boddenseite des Künstlerdorfes, vorbei an der Schifferkirche und dem hohen Sendemast. Weit reicht heute der Blick bis nach Born, das ich nach 15 Minuten Rückenwindgleiten erreiche. Eine riesige Rinderherde steht auf einer genauso riesigen Weidefläche. Wasserbüffel als Schattenrisse vor einem kleinen Tümpel.

Auf dem Radweg hin nach Zingst kommen mir unzählige Radlergruppen entgegen. Die E-Bikes werden deutlich favorisiert. So verlieren die Kilometer und auch der Gegenwind den Schrecken. Ich blicke in lachende und zufriedene Gesichter. Als ich Kurs nach Barth und zur Meiningenbrücke setze, bin ich wieder allein auf den Wegen. Zum ersten Mal schaue ich mir die historische Hansestadt genauer an. Bei Brevets aus Berlin kommend, hatten wir es immer eilig, direkt zum Kontrollpunkt in Prerow zu kommen.

Es ist Markt in Barth, nur bin ich noch leidlich satt vom guten Frühstück, so lasse ich die Verkaufsstände links liegen. Nach Osten hin verlasse ich den Stadtkern und fahre weiter in das grüne Land. Die Touristen laufen auf dem Darß herum, hier jedenfalls ist kaum eine Menschenseele unterwegs. Weites Land.

Noch 20 Kilometer bis Stralsund, ich fahre bis an den Strelasund heran und nähere mich dem Stadtkern von Norden. Zwischen den Bäumen kann ich an der Abbruchkante hindurchschauen auf den weißen Strand. Die riesige Rügenbrücke kommt in Sicht, die Hafenspeicher türmen sich vor mir auf. Im Hafenrund wird es touristisch: Backfischstuben und -stände sind hier aufgereiht. Die Besucher stehen Schlange. Auf Anstehen und Einreihen habe ich keine Lust, so mache ich einen Zusatzbogen zur Gorch Fock 1 hin, die als Museumsschiff den Hafen verschönert. Es ist 14 Uhr, als ich unter der neuen Brücke hindurchquere und auf den alten Rügendamm einbiege.

Zwei Kilometer inseleinwärts dann der Imbiss der besonderen Art: Das Bistro „Reiter“ wirbt mit einer Angebotspalette vom Russischen Eis über Backfisch XL und Rauchwurst bis zum Apfelstrudel. Mein Hunger ist so mächtig, dass ich mich heranlocken lasse. Vor mir holt ein Insulaner gerade seinen vorbestellten Heilbutt ab, 10 kg bratpfannengroße Fische in einer Plastiktüte. Folgerichtig entscheide ich mich für eine Portion Backfisch mit Kartoffelspalten. Die Portion ist riesig und sehr schmackhaft.

Satt und zufrieden kurbele ich weiter in Richtung Putbus. Die Fahrt über die „Deutsche Alleenstraße“ eröffnet herrliche Ausblicke, der nicht vorhandene Radweg sorgt aber für ein leichtes Unwohlsein, denn hier sind reichlich Autos unterwegs.

Fürst Malte hat vor über 200 Jahren den Kern des Städtchens seinem Schloss angepasst, alles in Weiß gestrichen, alles im klassizistischen Stil gebaut. Im Laufe der ( DDR)Zeit ergraut und mittlerweile wieder herausgeputzt, steht das Ensemble als Gesamtdenkmal da. Heute lasse ich den Schlosspark einfach „rechts liegen“ und fahre weiter – hin nach Sellin und Baabe, wo endlich ein Radweg nach Alt-Reddevitz abzweigt. In den Sonnenuntergang hinein radle ich einsam gen Middelhagen, wo ich im Gasthof Linde übernachten werde.

Auf der Weide blöken die Rinder noch lange in die Nacht hinein, ich mache noch einen kleinen Rundgang an unserem ehemaligen Feriendomizil vorbei, und dann entdecke ich einen WEINKELLER! Auf Rügen! Das Ehepaar Geller hat 2016 nahe beim Gutshaus 1000 Rebstöcke gepflanzt, mit Sorten wie Ortega und Pinotin. Das Ergebnis der ersten Lese aus 2019 teste ich mit einem Glas Ortega, einem milden, doch aromenreichen weißen Wein. Sehr schmackhaft, ein echter, weil unerwarteter Genuss.

Beim nächsten Familien-Rügenurlaub ist der Weinkeller jedenfalls eine erste Adresse.

Im Gasthof Linde, dem ältesten der Insel, genieße ich noch ein Bier aus der eigenen Brauerei, dann sinke ich in die Federn.

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne über Mönchgut und den Zickerbergen. Auf dem Weg nach Westen wird mir heute der Wind ins Gesicht blasen. Aber ich kann mir ja Zeit lassen. Bis zum Bahnhof in Greifswald sind es nur knapp 70 Kilometer, auch wenn ich alle Radwegumwege mitfahre.

Mein Granfondo war in der vergangenen Nacht der einzige Gast im Fahrradschuppen der Linde. Ich winke nochmal rüber zur alten Dorfschule und der Keramikwerkstatt, dann bin ich schon wieder on the road. In Alt-Reddevitz stürze ich mich die 13-% -Abfahrt hinunter, obwohl doch Absteigen befohlen ist.

In Moritzdorf hat der Fährmann nach der Urlaubssaison einen kleinen Außenborder am Boot in Betrieb genommen . „Im Sommer rudere ich aber immer“, versichert mir der Wettergegerbte. Von hier aus schwingt sich der Weg über die Hügel und immer wieder runter an die Wasserlinie. In Groß Stresow begegnet mir der Preußenkönig Wilhelm I. – in Form einer leicht ramponierten Statue.

Ursprünglich stand der Wilhelm auf einer hohen Säule, dann wurde er abtransportiert und sollte restauriert werden. Das ganze Projekt scheiterte mehrfach, Wilhelm wurde arg beschädigt. Arm ab, Bein ab, Hutkrempe zerdeppert. Der Arme!

Jetzt steht er einigermaßen sicher wieder ganz nahe der ursprünglichen Stelle. Wer die ganze Geschichte erfahren will, hier ist sie zu lesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Preußensäulen

Über Putbus und Garz rolle ich wieder die Alleenstraße entlang, herrliche Linden und Eichen säumen den Weg.

In Glewitz wartet schon die Fähre, die mich hinüber bringt nach Stahlbrode. Drei Kilometer weiter westlich treffe ich wieder auf den Ostseeküstenradweg. Der verläuft nun parallel zur B 105 auf der ehemaligen Landstraßenallee. Das hört sich zunächst gut an, wenn diese Straße nicht gepflastert wäre – mit sogenanntem Kleinpflaster, das zwar nicht, den Rumpelfaktor betreffend, mit den dickeren „Katzenköpfen“ mithalten kann, aber arg unbequem zu fahren ist. Mit dem Mtb oder dickbereiftem Tourenrad mag das noch verträglich sein, mein Granfondo jedenfalls schüttelt sich unwillig.

Kleinpflaster-Radweg

Kurz vor Erreichen von Greifswald mache ich noch eine Biege hin zum Bodden. Einmal noch Wasser sehen. Die Wohnplätze heißen hier Leist 1, Leist 2, Leist 3. Sehr ideenreiche Namensgebung. So ähnlich wie Ausbau 1, … Dann wende ich mich für heute das letzte Mal der Hansekultur zu. Eine Runde durch Greifswald ist noch drin, bevor der R 3 um 14.39 Uhr in Richtung Berlin abfährt.

Nach 2 1/2 Stunden Bahnfahrt steige ich in Bernau aus und genieße die letzten 24 Kilometer der Etappenreise im strömenden Regen. Zu Hause wartet die beste Ehefrau von allen und vor allem eine heiße Dusche.

500 Kilometer Natur und Kultur. Es hat gut getan.

Als ich diese Zeilen schreibe, ist der Lockdown 2 beschlossen. Gutes Timing war das.

https://www.strava.com/activities/4236661765/embed/13597b3e9f9383a669b454c7b02cd463747fa52a

Demnächst folgt noch ein kleines Kompendium zur Ausrüstung und zur Packliste.

Rauf auf den Darß und rüber nach Rügen, Teil 2

Schön war es in Waren, ein Frühstück mit Bircher Müsli, Rührei und leckerem Brot ist eine gute Grundlage für eine voraussichtlich verregnete Etappe. Also lasse ich mir Zeit heute morgen. Sorgfältig packen, die Regensachen parat halten. Nochmal einen Blick auf wetteronline werfen. Die Vorhersage wird nicht besser, den ganzen Tag über zieht ein gewaltiges Regengebiet übers Land. Durchfahren, akzeptieren, positiv bleiben. Wie lautet doch ein weiser Spruch: “ Du sollst dich nur über Dinge ärgern, die du auch ändern kannst“.

Um 9.30 Uhr stehe ich im Radschuppen des Hotels – mein Granfondo hat die Nacht gut überstanden und wartet samt allen Anbauten fröhlich auf den Start.

Adieu Waren, auf geht es nach Norden. Entgegen meiner ursprünglichen Planung wähle ich die kürzeste Route in Richtung Ribnitz-Damgarten, entlang der B 108. Auf den ersten Kilometern gibt es einen begleitenden Radweg, da kann ich es mir so richtig gemütlich machen im Nieselregen. Doch bald muss ich rauf auf die Bundesstraße, der richtige Zeitpunkt, meine Rückleuchte von Lezyne in den Tageslicht-Blitzmodus zu stellen. Der ist geradezu fies hell – erfreulicherweise halten die Autos und LKW großen Abstand beim Überholen.

Alte Schmiede bei Burg Schlitz

So schöne Plätze wie die Burg Schlitz, das Schloss Schorssow und Ulrichshusen passiere ich heute ohne Umwege dorthin. Überall war ich schon, also kann ich mir die Sehenswürdigkeiten einfach vor mein geistiges Auge holen. Das spart Kilometer. Nur die ehemalige Schmiede von Burg Schlitz banne ich auf ein Foto, denn sie liegt günstig direkt am Straßenrand.

Regenjacke anziehen, ausziehen, Windjacke, Windjacke nass, shakedry an… so geht das munter über die nächsten Stunden. Zwischendurch wird es mal etwas heller, dann kommt der Segen wieder von oben.

Ich teste einige mehr oder weniger luxuriöse Wartehäuschen. So richtig gemütlich ist das nicht. Aber Hauptsache die Füße und die Hände bleiben warm. Ich passiere die bekannten Brevet-Kontrollorte Teterow und Tessin. Meistens kamen wir hier bei Sonnenaufgang oder auch etwas früher vorbei, wenn wir auf einem 600er Brevet unterwegs waren. Wie ist das doch beschaulich heute im Vergleich dazu. Fischland, den ersten Teil der Halbinsel, erreiche ich bei Dierhagen und kurbele mich dort zum Strand durch. Grau ist die Ostsee, nur die Wellenkämme setzen weiße Streifentupfer.

„Bonzen Raus“ lese ich unter dem kleinen Windrad kurz vor Wustrow. Ich fühle mich nicht angesprochen.

Wenige Minuten später stehe ich an der Seebrücke und schiebe mein Granfondo zwischen den Restaurants „Moby Dick“ und „Swantewitt“ hindurch. Wie oft habe ich hier schon gestanden.

Ich lasse die ersten Erinnerungen und Eindrücke erst mal wirken, dann gehe ich hinüber zum Dorint, wo ich ein Zimmer gebucht habe.

Herbsteszeit, Glühweinzeit. Gleich mache ich noch einen kleinen Dorfrundgang, dann gönne ich mir ein leckeres Mahl. Um 22 Uhr liege ich flach, erfreue mich an der Sonnentagvorhersage in wetteronline und schlafe wohlig und erwartungsvoll ein.

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Morgen geht es rüber nach Rügen, bei Rückenwind und Sonnenschein.

Rauf auf den Darß und rüber nach Rügen, Teil 1

Körperschonend und komfortabel. Es soll keine Brevet-Fahrt werden, bei der man 600 oder gar 1000 Kilometer mehr oder weniger am Stück zurücklegt und sich dabei so richtig quält. Immer wieder befrage ich „wetteronline“ in den Tagen vor dem geplanten Start. Durchwachsen soll es werden in der Woche 43 des Jahres 2020. Fest steht, dass es eine Nordrunde mit Fischland-Darß und Rügen wird, und die erste Etappe soll mich nach Norden in Richtung Seenplatte führen. Corona treibt ihr Unwesen zwar auch im Norden, aber es gibt noch keine Hotspots, auch nicht annähernd. Und als Brandenburger darf ich auch noch in Pensionen und Hotels übernachten. Im Radkeller scharrt mein Titan-Granfondo schon unruhig mit den Pedalen. Die zwei Ortlieb-Gravel-Taschen schlucken Radklamotten und Zivilkleidung für die Abende. In der Oberrohrtasche verstaue ich meine Shakedry-Regenjacke und Neoprenfüßlinge – für alle Fälle. Drei dicke Schoko-Eiweißriegel stopfe ich noch hinein. An der Frontgabel habe ich meine neueste Errungenschaft, einen Ortlieb-Forkbag, befestigt. Hier finden Ersatzschläuche, CO2-Kartuschen und ein dickes ABUS-Schloss Platz. Elektronik, Kabel, Powerbank, iPhone, all das liegt vor Nässe geschützt in dem kleinen Frontbag von Topeak.

Am 20.10. rolle ich gegen neun Uhr nach einem ausgiebigen Frühstück los. Ein frischer Wind mit Stärke 3 bis 4 soll aus Südost blasen. Das passt trefflich für den Kurs hin zur Seenplatte und die schöne Stadt Waren am Müritzsee.

Nein, es ist kein Raps! Senfsaat blüht hier bei Liebenberg.

Zuerst geht es auf bekannten Pfaden an Oranienburg vorbei, dann am Voßkanal entlang, dann knicke ich ab nach Malz und nach Liebenberg. Der hilfreich schiebende Wind macht es leicht, in einen schönen Rhythmus ohne Anstrengung zu finden. Kleine Ortschaften, sanfte Landschaftswellen – kurz vor Gransee werden vor einer Hofeinfahrt dicke rote, gelbe und grüne Kürbisse feil geboten.

Gransee liegt verschlafen da. Wo sind die Menschen? Neben dem Ruppiner Tor führt der Weg durch das sogenannte Waldemartor, das nach der vom Kurfürsten verordneten Vermauerung des Haupttors angebaut werden musste. Hier die Geschichte dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldemartor

Von Gransee aus führt der Stechlinsee-Radweg auf der historischen Bahntrasse über 10 Kilometer herrlich ausgebaut bis nach Schulzendorf. Ein Gedenkstein und eine bunte Darstellung des Geschehens vom August des Jahres 1316 erinnern an die Schlacht bei Gransee zwischen den Brandenburgern und den Mecklenburgern.

https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/mecklenburg-magazin/vor-700-jahren-die-schlacht-bei-gransee-id15583436.html

In Schulzendorf, vor der ARCHE-Kinderranch, rollen auch Köpfe und fließt auch Blut, allerdings hier in einer aufwändigen Installation zu Halloween:

Rheinsberg ist die nächste historische Station am Radweg. Kronprinz Friedrich, der bis 1740 hier seine „glücklichste Zeit“ verbrachte, bis er dann die Nachfolge seines strengen Vaters antrat und nach Berlin umziehen musste, begrüßt die Besucher . Friedrich der Große, wie er genannt wird, sollte nie wieder die Stätte seiner unbeschwerten Jugendzeit besuchen.

Weiter rolle ich auf dem alten Bahndamm-Radweg, der durch herrliche Laubwälder führt. Eichen, Buchen, Linden – starke Bäume atmen CO2 ein und Sauerstoff aus. Waldbaden ist gesund für Körper und Seele.

Der Wald duftet herbstlich, nasses Moos, Pilze, Harzgeruch. Aber Waldbaden macht auch hungrig. So lege ich in Rheinsberg beim Bäcker Läge einen Stopp ein und stärke mich mit Milchkaffee und Apfelkuchen.

Die Bahnlinie, die ursprünglich bis Zempow führte, wurde übrigens nach 1945 im Rahmen von Reparationsleistungen abgebaut. Heute kann ich mich als Spätfolge über den glatten, hügelfreien Radweg freuen. Zempow, Sewekow, Karbow, bald bin ich am Meer. Nein, nicht an der Ostsee, aber am größten Binnensee des deutschen Landes, dem Müritzsee. In Röbel mache ich einen Erkundungsgang um die mächtige Backsteinkirche St. Marien, die auf einem kleinen Hügel thront.

Ein paar Meter weiter stehe ich an der Hafenmole vom Stadthafen Röbel. Am Müritzstrand liegt Kunst in Form von zwei Holzfiguren, die genießend auf das Wasser schauen.

Auf dem Weg nach Waren lasse ich mich auf den Müritz-Rundweg ein, der durch die Wälder, am Wasser entlang, Hügel rauf und runter, über Schotter und durch Sand führt. Aber schön ist er!

Aus dieser Perspektive ist das Ostufer des großen Sees nicht zu sehen. Nur die Bäume sind ab mittlerer Höhe zu ahnen. Die „Wölbungshöhe“ der Erdkrümmung macht auf über 10 Kilometern von Ufer zu Ufer ca. 3 Meter aus. Und da schaut meine Kamera nicht drüber, sondern folgerichtig nur auf und hauptsächlich in das Wasser. Noch ein paar Bögen, dann kommt das Schloss Klink in Sicht. Ich wähne mich an der Loire und nicht am Müritzsee.

Schloss Klink

Die sehr wohlhabende Familie Schnitzler ließ das Herrenhaus von den Architekten Grisebach und Dinklage im Stil der Neorenaissance entwerfen und innerhalb von weniger als drei Jahren errichten. Arthur Schnitzler konnte samt Familie im Jahre 1900 einziehen. Auch für eine große Familie reichlich Platz zum Wohnen und Sein. Zumal auch noch 1150 ha Land samt Dörfern der Umgebung zugekauft wurden. Protz und Prunk. Sogar ein Mausoleum im Stile eines antiken Tempels ließ die Familie aufwändig am Steilufer der Müritz bauen. Schließlich brauchte man auch für die Verblichenen und noch Verbleichenden eine adäquate Ruhestätte. Die ist allerdings 1976 im Auftrag der Gemeinde Klink vom Autobahnkombinat Rostock gesprengt worden. Ein Mausoleum sprengen?! Ich mag mir das gar nicht vorstellen.

Weiter führt der Weg am See entlang – zur Linken ein kleiner Park mit einer aufragenden Skulptur. Auf einem Sockel aus Stahlbeton wirbelt ein Athlet eine Frau und ein Kind durch die Lüfte. Wer hat das denn geschaffen, und wann? So intensiv ich auch google, ich finde partout nichts über dieses Kunstwerk.

Dann mache ich wieder einmal mit Kamerun Bekanntschaft, diesmal in Form eines Campingareals am See mit diesem Namen. Sogar eine Nationalflagge hat der Betreiber gehisst.

Beim Einbiegen zum Strand hin fängt ein riesiger Schiffspropeller meine Aufmerksamkeit. Die hier ansässige Metallguss GmbH fertigt die größten Antriebsschrauben weltweit! Wer hätte das gedacht!

Waren kommt in Sicht. Ein schön anzuschauendes Städtchen mit historischem Flair. Eigentlich ganz untypisch für diese Region. Ansteigende Gassen, historische Häuser, einladende Gastlichkeit.

Am Yachthafen steht die Skulptur „Der verlorene Sohn“ von Stefan Voigtländer. Zur späten Nachmittagsstunde halte ich mich hier nicht lange auf, obwohl das Ambiente einladend ist. Zuerst kurve ich hinüber zum Tiefwarensee und dem gleichnamigen Hotel, in dem ich ein komfortables Zimmer beziehe. Duschen, frischmachen und dann wieder hinüber in die Altstadt. Es hat angefangen zu regnen. Alle Menschen, die ich vorher in den Gassen gesehen hatte, scheinen die wenigen „Corona-Plätze“ in den Restaurants reserviert zu haben. So bin ich froh, bei einem netten Italiener noch eine Pizza und ein Viertel Rotwein zu bekommen. Um 22 Uhr liege ich im Bett, schaue noch die Nachrichten und schlummere hinweg.

Bis Waren waren es 153 Kilometer. Morgen kommt Etappe 2 – hin zum Darß

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Zur Pyramide in den Wald und dann schnell in die Schweiz

Wo habe ich eigentlich die erste Pyramide gesehen, frage ich mich. Als Milchverpackung zu Volksschulzeiten in den 50ern. Oben wurde der Strohhalm reingedrückt. 2a73d683bc1b2a9c93be5b0ac335fe5f

Vier gleich große Dreiecke hat der Tetraeder als Wände. In speziellen, verzinkten Stahlkörben lieferte in den 50er und 60er Jahren die Molkerei die Getränke in die Schule. In derselben Schule lernte ich, dass die Pyramiden von Gizeh viel größer und vor allem viel älter sind als die Getränketüten. Schon 2600 Jahre vor Christi Geburt, also vor mehr als 4600 Jahren errichteten viele fleißige Ägypter für ihren Pharao Cheops ein über 146 Meter hohes Grabmal, mit quadratischem Grundriss und einer Kantenlänge von 230 Metern. tourismus-an-den-touristenattraktionen-in-aegypten-wie-der-cheops-pyramide-ist-kaum-etwas-los-die-zahl-der-besucher-ist-zwar-gestiegen-liegt-aber-noch-unter-der-des-rekordjahres-2010Bis heute ist diese Pyramide die höchste, die je gebaut wurde. Pyramiden hatten auch in deutschen Landen um das Jahr 1800 Hochkonjunktur, weil Fürsten und andere Edelleute sich gerne ein so geformtes Gebäude als Totentempel zu Lebzeiten errichten ließen. Freilich waren das etwas kleinere Exemplare als die Riesen der Ägypter.

Warum schreibe ich heute so viel Text über Pyramiden? Genau: Weil ich bei meiner letzten Ausfahrt ein wunderbares Beispiel für solch ein Mausoleum mitten im Wald entdeckt habe. Wo: ganz nah beim Örtchen Garzau in Märkisch Oderland. Dort nämlich kaufte Graf Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau im Jahre 1779 das Gut Garzau und legte nördlich davon einen weitläufigen Landschaftspark an, mit einem schlossähnlichen Bau und einer schmucken Pyramide am Nordrand des Parks, gebaut auf einem kleinen Hügel, garniert mit einem Sonnenhang, den er mit Rebstöcken bepflanzen ließ. Nicht nur als künftige Grabstätte, sondern auch für seine geodätischen Vermessungen hat die Pyramide vermutlich dem Grafen als Messpunkt  gedient. Schmettau und schon sein Vater waren begeisterte und treffliche Kartografen, die auf eigene Initiative die preußischen Lande östlich der Weser erstmals detailliert und geografisch genau in einem Kartenwerk erfassten.

Kartenwerk

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In Garzau fängt ein Wegweiser mit der Jakobswegmuschel und dem Schriftzug “Pyramide“ meine Aufmerksamkeit. Ich biege kurz entschlossen nach links ein und folge den Wegweisern über Pflaster, Schotter und Sand in den Laubwald hinein. Fünf Minuten später stehe ich staunend vor dem kleinen Rebhang und der auf dem Hügel thronenden Pyramide.

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Kein Mensch ist zu sehen, es herrscht die totale Ruhe. Unten, am Fuße des Pyramidenberges, stehen wachsam drei alte, mächtige Eichen im Halbrund.

Ich nehme einen großen Schluck aus der Trinkflasche und kaue genüsslich einen Schokoriegel, bevor ich mein Granfondo hangaufwärts schiebe.

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Das griechisch anmutende Portal aus Sandstein passt nicht so recht zum übrigen Baukörper. Hier wurde ägyptisch-griechisch historisiert. Wie so oft zum Ende des 18. Jahrhunderts in Preußen. Pyramiden finden sich auch in Bad Muskau, im Park Sanssouci, … und in der modernen Zeit sind sie als Glaskonstruktionen  en vogue. Vor dem Louvre zum Beispiel.

Die Schmettausche Pyramide aber ist die einzige und somit auch die größte, die aus Feldsteinen der Mark gebaut wurde. Das ursprüngliche Portal findet sich seit 1815 an der Südseite der Strausberger Marienkirche, wohin es der Landinspektor Haberkorn versetzen ließ. Eine seltsame Reise hat das Eingangsbauwerk hinter sich, seit der Graf Schmettau im Jahr 1804 Garzau verkaufte und sich mit dem Kauf des Schlosses Köpenick wieder neuen Projekten widmete. Der Graf Schmettau muss ein vermögender Mensch   gewesen sein – und ein eifriger Feldherr. Als Generalmajor in der Schlacht von Auerstädt schwer verwundet, schied er in Weimar, im  Hause der Charlotte von Stein, am 18. Oktober dahin, wie ich bei Fontane lesen konnte.

Mein Granfondo lehnt an der Feldsteinmauer vorm Portal, während ich Verbotenes tue. Ich klettere, den aufgemalten Warnschildern zum Trotze die Stufen und Rampen hinauf bis auf die schwindelnde Höhe von 14 Metern.

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Dann stehe ich im Gipfelpavillon, von dem aus der Graf den Blick auf seinen Park und sein Schloss genießen konnte. Ich sehe nur auf den dichten Laubwald, der sich im Laufe der Zeit des freien Feldes bemächtigt hat. Schön grün, schön ruhig. Hier könnte ich gerne länger verweilen, wenn nicht schon der Nachmittag fortgeschritten wäre. Also klettere ich wieder vorsichtig hinunter und rolle wieder auf die Landstraße zurück, die ursprünglich eine Heerstraße war und neuerdings den Verlauf des Europa-Radweges Nr. 1 markiert. Genau der führt mich hinüber nach Garzin, an Bergschäferei vorbei –  hier gibt es einen Hofladen mit allerlei Köstlichkeiten –, nach Waldsieversdorf.

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Der Radweg ist bestens ausgebaut und knickt nach Norden in die Märkische Schweiz ab, nach Buckow, wo es schon Bert Brecht und Helene Weigel so schön fanden, dass sie ein Wochenendhaus an den See bauten. Wie es sich für eine Schweiz gehört, gibt es hier reichlich Berge. Luisenberg, Judendicktenberg, alle um die 70 schwindelnde Meter hoch über Meeresniveau. Die Luft ist gut hier. Und würzig.

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Gerade bin ich am Hotel Bergschlösschen vorbeigekommen.

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Und dies ist in Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ über Buckow zu lesen:

„Ja, Buckow ist schön, aber doch mit Einschränkung. Es hängt alles davon ab, ob wir Buckow die Gegend oder Buckow die Stadt meinen; – allen Respekt vor jener, aber Vorsorge gegen diese. Seine Häuser kleben wie Nester an Abhängen und Hügelkanten und sein Straßenpflaster, um das schlimmste vorwegzunehmen, ist lebensgefährlich. Es weckt mit seiner hals- und wagenbrechenden Passage die Vorstellung, als wohnten nur Schmiede und Chirurgen in der Stadt, die schließlich auch leben wollen.“

Zugegeben: Ganz so schlecht sind die Straßen heute nicht mehr, aber die verbliebenen Pflasterpassagen haben durchaus noch Fontane-Qualitäten.

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Rampe in Buckow

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Es war einmal – eine Drogerie

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Es war einmal – ein Café

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Es war einmal – ein Bahnhof

Der R1 führt durch herrlichen Buchenwald hinüber nach Münchehofe und dann heran an die Ostbahn und Obersdorf.

Laut Fahrplan kommt hier der nächste Zug nach Berlin erst um 18.44 Uhr an. Eineinhalb Stunden warten und keine gastliche Stätte in Sicht.

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Ein „Gasthaus“ Oha!

So fahre ich noch eine Runde über Neuhardenberg und dann über Hermersdorf zurück zur Bahn.

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Kunst im Bau

Die zwei Kilometer märkisches Brutalpflaster ohne Seitenstreifen von Wulkow hin nach Hermersdorf kann ich nur Masochisten oder Mountainbikern empfehlen.

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Halt in Obersdorf

Und das Resümee des Tages lautet: Pyramide entdeckt, Wälder genossen, die Schweiz durchkurvt, dem Durst und dem Hunger nur knapp entkommen.

Schön war’s!

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Der Barnim, der Finowkanal, und der Schwan von Eberswalde

Mittwoch, 1. April 2020, 11.43 Uhr. Ich stehe auf dem Vorplatz des Tierpräparators Ernst in Heckelberg. „Schlaue Füchse lassen nur bei Ernst präparieren“, lese ich im Schaufenster. Und nur dumme Füchse lassen sich schießen, um dann beim Ernst ausgestopft zu werden, kommt mir dazu in den Sinn. Im Schaufenster daneben Geweihe, Schnitzfiguren, Tand. Auch Zeitungen, Schreib-und Kurzwaren werden hier feilgeboten.

Der Präparator arbeitet sicher im Homeoffice hinter seiner Werkstatt. Die Ladentür ist verschlossen, so wie das ganze Dorf. Auf der Heckelberger Straße rolle ich rüber nach Brunow, dann lasse ich mich von einem nach Wölsickendorf weisenden Radwegschild verführen, hier abzubiegen. Auf den nächsten Kilometern erinnere ich mich an die Flüche von Peter, als wir vor zwei Jahren auch diesen Weg genommen hatten.

Erst Plattenweg, dann Schotter, dann grobes Pflaster, danach ein sandiger Hohlweg. Selten steige ich ab vom Granfondo, außer ich will eine Pause machen. Hier aber muss ich für 200 Meter runter vom Rad.

Die Hinweisschilder sind auf den Typ „Wanderweg“ reduziert. Nach einem kleinen Anstieg durch Kiefernwald weitet sich der Blick, ein langer Feldweg, der von blühenden Schlehenbüschen gesäumt ist, führt nach Wölsickendorf.

Diese Aussicht tröstet bestens über die Unbill des Rumpelweges hinweg. Auf dem Kirchplatz erinnert die frisch vergoldete Inschrift auf einem riesigen Findling an die Gefallenen des 1. Weltkrieges .

Im Wald  bei Wollenberg  passiere ich das Gelände des riesigen ehemaligen NVA-Bunkers aus den 80er Jahren, der mittlerweile von einer örtlichen Initiative zum Museum umgestaltet wurde. Mit modernster Funktechnik ausgerüstet, komplett autark mit Dieselaggregaten zur Stromerzeugung und mit eigenem Wasserwerk. Vergangenheit.

Die Landstraße 35 ist an die sanften Wellen des Barnim anmodelliert. Cöthen kommt in Sicht.

Hier führt ein Weg hinunter nach Falkenberg und hinüber zur Carlsburg durch den ehemaligen Gutspark des Anwesens der Familie von Carl Friedrich von Jena. Dem ehemaligen Gutshaus ist die alte Pracht abhanden gekommen.

Typisches DDR-graubraun ziert die Fassaden. Ein „mehrheitlich queer-feministisches Kollektiv“ müht sich seit Jahren, wieder Leben in die Liegenschaft zu bringen. Mit augenscheinlich mäßigem Erfolg.

 Vorbei an Wasserrad und Wasserfall gleite ich hinunter nach Falkenberg und bin aufs Neue erstaunt über die Hausbezeichnungen Mon Choix und Mon Plaisir. So taufte seinerzeit Carl Friedrich von Jena seine Sommerresidenz. Heute residiert hier ein kleiner Gasthof mit integriertem Puppenmuseum. In Falkenberg biege ich ab in Richtung Niederfinow-Eberswalde und arbeite mich auf dem Oder-Havel-Radweg  gegen den frischen Westwind vor. Im Wald knarren aneinander reibende Stämme, Spechte hämmern im Totholz an ihren Behausungen. Mein Lieblingsplatz an der Ragöser Schleuse liegt verlassen da.

Sehr erfreulich in Corona-Zeiten. Ich mache es mir gemütlich, knabbere gleich zwei Körnerriegel weg und genieße dazu das kühle Wasser aus der Trinkflasche. Zum ersten Mal lese ich die Schilder an der Schleusenbrücke: Vollendet im Jahre 1877. Also ist dieses Bauwerk erst in einer späteren Ausbauphase des Finowkanals entstanden. Denn der ist schließlich mit der Inbetriebnahme im Jahr 1620 die älteste künstliche Wasserstraße nördlich der Alpen.

Der Finowkanal brachte im 18. Und 19. Jahrhundert mannigfaltige Industriebetriebe in die Region. Eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs begann. Wer heute den Radweg auf der ehemaligen Treideltrasse unter die Räder nimmt, dem begegnen auf jedem Meter die Zeugen der vergangenen Zeit. Und jedesmal, wenn ich hier vorbeikomme, entdecke ich wieder Neues und Interessantes. Dieser Weg ist ein historischer Pfad durch die Industriegeschichte der letzten zwei Jahrhunderte. Der Wohlstand der Gründer- und Aufbauzeit ist nur noch zu erahnen.

C(h)orona auch in Eberswalde

Von den großen Fabriken, Kraftwerken, Mühlen stehen nur noch Ruinen am Kanal. Info-Tafeln führen die Gedanken in die alte Zeit.  Als meine Gedanken in die Vergangenheit driften und ich mir die Bauruinen im Blütezustand vorstelle, lenkt ein großer, weißer Schwan meine Aufmerksamkeit einzig auf sich.

Mitten auf dem Treidelweg neben der Eberswalder Schleuse kommt er mir entgegen. Langsam watschelnd, aber in stetigem Tempo, immer näher und näher. Ich halte an und steige vom Rad. Der Schwan läuft weiter, mich immer fest im Blick und umgekehrt. Ganz nah vor mir zischt er mir laut entgegen: „lass mich vorbei, dann bekommst du keinen Ärger“. Nah zum Anfassen schreitet er an mir vorbei und geht wieder auf sein Revier zu, auf das Wasser des Finowkanals. Das ist der „magic-moment“ des heutigen Tages. Allein dafür hätte sich die Ausfahrt schon gelohnt.

Aber zurück zur Industriekultur am Finowkanal. Wer hier mit offenen Augen entlang geht oder fährt, kann die Geschichte vorm geistigen Auge real werden lassen.

Die Ruinen der Papierfabrik
Kraftwerk Heegermühle
Ob Fontane sich auf dieser Brücke 1845 verlobt hat? Zweifel sind angebracht. Angeblich sind Fertigungsstempel eines Walzwerks aus dem Ruhrgebiet vorhanden. Theodor und Emilie wird es nicht mehr kümmern.

Ein Floß nahe der Flößersiedlung

Mit ein wenig Phantasie funktioniert das. Die alte Papierfabrik, die Messingwerksiedlung, das Kraftwerk Heegermühle, die Schöpfurter Mühle, die industriellen und die sozialen Errungenschaften unserer Geschichte. Hinschauen, informieren und nochmal hinschauen. Es lohnt sich!

Zum Nachfahren und Informieren:

https://www.tourismus-eberswalde.de/fileadmin/user_upload/Prospekte/prospekte_2018/Eberswalde-Broschuere-Industriekultur-Webversion.pdf?download

und hier auf STRAVA: https://www.strava.com/activities/3242993968

Wes das Herz voll ist, läuft der Mund über

In Kraatz, kurz vor Erreichen von Gransee, entdecke ich die ersten beiden Störche, die nach Brandenburg zurückgekehrt sind. Gut, vielleicht gibt es noch ein paar weitere Paare. Für mich aber sind es die ersten. Stolz stehen sie im gut gebauten Nest und schauen auf mich hinunter. Dann breitet Herr oder Frau Storch die herrlichen Schwingen und setzt an zu einem kleinen Rundflug um das Dorf.

Nur um diese beiden majestätischen Vögel in Aktion zu erleben, hätte sich schon die Anreise von 50 Kilometern gelohnt. Corona hin, Corona her, mir wird klar, dass es auch andere Lebewesen auf diesem Planeten gibt, die Achtsamkeit und Zuwendung und Schutz bedürfen. Und Störche gibt es wahrscheinlich seit dem Oligozän, also schon mindestens seit 20 Millionen Jahren. Danach hat sich Mutter Erde für das Erscheinen des Menschen noch ca. 19 Millionen Jahre Zeit gelassen. So lange wie die Störche wird die Gattung Mensch es höchstwahrscheinlich auf diesem Planeten nicht aushalten. Dafür wird der Mensch schon sorgen! Nach diesen naturphilosophischen Betrachtungen richte ich meinen Blick wieder nach Westen. Noch kann ich den spürbaren Ostwind als Unterstützer genießen.

Losgefahren bin ich gegen 10 Uhr und dann über Summt und Lehnitz an der Kanalschleuse auf den wunderbaren Radweg eingebogen. In Malz, einem typischen brandenburgischen Reihendorf, entdecke ich am nördlichen Ortsende, am Übergang in die Schmachtenhagener Wiesen, diesen liebevoll gemachten Osterkitsch.

Ich fahre auf einem Abschnitt des Königin-Luise-Radweges, der über Liebenberg und Meseberg nach Gransee führt. Herrlich, bei kühlendem Ostwind und strahlend blauem Himmel! Und allein auf weiter Flur, nur begleitet vom munteren Zwitschern der Vögel und unter den gelangweilten Blicken von Pferden und Rindern. Bei Hertefeld hängt ein mattlila-farbenes Schild an der Lehne einer einsamen Ruhebank.

„M.Schnur, stellv. Bürgermeisterin“ von Liebenwalde hat die öffentliche Bekanntmachung unterzeichnet. Das Betreten öffentlicher Orte ist bis zum 5. April untersagt. Dazu gehören öffentliche Wege Straßen, Plätze …

Darf ich auf dieser Bank jetzt nicht sitzen, darf ich diesen Weg nicht betreten??? DOCH! Denn Frau Schnur hat die Originalverordnung des Landes Brandenburg kurzerhand verkürzt veröffentlicht und den Passus, dass Sport und Spazierengehen in frischer Luft und unter Einhaltung der Abstandsregeln durchaus erlaubt sind, geradezu erwünscht als gesundheitsfördernde Maßnahme in dieser besonderen Zeit, nicht wiedergegeben. So kann man einsame Radler und andere Menschen verunsichern.

Wie diese über 80-Jährigen hier vielleicht, die seit dem 21.3. einen Rollator vermissen:

Schloss Liebenberg kommt in Sicht. Bis auf einen einsamen Gärtner ist keine Menschenseele zu sehen, und als Fontane-Verehrer freue ich mich über die informativen Tafeln, auf denen über die Beziehung von Fontane zu den von Eulenburgs geschrieben wird.

Bergsdorf, Häsen, Kraatz – bis hierher sehe ich keinen Menschen, nur ein paar Lieferwagen überholen mich auf der Landstraße. Auch in Kraatz ist keiner auf der Dorfstraße zu erblicken.., wie zu normalen Zeiten allerdings auch nicht. Gransee kommt in Sicht. Auch hier ist es noch leerer als sonst. Ein Bäcker hat geöffnet – Kaffee nur „to go“– die neudeutsche Verkürzung von „zum Mitnehmen“. Und Figurenteile werden hier einfach so verschenkt.

Ich entscheide mich gegen das Mitnahmeangebot, zu sperrig sind die Puppenteile für den Radtransport. Nach Westen hin verlasse ich das historische Ortszentrum und mache noch ein Foto von der Stadtmauer.

Am 8. Juni 1612 stellte sich die Pest auch in Gransee ein, wie viele andere Städte war auch dieser Ort gesperrt. Wer der Pest nicht erlag, kam vor Hunger um; in wenigen Monaten verlor Gransee fast seine ganze Bevölkerung, 1500 Menschen. … Mit der Kälte schwand die Pest“

… zu lesen im Buch „Geschichte der Seuchen, Hungers- und Kriegsnoth zur Zeit des dreissigjährigen Kriegs“ von Dr. Gottfried Lammert, kgl. Bezirksarzt, herausgegeben in Wiesbaden 1890.

Das Pestbakterium können wir seit 100 Jahren wirksam bekämpfen, möge den Menschen das schnell beim Corona-Virus gelingen. Nachdenklich schiebe ich mein Endurace durch das Ruppiner Tor. Auf dem bestens ausgebauten Stechlinsee-Radweg, der auf der ehemaligen Trasse der Stechlinseebahn verläuft, rolle ich gen Nordwesten.

Auf diesen Feldern schlugen sich Fürst Heinrich und Markgraf Waldemar in der Schlacht von Gransee im August des Jahres 1316. Spargel wird neuerdings hier auf riesigen Flächen angebaut. In diesem Jahr stehen die auf der anderen Seite kaum erkennbaren Busse leer – die Erntearbeiter aus Polen, Rumänien bleiben wegen der verschärften Einreisebedingungen großenteils aus. Der Spargel wächst weiter.

Ich durchkurve Schulzendorf, ohne einen einzigen Menschen zu Gesicht zu bekommen. Auf einer Tagestour in diesen Tagen nehme ich immer genügend Futter und Getränk mit. Ein kleines Picknick an der Mauer hat auch einen besonderen Reiz.

Eine Plastebank in Banzendorf lädt mich ein, endlich mein Brötchen zu verspeisen. Hinter der Mauer beäugt ein Fernglasmann die Nachbarn. Mittlerweile habe ich Südkurs gesetzt, und der bisherige Schiebewind wird zum Bremswind. Nach Lindow hin ist der Radweg mit gut befahrbarem Verbundstein gepflastert. Zwei riesige Traktoren mit Anhänger donnern mir entgegen, werfen mir den Staub ins Gesicht und mich fast in den Straßengraben. Manchmal lauert die Gefahr, wo man sie so gar nicht erwartet.

In Rüthnick muss ich unbedingt das bekannte Vorlaubenhaus abermals ablichten, so kurios und eindrucksvoll steht es an der Landstraße. Gegenüber wartet das ehemalige Gasthaus Jagdidyll auf einen solventen Käufer, seit mindestens drei Jahren schon.

vernagelt, verlassen, vergammelt – der Imbiss neben dem „Jagdidyll“

Lange Kilometer führt mich der Weg durch einen riesigen Wald – 3850 Hektar geschützte Naturerbefläche, die größte in Brandenburg. Groß genug, um mich vor dem frischen Südostwind zu schützen. Bei Herzberg schließlich bekommt der Blick wieder Breite. In die Felder und Weiden.

Zufrieden grasende Rinder auf einer endlos erscheinenden Weidefläche. Der seelentröstende Gegenentwurf zur Massentierhaltung in gigantischen Ställen ohne Tageslicht und Sonne.

Am Radweg zwischen Bötzow-Ausbau und Hennigsdorf mache ich die letzte Pause des Tages im milden Licht des Spätnachmittages. Ein Knabberriegel und ein letzter Schluck aus der Trinkflasche, angelehnt an meinem Lieblings-Meilenstein.

Wes das Herz voll ist, läuft der Mund über.

Was freue ich mich auf zu Hause und ein leckeres Augustiner Landbier. Und dann die Fotos runterladen und ran an den Blogartikel.

Auf Fontanes Spuren nach Neuruppin

Ein Traumwetter, und das im Januar. Keine Wolke verunziert den makellos blauen Himmel, ein zaghaftes Lüftchen weht aus Südwest. Dazu passend entscheiden wir uns für einen gemütlichen Ausritt in das Havelland. In Phöben biegen wir ein auf den Havelradweg und genießen den Blick über die Wiesen und Kanäle. Graugänse schnattern und wandern futtersuchend umher, ein großer Bussard quert den Radweg.

In Ketzin setzen wir mit der Fähre über auf das rechte Havelufer. IMG_2058

Ein geschnitzter Kranich grüßt stellvertretend für seine Artgenossen, die noch auf Wanderschaft sind. In der Ortschaft Roskow weckt das schlossartige Gebäude an der Durchfahrt unsere Neugier. Heute wollen wir es genauer wissen und machen einen Info-Stopp. Gegenüber vom Hauptportal steht einen Steinwurf entfernt ein schmuckloses, aber modernes Schulgebäude. IMG_2063

Im Gegensatz zum renovierten Portal befindet sich die Parkseite noch im Rohzustand. Bei der Recherche finde ich heraus, dass Schloss Roskow zwischen 1723 und 1727 für Christoph III. von Katte errichtet wurde. Sein Verwandter Hans Hermann von Katte, erlangte traurige Berühmtheit, als er 1730 auf Geheiß von Friedrich Wilhelm I. in der Festung Küstrin enthauptet wurde, weil herauskam, dass er seinem Freund Friedrich, dem nachherigen Friedrich dem Großen, bei der geplanten Flucht nach Frankreich helfen wollte. Der Hinrichtung von Katte durfte er dann als „erzieherische Maßnahme“ bei der Hinrichtung auch noch zuschauen. Christoph III. von Katte wird es zu jener Zeit besser ergangen sein, als er sich auf seinem neuen Schloss des Lebens erfreute.

Heute ist das Gutshaus im Besitz eines Verwandten der Familie von Katte, der das Anwesen im Jahr 2010 von der Gemeinde kaufte und schrittweise renovierte. Kultur und Kunst sollen hier zukünftig zu Hause sein.

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Im ehemaligen Gutsverwalterhaus residieren Gemeindeverwaltung, ein Arzt und ein Friseursalon. Die Hinweisschilder sind leicht ausbesserungsbedürftig.

Nach dem ersten Kulturausflug des Tages setzen wir uns wieder auf die Räder und fahren bis zum Café Backwahn in Päwesin, unserer Lieblingsadresse in dieser Region. Riesenkuchen, Riesenkaffee, beste Qualität.

Fast hätten wir im wohlig warmen Wintergartenanbau vom Backwahn die Zeit vergessen. Die Sonne steht schon erkennbar tiefer, als wir uns endlich losreißen.IMG_2066

Gerade einmal 113 Jahre jung ist die wunderschön restaurierte Jugendstilkirche des Nachbarortes Bagow. Genau hier biegen wir ab nach Norden in Richtung Klein-Behnitz und rumpeln über das historische Klinkerpflaster der Dorfstraße, wo die Klinker senkrecht im Fischgrätenmuster eingesetzt sind. p1070366Angeblich, weil dadurch wesentlich mehr Ziegel zum Vorteil der das Material liefernden Ziegeleien benötigt wurde. Höchst erstaunlich ist der gute Zustand  der über 100 Jahre alten Straße.

Ab Groß Behnitz wird der Weg dann hochkomfortabel. Der Europäische Landwitschaftsfonds lässt grüßen. fullsizeoutput_5359

Die vier Kilometer vom ehemaligen Gut der Familie Borsig bis zum Schloss Ribbeck sind der reine Genuss. Waldbaden vom Feinsten sozusagen. In Ribbeck begrüßt uns die Gaststätte Fontane. Aber wie!

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Die ehemals florierende Stätte gammelt vor sich hin, Wohnwagen, Verkaufsstände, die nicht mehr betrieben werden, und an der Seitenwand das abblätternde Gedicht vom Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Schön-schlimmer hätte das kaum ein Regisseur in den historischen Ort platzieren können. Ein paar Meter weiter strahlt uns Schloss Ribbeck versöhnlich an. Wunderbar restauriert lacht es mit der Sonne um die Wette.IMG_2075

Die Gegensätze in Ribbeck könnten nicht größer sein.

Auf dem Weg nach Norden streifen wir das für uns unvermeidliche Paulinenaue nur am Ostrand, blicken zum Bahnhof hinüber und kurbeln fleißig weiter auf dem wunderbaren Radweg der Stillen Pauline. fullsizeoutput_5358IMG_2089

Lange Schatten werfen wir nach Nordosten in Richtung Fehrbellin und Neuruppin. Wahres Genussradeln ist das heute, bei sanftem Rückenwind und knapp zweistelligen Temperaturen. IMG_2095

Die Radwegerbauer haben am Rande die ehemaligen Bahnschwellen der Pauline senkrecht aufgestellt. Neuruppin erreichen wir bei niedrig stehender Sonne. Fontane grüßt uns und wir ihn. IMG_2105

An die Kulturkirche wird Fontane projiziert, und auch wir versuchen uns an Schattenspielen.fullsizeoutput_5353IMG_2118fullsizeoutput_5357

Im Restaurant Rosengarten, direkt neben dem Gymnasium, in dem der Dichterfürst gute Teile seiner Grundbildung aufgesaugt hat, genießen wir einen leckeren Riesling und rollen danach entspannt zum Bahnhof Rheinsberger Tor.

Genuss für Körper und Seele, so kann Radfahren sein im Winter.

Von Plattfüßen, Turnerinnen und E-Bikes

Eigentlich schreibe ich nicht über jede kurze Ausfahrt einen Beitrag. Eigentlich. Heute mache ich eine Ausnahme: Es ist Dienstagmorgen, 10 Uhr. Die Sonne hat sich ohne Gruß verabschiedet, niedrige Wolken ziehen aus Westen heran. Nach Osten wollen wir in Richtung Oder fahren. Bei knapp über null Grad und 100 % Luftfeuchte ein zähes Unterfangen. In Schönwalde werden aus Nieseltropfen Regentropfen. Die Contis schaufeln fleißig  Wasser und Schmodder vom Radweg hoch an Rahmen und Füße. Peter knurrt die zur miesen Stimmung passenden Worte zu mir herüber.

In Bernau wollen wir eine Kaffeepause machen und dann entscheiden, ob wir weiterfahren. Also dringen wir durch das alte Stadttor vor in die Altstadt. Zur Linken lockt das Krügerhaus mit dem Café Mühle.

Drinnen ist es herrlich warm und gastlich. Eine überaus freundliche junge Dame begrüßt uns und kredenzt Kirschkuchen und dazu einen großen Milchkaffee. Die Einrichtung ist ideenreich gestaltet: alte Möbel, kesse Sprüche an der Wand und in der Karte. Originell! IMG_2002

Und selbst das stille Örtchen ist ein Hort der Kultur:IMG_2001

Wasser lassen und dabei einen Blick in die Weltliteratur werfen.

Das Café Mühle in Bernau ist eine erste Adresse für hungrige Radler, denn der Gastraum und die Speisenauswahl sind noch besser als die Ausstattung der Toilette.

Eine Stunde später hat es aufgehört zu regnen, und wir beschließen, doch noch ein paar Kilometer unter die Räder zu nehmen. Also los, wieder zurück durch das Tor und weiter an der Bernauer Stadtmauer entlang. Wir kommen nicht weit, denn mit einem vernehmlichen Pfffff lässt Peters Hinterreifen all seine Luft ab. IMG_2011

Ein Drecksgeschäft ist das Wechseln des Schlauches, und die Finger werden kalt und kälter. Ich wärme meine Sinne zwischendurch an und mit einer nackigen Turnerin aus Bronze, die passend vor der Sporthalle steht.

 

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Turnerin am Schwebebalken (Herbert Burschik, 1963)

Nach 15 Minuten Flickpause steigen wir wieder auf und biegen ab nach Norden. Biesenthal winkt als nächster Ort. Nach wenigen Metern beschwert sich Peter über sein mit Höhenschlag rumpelndes Hinterrad. Offensichtlich hat sich der Mantel nicht richtig ins Felgenbett gesetzt. Weiterfahren! Erstmal wieder warm werden, dann werden wir uns um den Reifen kümmern. Beim Räsonieren über Reifen, Felgen, die richtige Montage und den notwendigen Luftdruck kommt mir in den Sinn, dass in Biesenthal die E-Bike-Schmiede HNF-Nicolai ihren Stammsitz mit Showroom hat. So habe ich es kürzlich gelesen. Dort sollte doch neben fetten E-Mtbs auch eine Standpumpe zu finden sein. In der Bahnhofstraße entdecken wir dann den soeben neu bezogenen Laden von HNF. Wir entern die Eingangstreppe und werden freundlich begrüßt. IMG_2022

Am gerade bezogenen Gebäude ist von außen noch nicht erkennbar, wer drinnen sein Wesen treibt. IMG_2012IMG_2014IMG_2018IMG_2019IMG_2020

Marcel, der „Shopmanager“ versorgt uns mit allem, was wir brauchen: Luft für den Reifen, Wasser und Seife und Tücher für die dreckigen Hände und dann noch reichlich Infos zu den innovativen Produkten von HNF-Nicolai. Absolut beeindruckend, wie mutig das Unternehmen expandiert. In Bitterfeld wird produziert, und in der alten Wehrmühle in Biesenthal wird konstruiert und geplant. Im Showroom können wir die neuesten Bikes bewundern. Marcel schwärmt vom Geländefully mit Bosch-Power, mit dem er jüngst „Luftlinie“ durch den Forst bis Eberswalde gebrummt ist. So klingt Begeisterung.

Der Weg bis zu den aktuellen Produkten führte über einige Umwege. Schon das smart-E-Bike wurde von  Michael Hecken und Kalle Nicolai gebaut. Und genau so eines fährt meine Angetraute seit dem Jahr 2013 zur besten Zufriedenheit. Qualität UND Innovation eben.

Wir reißen uns los und kurbeln über die Nebenstraßen gen Eberswalde. Auf direktem Wege steuern wir den Bahnhof an – der nächste Zug nach Berlin fährt um 15.09 Uhr. IMG_2023So haben wir keine Zeit mehr für die legendären Spritzkuchen, die Bäcker Gustav Louis Zietemann schon 1832 am Bahnsteig feilbot. Auch haben wir den Verdacht, dass er heute seine Köstlichkeiten hier nicht mehr auf dem Blech herumträgt.

Ab nach Berlin. IMG_2025

Der Zug fährt pünktlich, ist gut geheizt und dazu mit freundlichen Menschen besetzt. Da freut sich auch mein bekleckerter Mavic-Crossmax, der meine Füße so trefflich trocken und warm gehalten hat. In Berlin gibt es am Hackeschen Markt Pizza und Rotwein für die alten Randonneure. So geht der Tag zu Ende. Schön war es wieder.