Mit Sonne und Wind ins Oderbruch

Fitness-Studio, Spinning, freie Rolle, Indoor-Training … Damit komme ich nicht über den Winter! Ich mag es einfach nicht, Wände vor mir zu sehen, vorm Bildschirm zu trainieren, Wind nur vom Ventilator ins Gesicht gepustet zu bekommen.

Radfahren kann man bei jedem Wetter – wenn man es will und wenn man die richtige Ausrüstung hat.

In den Zeitschriften Roadbike, Mountainbike und Tour werden die neuesten Gravel-Räder getestet. Natürlich auf Mallorca, Korsika oder in Kalifornien. Wie wirst Du fit für die Saison, das optimale Workout … Alles dreht sich um die Vorbereitung der „neuen Saison“.

Ich sichte kein einziges Foto von einem Radfahrer im Schnee, alle Bäume sind grün. Tests von Winterjacken und -schuhen finden im Labor statt. Da rufe ich euch zu: Es gibt nicht die EINE Saison von April bis Oktober – 12 Monate kann man lustvoll Räder und Körper in der freien Natur bewegen! Kommt mal raus aus den geheizten Redaktionsstuben und schreibt aus eigener Erfahrung vom Fahren bei Kälte, Nässe und Frost!

In diesem Winter musste ich bislang noch nicht Hauseinfahrt und Gehweg vom Schnee befreien. In Brandenburg lag der Schwerpunkt bisher auf  dem richtigen Schutz vor Kälte und Nässe, der Wahl der geeigneten Bereifung und einer zuverlässigen, hellen Beleuchtung für lange Fahrten bei Dunkelheit.

Was werde ich also morgen für unsere Tour ins Oderbruch anziehen? Der Wetterbericht sagt Nordwestwind Stärke 4 mit Böen bis zu 50 km/h voraus, Temperaturen zwischen plus 2 und 5 Grad, dazu fünf Stunden Sonnenschein. 4 Grad plus bei Windstille fühlen sich bei 20 km/h Wind an wie minus 5 Grad! Der Windchillfaktor ist nicht zu unterschätzen.

So packe ich mich ein: 

Unter diesem Link ist die Bekleidung im Foto zu sehen

https://randonneurdidier.wordpress.com/2018/12/26/ps-winterbekleidung/

von innen nach außen:

  • Unterhemd: Merino Winter-Langarm-Unterhemd ( Rapha deep winter) – ein kostengünstiges Merinoteil einer anderen Marke tut es natürlich auch.
  • Unterhose: Funktionsunterhose ohne Nähte (Odlo) >>> ja, ich trage eine Unterhose unter der Radhose! Wärmt und tut gar nicht weh.
  • Socken: Wintersocken lang ( x-socks)
  • Trikot: Merino-Langarmjersey ( Rapha Brevet Windblock)
  • Hose: Winter-Radhose lang ( Löffler oder Rapha)
  • Jacke: Gore-Winterjacke C5 Thermo
  • Schuhe: Mavic Crossmax Pro Thermo- Schuhe
  • Handschuhe: Specialized-Lobster-Handschuhe, darunter dünne Fingerhandschuhe
  • Mütze: Vaude-Helmmütze
  • Helm: Giro Air Attack Shield mit zugeklebten Lüftungsschlitzen und dem „Shield“, das Stirn, Augen und Jochbeinbereich sehr gut gegen eisigen Wind schützt

Diesmal kommt Peter per Regio zum Treffpunkt Bhf Oranienburg. Pünktlich! rollt der Zug um 10.10 Uhr ein. Ich habe mich auf den ersten 17 Kilometern gegen den Wind schon mal warmgerollt. Mein Track führt über die Barnimwellen bis ins Oderbruch nach Küstrin.

Im vorbildlichen Radparkhaus am Bahnhof stehen erstaunlich viele Räder von Pendlern

Rahmersee, Wandlitzsee, Liepnitzsee, Hellsee … an jeder Ecke leuchtet dunkelblau das klare Wasser durch die Bäume. In Biesenthal künden die zahlreichen, meist gut restaurierten Häuser und Villen aus der Gründerzeit von ehemaligem Wohlstand. Und in Biesenthal baut Michael Hecken seine E-Bikes zusammen mit Kalle Nicolai. HNF – „Hecken-Nicolai and Friends“ heißt die Firma mittlerweile. Zu Hause erinnert mich eines der ersten Produkte, das smart E-Bike meiner Frau, an das ehemalige Startup-Unternehmen.

In Beerbaum, nach den ersten sanften Wellen des Barnim, bollern wir über eine Pflasterpassage, die wir von diversen Ausfahrten und Brevets kennen.

Hier, nach Überstehen des unverfugten Abschnitts, ist einem unbekannten Kollegen seine Maloja-Trinkflasche fliegen gegangen.
Im MOZ.de -Artikel aus 2011 wird ein Café im denkmalgeschützten Gebäude neben dem historischen Lehmhaus von Beerbaum angekündigt. „Gut Ding braucht Weile“, fällt mir dazu ein.

Gute Erinnerung, endlich mal was zu trinken. Bei niedrigen Temperaturen meldet sich der Körperbedarf nicht durch das Durstgefühl. Und der Hunger meldet sich nach dem Frühstück, das bei mir nur aus einem schwarzen Kaffee bestand. Unsere Augen suchen nach allem, was wie ein Bäckerladen aussieht. Vergeblich. Bäcker gibt es nicht mehr im östlichen Barnim. „Viel Steine gab`s und wenig Brot“, schrieb schon Ludwig Uhland in seiner schaurigen Ballade vom wackeren Schwaben. Weiter heißt es dort:

„Den Pferden ward so schwach im Magen, 
fast mußt der Reiter die Mähre tragen.“

So weit kommt es heute nicht. Die tapferen Alt-Randonneure haben die Energieversorgung erfolgreich auf Fettverbrennung umgeschaltet. Eine elend lange Walddurchfahrt mit einhergehenden niedrigeren Temperaturen lässt mich wieder zu meinen Lobster-Überhandschuhen greifen. Ein kurzer Anstieg ( ja, die gibt es im Barnim) führt in das Örtchen Haselberg. Peter greift abrupt in die Bremsen, weil er einen Aufsteller mit „Kaffee und hausgemachter Kuchen“ am Straßenrand entdeckt hat – Öffnungszeiten Sa. und So. von 14-18 Uhr. Heute ist Dienstag!

Der Weihnachtsstern bekommt noch Energie – und wir?

Weitersuchen!

Am Nachbarhaus finden wir diese moderne Variante einer möglichen Frontbeleuchtung mit optischer Linse

In Möglin zeigt ein Radwegschild nach links, Richtung Kunersdorf. Peter folgt mir nur zögerlich – zu oft schon habe ich ihn bei unseren Touren so in Schlamm, Sand und Wald geführt. Diesmal allerdings rollen wir auf einem geradezu göttlich gut gemachten Stück Weges. Quälenden Hunger hatten offensichtlich vor uns schon andere. Vielleicht war der böse Wolf hier am Werke?

Hier hatte jemand noch mehr Hunger als wir – und der war kein Vegetarier

Runter ins Oderbruch nach Kunersdorf rauschen wir, lassen die Grabkolonnaden der Itzenplitze, das Chamisso-Museum und den Alten Fritz samt Querflöte diesmal links liegen. Uns treibt der Wind, uns treibt der knurrende Magen.

Die nächste Ortschaft ist Neutrebbin. Aber aufgemerkt, auch hier gab es mal, aber gibt es nicht mehr – einen Bäcker. Die Erlösung liegt auf der rechten Straßenseite in Form des „nah und gut“-Edeka-Ladens. Peter stürmt die Treppe hinauf und verschwindet zwischen den Regalen. Nach gefühlten 15 Minuten erscheint er strahlend wieder:

„Gut und günstig“ Schnitzel, Frikadelle, zwei Brötchen, dazu zwei Fläschchen Krombacher für sagenhafte 5,30 € inklusive Flaschenpfand!

Eine junge Frau, die im Markt ein Gesteck mit Osterglocken erstanden hat, gibt uns den heißen Tipp, doch unser Picknick auf der „Liebesinsel“ einzunehmen. Lauschig in der Sonne und im Windschatten. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und rollen nach 300 Metern im Park von Neutrebbin aus.

Es ist angerichtet

Nach 20 Minuten sitzen und essen im Park kriecht die Kälte unter die Jacken. Wir brauchen Bewegung. Ab geht es nach Letschin, wo weiland Henri Louis Fontane, der Vater des werten Theodor im Jahre 1838 die Apotheke vom Besitzer Altmann kaufte. Die Stationen davor – Neuruppin, Swinemünde und Mühlberg an der Elbe, endeten jeweils unrühmlich: Spielschulden zwangen Henri F. immer wieder zum Standortwechsel. Wie mag sich wohl Fontane Junior damals gefühlt haben? In Letschin erlernte Theodor das Apothekerhandwerk und arbeitete bei seinem Vater in den Jahren 1843 bis 45. Zwei Jahre später war es wieder so weit: Wein und Spielleidenschaft führten in die nächste Pleite und zur Trennung von seiner Frau. Derweil hatte sich Theodor schon den schönen Künsten der Schriftstellerei zugewendet. Mit großem Erfolg, wie wir wissen.


Den guten Theodor Fontane als den bedeutendsten Dichter des 19. Jahrhunderts zu bezeichnen, erscheint mir doch etwas hochgegriffen. Was soll denn der Johann Wolfgang von Goethe denken!

Nach dem Essgenuss und dem Kulturgenuss wenden wir uns jetzt dem Naturgenuss zu: Ab ins Oderbruch an die Oder und schauen, schauen, schauen.

Peter auf dem Deich
lange Schatten
Alte Grenzstation in Küstrin
Ehemalige Artilleriekaserne
Einstmals stolzer Sitz der Artillerie, dann kamen die Sowjets, dann die Wiedervereinigung, dann der Verfall.

Küstrin-Kietz ist auf einen kleinen Rest seiner ehemaligen Bedeutung geschrumpft. Die Oderinsel, auf der einstmals die Altstadt von Küstrin stand, ist überwuchert. Hier ist in der Endphase des 2. Weltkrieges eine ganze Stadt mit ihrer Historie weggebombt worden. Der Bahnhof von Küstrin-Kietz ist reduziert auf eine Haltestelle für polnische Hauptstadtpendler. Der Putz fällt von den Wänden.

Der Realabgleich mit diesem Foto aus 2017 fällt ernüchternd aus

Am Abend stehen 142 Kilometer zu Buche. Start um 9 Uhr bei 2 Grad, dann im Oderbruch bis 6 Grad (warm). Der Wind hat uns hilfreich erst über den Barnim und dann an der Oder entlang bis Küstrin geblasen. 

Die Auswahl der Bekleidung hat genau gepasst. Nicht gefroren, nicht geschwitzt. Zwischendurch habe ich die Lobster weggepackt und bin mit den dünneren Rapha-Handschuhen gefahren. Mit dem Vorteil, das Navi und die Kamera auch mit gewärmten Fingern bedienen zu können. 

Als wir am Bahnhof in Küstrin-Kietz 30 Minuten auf den Zug warten müssen, packt sich Peter in die mitgenommene federleichte Daunenjacke ein. Und macht mir, als ich mich warmhüpfe, den Vorschlag, doch auch so ein Teil zu erwerben. Nun gut, ich werde drüber nachdenken. 

Herrlich war es heute – Natur, Kultur, Altes sehen, Neues sehen, Frühling ahnen …

Und hier der Track zum Nachfahren https://www.gpsies.com/map.do?fileId=hqzfrymihzagbfem

Winter in Brandenburg

Strava sagt, ich bin im Dezember 49 Stunden und 1061 Kilometer gefahren. Per 10. Januar stehen 12 Stunden und 248 Kilometer zu Buche. Viel Sonne habe ich nicht gesehen in diesen Wochen. Die habe ich mir aus dem traumhaften Sommer einfach in Erinnerung gerufen. Aber die Sonne der Vergangenheit wärmt nicht – zumindest nicht die Füße und die Fingerspitzen. Da helfen nur dicke Winterschuhe und die warmen Lobsters, bei denen aus fünf Fingern drei werden. Bei meinem Giro-Air-Attack-Helm habe ich die vorderen Öffnungen mit Klebeband geschlossen. So bleibt die kalte Luft draußen.

Meine Durchschnittsgeschwindigkeit ist abgesunken auf 22 bis 24 km/h. Dicke Winterluft, dicke Reifen, dicke Sachen, Split und Nässe und Glätte – diese Faktoren drücken die Speed maßgeblich. Im Frühjahr wird das wieder besser – hoffe ich doch, es war doch immer so!

Takeshi-Eva hat aus der Festive 500 eine persönliche 1000er Version gemacht. Chapeau! Solch ein Vorhaben hätte dann doch bei mir den Familienfrieden in Gefahr gebracht. So begnüge ich mich mit Kleinetappen zum Training – die Form erhalten, und dann demnächst auf Malle wieder angreifen und mehr Watt auf das Pedal bringen.

Kurze Runden im Winter haben den Vorteil, dass der Genuss nicht zu kurz kommt. Hier ein Milchkaffee, dort ein süßes Mohnteilchen und zum Abschluss des Tages nach einer 100er Runde mit Peter wieder einmal in den Zollpackhof. Blick hinüber zum Kanzleramt mit all den taktierenden, handelnden und nicht handelnden Politikern, die immer vorsichtig raufschauen ins oberste Stockwerk, wo die getreue Angela waltet.

Wir hocken am Tisch des bayrischen Gasthofes in Berlin, wo das Augustiner so trefflich schmeckt und diesmal sogar leckere Eintopfgerichte kredenzt werden. Ein überaus freundlicher und gut gelaunter Kellner mit „Migrationshintergrund“ bedient uns. Wenn das der Horst nur wüsste! Hoffentlich bleibt dieser Mensch hier bei uns. Wir brauchen euch, rufe ich ( leise in mich hinein).

Peter und ich lassen die Bilder des Tages und der Touren der letzten Wochen Revue passieren. Nette Menschen, fiese Zeitgenossen, auf den Radweg weisende, brüllende Autofahrer, nette Zeitgenossen, die für uns bereitwillig anhalten, graubraune Häuser, bunte Villen, Schweinemast- und Hühnermastanlagen, die zum Himmel stinken, riesige Rinderherden auf genauso riesigen herrlichen Weiden. Pferde, Lamas und Alpakas, Strauße! Adler, die über uns kreisen, Kraniche, die es vorziehen, hier zu überwintern. Rehe, Hirsche, Wildschweine im Rudel.

Det is Brandenburg! So wie wir es kennen und schätzen.

Hier ein paar Eindrücke

 

Am Langen Trödel in Zerpenschleuse
Oranienburg
Weihnachtsmarkt in Hohen Neuendorf
Hohen Neuendorf
Bäcker in Gransee
Bahnhofs-Café-Imbiss in Rheinsberg
Piko und Supernova am Granfondo
Barnim-Tristesse
Mendoza am Schwedter Bahnhof
Tegeler Schwan
Never say Never
Invalidenfriedhof
Ein Zugtier für Matthias
Windparklichter bei Nauen
Kronleuchter im Zollpackhof
Kultur in Großbeuthen
Auf dem Weg nach Jüterbog



 Bleibt munter und unternehmungslustig. Wir sehen uns bei den Brevets.

PBP kommt bald

 

Hamburg-Berlin-Zeitfahren

12. Oktober, 14.15 Uhr. Wolfgang, Peter und ich stehen an der Flixbus-Haltestelle in Berlin-Alt-Tegel.  Das Wetter ist traumhaft, warme Lüfte umschmeicheln uns, gleich wird der grüne Bus kommen und uns mitnehmen nach Hamburg. Um 15.30 warten wir immer noch. Der Berliner Freitagsverkehr sorgt für eine saftige Verspätung von 90 Minuten. Irgendwann sind unsere Räder auf dem Heckträger des MAN festgezurrt, und der immer noch gut gelaunte Fahrer drückt auf das Gaspedal. Um uns herum meist junge Leute, die bereits ihre iPads aufgebaut haben, Filme anschauen oder sich mit Spielen die Zeit vertreiben. Ich nicke ein und träume von einer herrlichen Fahrt durch die Elbauen, vom Geschnatter der ziehenden Gänse und von träge auf den Wiesen liegenden Rindern. Derweil ist Matthias, mit dem wir schon viele lange Brevets gefahren sind, zum ersten Mal mit seinem Quattrovelo, einem Velomobil unterwegs. Weil er das große Gerät nicht in der Bahn mitnehmen kann, fährt er eben mit Muskelkraft am Freitag von Berlin nach HH und am Samstag wieder retour. Unser Busfahrer bemerkt ein paar Kilometer vor dem ZOB Hamburg, dass er seine zulässige Lenkzeit überschritten hat und hält kurzer Hand einfach auf der viel befahrenen Zufahrtsstraße an. Nichts geht mehr! Wir sind leicht verblüfft, dass er sich nicht zumindest eine Parkbucht gesucht hat. Schließlich überreden wir ihn, uns hier rauszulassen. Räder runter vom Gepäckträger und rein ins Stadtgetümmel.

Um 19 Uhr wollen wir uns im Hotel treffen. Als wir um 20 Uhr vorm Hotel einrollen, hat er sein erstes Bier schon genossen.

Zum achten Mal werde ich das Zeitfahren HH-B in Angriff nehmen. Dieses Mal ist es für Wolfgang, mich und eben ganz besonders Peter ein außergewöhnliches Vorhaben. Schließlich hat Peter seit gerade 9 Wochen nach Oberschenkelbruch ein neues Hüftgelenk im Körper. Langsam hat er sich wieder an die längeren Strecken herangearbeitet. Erst 30, dann 50, dann wieder ein paar Touren über 100 Kilometer. Er weiß genau , wie sich wirklich lange Strecken anfühlen. Schließlich gehört er zu den wenigen, die auch schon ein 2000-km-Brevet absolviert haben. In Hamburg traut er sich wieder an  eine Marathon-Distanz heran. Wolfgang und ich wollen ihn eskortieren, das ist eine Frage der Freundschaft und eine besondere Ehre.

Am Samstag sitzen wir um 6 Uhr am Frühstückstisch und laben uns am reichhaltigen Buffet vom Lohbrügger Hof. Unsere Räder durften wieder einmal im Heizungskeller sicher übernachten, um 6.30 Uhr schalten wir die Festbeleuchtung  ein und machen uns auf den Weg zum Startort „Clausens Vierländereck“ in Hamburg Curslack. Nach 9 km rollen wir hinein in das Startgetümmel. WhatsApp Image 2018-10-15 at 08.05.41OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

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Rainer wird heute mit Wolf einen Schnitt von 28 km/h in den Asphalt brennen!

Startnummern abholen, dicke Jacke gegen Weste tauschen,  Gepäck abgeben, Freunde begrüßen, Schwätzchen halten, letzte Überprüfung von Navi und Licht, dann gehen wir  pünktlich um 7.31 Uhr auf die Strecke.

Zeitfahren Hamburg Berlin 2018 des Audax Club Schleswig-Holstein v. 2000 e.V.
Drei Oldies am Start – Startfoto von Audax-SH

Langsam klettert die Sonne vor uns über die Elbdeichkante und taucht die Wiesen in goldenes Licht. Den richtigen Rhythmus finden – nicht zu schnell und nicht zu langsam.

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Morning Glory

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In Geesthacht wechseln wir über die lange Brücke auf die andere Elbseite. OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERATeste, Hohnstorf, Bleckede heißen die verschlafenen Dörfer am Deich. Frisch ist die Luft noch von der klaren Nacht. So ist es angenehm, durch die leichte Belastung eine Wohlfühltemperatur in den Körper zu bringen. Gänsegeschnatter in der Elbaue, auf den Wiesen liegen noch die Rinder im Schlaf.OLYMPUS DIGITAL CAMERA In Neu-Darchau habe ich die Idee, doch mal den im Navi eingezeichneten Radweg, ca. 1 km parallel zur Landstraße zu testen. Für dieses Manöver handle ich mir die Schelte der Begleiter ein. Über Schotter und Sand führt der Weg. Fluchend und dann erleichtert erreichen wir schließlich wieder die wunderbar glatte L 231. Die leichten Wellen bis nach Hitzacker baggert der tapfere Peter brav weg. OLYMPUS DIGITAL CAMERAEine Brückenbaustelle mit Straßensperrung zwingt uns runter von den Rädern. Wir nutzen den Halt, um uns zu entblättern: Beinlinge, Armlinge und Weste wandern in die Taschen. Bald kommt die Dömitzer Brücke in Sicht. OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERADer Windsack an der Elbkante wird vom stärker werdenden Südostwind durchpustet. Und genau in diese Richtung weisen die nächsten 200 Kilometer. Arbeiten ist angesagt. Das herrliche Wetter tröstet uns darüber hinweg, ein paar Watt mehr treten zu müssen. Meistens zeigt der Tacho um die 25 km/h an.

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Wolfgang macht die Pace

Ein für Peter noch machbares Tempo. Wolfgang und ich genießen es. In der Ruhe liegt die Kraft.

Kurz hinter der Brücke ist wie immer die Kontrolle und Verpflegungsstation von Audax SH aufgebaut. Und wie immer ist das Team überaus hilfsbereit und bester Laune. Es ist einfach eine klasse Organisation. Alle sind mit Herzblut bei der Sache.

 

Zwei belegte Brötchen drücke ich mir rein. Die Trinkflaschen bekommen eine frische Füllung. Einige Velomobile sind auf dem Platz geparkt, ein Kollege schraubt verzweifelt an Hinterrad und Antrieb herum. Wo mag sich jetzt Matthias befinden mit seinem schnellen QV? ( Nachher erfahren wir, das auch ihn ein Missgeschick ereilt hat – die Schaltung blockierte und er hatte nur die beiden größten Gänge zur Verfügung. Trotzdem war er um 18 Uhr im Ziel! Chapeau, Matthias)

Kurz nach 12 Uhr starten wir auf die lange Teiletappe über Lenzen und Wittenberge nach Havelberg, wo der Track nach Osten in Richtung Berlin abbiegt. Ohne den frischen Gegenwind wären die nächsten fünf Stunden ein gemütlicher Ausflug im Goldenen Oktober gewesen. OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAWunderbare Farben, wunderbar würzige Luft, zwei Seeadler über uns, was will der Randonneur mehr.

Am Rand von Wittenberge entdeckt Peter auch noch eine geradezu luxuriös ausgestattete Feldküche, wo wir eine genauso luxuriös eine große Portion Currywurst mit Pommes und Cola vertilgen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA In Wittenberge, so gesteht uns Peter, wollte er entscheiden, ob er dort in den Zug steigt, oder ob er sich noch zutraut, bis ins Ziel zu kommen. Die Kraft der Currywurst bringt ihn weg von allen Bahnfahrtgelüsten. Um kurz nach zwei sind wir wieder unterwegs. Noch 120 Kilometer bis zum Ziel.

Unvermutet wird der Weg wieder einmal gravellig. Hatte ich gar nicht so in Erinnerung. Aber der Ausblick auf die Elbeauen im sanften Licht lassen die rumpeligen Meter schnell  unbedeutend werden.

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kurze Info nach Hause – Es läuft!

In Havelberg machen wir noch einmal Halt an der Eislounge Florida auf der Stadtinsel. Ein alkoholfreies Weizenbier gönnen wir uns,  und ich ordere zum Sonderpreis von drei Euro 1,5 Liter Cola als Brennstoff für den Endspurt. Ab hier rollt es langsam wieder etwas schneller – der Wind überlegt, ob er sich schlafen legen sollte.

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da lacht der Peter

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In Stölln noch schnell posen vor dem Lilienthalmuseum, und weiter geht es. Ab Friesack wählen wir die Route an der B5 entlang, zuerst auf einem neu angelegten Radweg, dann wieder auf der Straße. OLYMPUS DIGITAL CAMERAIch nehme mein Zusatzrücklicht von KNOG in Betrieb. Das ist geradezu gemein hell. Ackern bis Nauen, dann wieder auf den B5-begleitenden Radweg, den wir schon -zig Male gefahren sind. Einige Kollegen, die von hinten herangerollt sind, und nicht sicher sind, wo es langgeht, hängen sich an unser Schlepptau. Erstaunlich, dass  kaum einer eine wirklich langstreckentaugliche Beleuchtung am Rad hat. So fahre ich mit meiner Lupine Piko vorneweg. Berlin-Staaken-Spandau –  gleich kommt das Ziel.

Fast 22 Uhr ist es geworden. Nur noch wenige Randonneure sitzen im Wassersportheim. Ein Bier noch, dazu köstlicher Linseneintopf. DANKE, liebes Team von AUDAX-SH. Wieder einmal habt ihr eine Top-Veranstaltung auf die Beine gestellt.

Dann geben Wolfgang und ich uns noch den „Rest“ und fahren die 25 km nach Hause per Rad. 315 Kilometer stehen heute insgesamt zu Buche.

Lieber Peter: Dir gebührt der imaginäre Siegespokal für den härtesten alten Kernbeißer, der auch diese Herausforderung mit starkem Willen gemeistert hat.

Ein Besuch bei Emma Emmelie

Es ist Samstag, die Einkäufe sind getätigt, der Hund hat seinen Spaziergang gemacht, meine bessere Hälfte freut sich auf die Fußballübertragung. Die richtige Zeit, auf das Granfondo zu steigen und noch eine schöne Runde zu drehen.

Die Routine führt mich nach Norden über Wandlitz nach Zerpenschleuse. Hier biege ich ab auf den Radweg nach Liebenwalde, der am Langen Trödel entlangführt, dem ältesten noch schiffbaren Kanal in Deutschland. Zwischen 1605 und 1609 wurde der Kanal samt fünf Schleusen von Liebenwalde  bis Schöpfurth gebaut. Ohne Bagger, ohne Großmaschinen. Einfach mit der Kraft vieler Hände und Spaten. Durch den Wiederaufbau der Ziehbrücken in Liebenwalde und die Öffnung der Durchfahrt in Zerpenschleuse wurde dieses Teilstück aus seinem fast hundertjährigen Sackgassendasein befreit und für die Wassertouristen wieder durchgängig schiffbar gemacht.

Orientalische Musik schallt zwischen den alten Häusern am Trödel hindurch und lockt mich in eine Seitengasse: Die Zerpenschleuser feiern Erntedankfest – auf erstaunliche Weise. Auf der einen Seite eine Theke, betrieben von der Feuerwehr, dann Bänke und Tische, dahinter eine kleine Bühne, auf der drei morgenländisch gekleidete Damen Hüfte und Bauch rhythmisch zur Musik bewegen. Bauchtanz in Zerpenschleuse! Da sage einer, im ländlichen Brandenburg gäbe es keine Integration. Wohlgefällig hören und schauen die Feuerwehrmänner, junge und alte Zerpenschleuser, dem Treiben auf der Bühne zu.fullsizeoutput_36fe

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Ein paar hundert Meter weiter, auch am Ufer des Langen Trödel, betreibt Ines Schweighöfer ihr Antiquitäten-Café „Emma Emmelie“. Schon zig Male bin ich hier vorbeigerollt, immer war geschlossen. Das liegt einfach an der Tatsache, dass ich sehr selten freitags, samstags oder sonntags zwischen 11 und 18 Uhr gerade hier gewesen bin. Denn das sind die Öffnungszeiten. Heute ist Samstag, 16.30 Uhr. Treffer!

Ines und Michael Schweighöfer geben mir heute persönlich die Ehre. Ich lasse mir einen ebenso vorzüglichen wie wohlschmeckenden Milchkaffee bereiten und genieße draußen am massiven Holztisch die theaterreife Gesamtinszenierung: silberne Kerzenleuchter, blütenweiße Tischdecke, Blumen über Blumen. Und vor dem langgestreckten Wohnhaus wachsen bis in Dachrinnenhöhe prächtige Hortensien.IMG_1949

Direkt am Kanal sind sehr dekorativ antike Damenschlüpfer an die Wäscheleine gehängt.IMG_1940

Im Holzhaus quellen die Regale und Tische über von Wäsche, Porzellan, alten Büchern… fullsizeoutput_3700

Emma Emmelie ist sicher kein Geheimtipp mehr, allerdings sicher eine Reise wert. Mit dem Rad und auch mit dem Auto erreichbar – 30 Kilometer nördlich vom Berliner Stadtrand entfernt.

Die Luft ist mild und duftet würzig nach Holz und Wiese. Weiter kurbele ich hin nach Liebenwalde und dann wieder Richtung Oranienburg auf dem Radweg Berlin–Kopenhagen.

An der Schleuse in Lehnitz verlasse ich den herrlichen Weg und den Kanal, in dem sich Wolken und Wald so unwirklich spiegeln.IMG_1964

Naturgenuss vom Besten!

Hier der Track auf Gpsies: Emma Emmelie besuchen

 

Colnago?

Ein stahlblauer Himmel lacht über Berlin am 5. September. Also trage ich mein Schönwetter-Rad aus dem Keller ans Tageslicht: das Colnago-Mexico , das in diesem Jahr seinen 37. Geburtstag feiert. „Only steel is real“ – Tatsächlich verfügt das Stahlgerät aus 1980 noch über die Original-Campa-Record-Titan-Gruppe. Nur das Innenlager habe ich vor einem Jahr erneuert. Sattel, Steuersatz, Lenker und Vorbau sind nicht mehr die ursprünglichen. Aber: Kettenblätter, Ritzelpaket und Naben, das alles funktioniert noch wunderbar. Und schließlich sind das Verschleißteile. Wenn ich in „Roadbike“ über die Lebensdauer in sogenannten Dauertests über 4000 km von teuren Ritzelpaketen und Kettenblättern lese, die am Ende des Tests am Ende sind, kann mein altes Colnago nur souverän in sich hineinschmunzeln – nach mehr als 80 000 Kilometern.

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Lässig lehnt das Mexico aus 1980 an der Ziegelei-Lok aus den 50er Jahren. IMG_1824IMG_1825

Diese Preziosen sind zu sehen im Ziegeleipark Mildenberg, in dem mittlerweile viel Interessantes für Jung und Alt geboten wird. Ein leicht angerosteter Container ist umfunktioniert zur Imbissbude. Ich bestelle einen Pott Kaffee mit Schoko-Muffin für 2,70 €. Martin aus Velten, der auch mit dem Rad an seinem freien Tag hierhergekurbelt ist, zieht die Kaffee-Currywurst-Kombi  vor.

Was ist denn das für ein Rad, Colnago?, fragt er mich. Einigermaßen perplex muss ich erst einmal realisieren, dass ein Tourenradler nichts mit der Marke Colnago anzufangen weiß. Ich erkläre ihm, dass Ernesto Colnago für Rennräder so in etwa die Bedeutung hat wie Enzo Ferrari für Sportwagen. Zu alledem waren die beiden auch noch eng befreundet. Enzo hat Ernesto beim Laminieren seines ersten Carbonrahmens tatkräftig unterstützt. Brav hört sich Martin meine Ausführungen an. „Da hab´ich doch wieder was dazugelernt“, meint er, als wir wieder aufbrechen und ich ihm noch einige Tipps zur Ersatzteilbeschaffung für sein betagtes, aber sehr gepflegtes Rennrad aus dem Hause Neckermann gegeben habe.

Den traumhaften Radweg Berlin-Kopenhagen, dem ich bis zum Ziegeleipark gefolgt bin, verlasse ich nun in Richtung Templin. Weil ich nicht den Südbogen über Burgwall nehmen will, folge ich einem Wegweiser, der mich schnurstracks in den tiefen Wald führt. Und in tiefsandige Wege. Zwei Kilometer schieben sind die Belohnung für diese Entscheidung. Abkürzung: zwei Kilometer, Zeitverlust: 20 Minuten. Aber schön ist dieser Laubwald mit Erlen und Buchen und Eichen. IMG_1831

In Templin-Postheim, am Lübbesee, finde ich mich an einem Südstrand wieder. Ernesto lehnt lässig an einer Strandbar, die leider außer Betrieb ist.

Von hier aus führt der Radweg in Richtung Angermünde wunderbar durch die Wälder bis Ahlimbsmühle. Dieses Stück gehört zu den schönsten Routen, die ich in Brandenburg und Meck-Pomm. kenne. Ich folge dem Uckermärkischen Radrundweg  bis Friedrichswalde. Von hier führt der gut beschilderte und glatt asphaltierte Weg noch weiter bis Angermünde. Dieser Ritt noch weiter nach Osten wäre für heute zu weit für mich. Auch so werden über 170 Kilometer am Abend auf der Uhr stehen.

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Ernesto auf Kurs Ost

In Friedrichswalde biege ich ab in Richtung Joachimsthal. An der Dorfstraße entdecke ich die Landbäckerei Hakenbeck, die ich noch in guter Erinnerung habe, als ich im Frühjahr auf der Flucht vor einem heftigen Gewitterschauer Schutz suchte. Heute scheint die Nachmittagssonne mild, und die freundliche Bäckersfrau bringt mir Kaffee, Pfannkuchen und Apfelkuchen nach draußen.IMG_1842

Ein Geheimtipp, diese Bäckerei, in der noch selbst gebacken wird. Köstlich!

Knapp 60 Kilometer liegen noch vor mir. Joachimsthal, Werbellinsee, Zerpenschleuse, Wandlitz.

Am „Werbellin“, wie Fontane den See nannte, genieße ich den Blick über das blaugrüne Wasser. Würzige Luft, herrliches Abendlicht.

Südlich von Zerpenschleuse  liebäugele ich mit dem Einstieg in die Heidekrautbahn, die am Lottschesee hält. 18.27 Uhr wäre Abfahrt, noch 15 Minuten also. Nee, dann kann ich doch weiterfahren nach Klosterfelde. Auch hier bin ich noch vor der Bahn. Ich bin motiviert, richtig reinzutreten, um mir zu beweisen, dass ich genauso früh in Schönwalde sein kann wie die Niederbarnimer Eisenbahn. Es gelingt genau: Ich treffe die Bahn am Übergang und dem Bahnhof Schönwalde. Geht doch!

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20 Minuten später bin ich zu Hause. Duschen, essen. Einen leckeren Wein trinken. Eindrücke verarbeiten.

Knapp 180 Kilometer waren es. Mehr, als ich wollte am Morgen.

Strava-Track: 

 

 

 

 

Elbe – Moldau – Donau, Finale

Krummau hat uns trotz der Touristenströme in seinen Bann gezogen. Solch ein mittelalterliches und in großen Teilen barockes Ensemble habe ich so durchgängig noch nirgendwo gesehen. Eine Märchenwelt! Im „Leonardo“ durften unsere treuen Lastesel sogar direkt vor der Rezeption parken. Auf historischen Dielen, angelehnt an historischen Bänken. Wir bedanken uns für die äußerst zuvorkommende Behandlung und stehen frisch wie der junge Morgen um 8.30 Uhr an der Moldaubrücke und biegen nach Süden ab. Kurs Linz. Die Moldau ist spätestens ab hier ein Wassersportrevier erster Güte. Schlauchboote und Kajaks fahren in Reihe auf dem Wasser und werden in steter Folge auf Anhängern und LKW auf den Straßen moldau-aufwärts transportiert. Schließlich wollen die Flussfahrer flussabwärts gleiten. Und dazu muss die ganze Armada immer wieder in Richtung Quelle zu den Startorten gebracht werden. Bedřich Smetana https://geboren.am/person/bedrich-smetana hätte aktuell seine Tondichtung „Die Moldau“ um einen Schlauchbootwalzer ergänzen müssen. P1080936

Das Tal der Vltava wird enger, das Grün ist satt, Burgen tauchen nach jeder dritten Biegung auf. Eine wahre Burgen-Bauwut muss hier einst die Baumeister und Steinmetze in Arbeit gebracht haben.

An einem Sammelpunkt, wo die Wasserwanderer campen und auf die nächste Teilstrecke starten, machen wir einen Stopp und schauen dem bunten Treiben zu. Familien, Einzelkanuten, Alt und Jung. Die Menschen stürzen sich in den blauen Fluss. Wir machen ordentlich Strecke in dem flach ansteigenden Geläuf. Die Morgenluft ist würzig und tut unseren Lungen gut. Die werden spätestens ab Vyšší Brod, dem südlichsten Punkt Tschechiens, wieder feste Sauerstoff ins Blut bringen müssen. Hier knickt der Kurs nach Süden ab, weg von der schönen Moldau, hinein in die Berge Südböhmens.P1080959

Die Straße nach Leonfelden steigt sanft an. Wir finden unseren Rhythmus und erfreuen uns an den fetten Farben  der Wiesen und dem Cumulushimmel. Auf jeden Kilometer kommen hier zwei Verkaufsstände für frische Pfifferlinge, Gartenzwerge, Zigaretten und, wie wir vernehmen konnten, sogar für die Partydroge Chrystal Meth!  Die Waren, natürlich nicht die Pfifferlinge, kommen mittlerweile aus Vietnam und China. P1080961

Die ehemalige Grenzkontrolle in Weigetschlag steht seit Schengen 2007 ungenutzt, aber gepflegt da. Ein paar Kilometer noch bergauf, über die 850 Meter Höhe, dann sanft nach Bad Leonfelden einschwingen und den erstbesten Bäcker heimsuchen. Der Milchkaffee ist riesig, der Kuchen schmeckt köstlich, aber det Janze kostet hier doppelt so viel wie in Tschechien. Gestärkt steigen wir auf und kurbeln hinauf nach Glasau. Hier beginnt eine rauschende Abfahrt über mehr als 10 Kilometer nach Linz hinunter. 50 bis 65 km/h stehen permanent auf dem Tacho. Konzentration ist gefragt. Im Tal sind wir froh, wieder normal in die Pedale treten zu dürfen. P1080966

Linz empfängt uns mit seiner ganzen Pracht. Allein, wir sind viel zu früh hier, um uns schon ein Hotel zu suchen, also beschließen wir, die heutige Etappe auf ca. 150 Kilometer zu verlängern. An der Donau entlang sollte das purer Genuss sein!

In der Altstadt finden wir vor der Konditorei Leo Jindrak, dem Haus der original Linzer Torte, noch ein Plätzchen im Schatten und gönnen uns ein gleichsam köstliches wie riesiges Joghurt-Eis. Die können nicht nur Linzer Torten ( davon werden bei Jindrak jährlich 100 000 hergestellt und an Kunden in aller Welt versandt). Nach einem illustren Stündchen Pause und Plausch mit der heimischen Bevölkerung gehen wir um 14.30 Uhr wieder auf Kurs. P1080969

Ein paar Kilometer weiter bremst uns diese geschraubte Edelstahlskulptur. Beeindruckend allemal, nur einen Hinweis auf den Urheber finden wir nicht. Gut, dann lassen wir die Kunst einfach und unverfälscht auf uns wirken. P1080971

Vor dem Schopper-und-Fischer-Museum zupft ein Rennradlerkollege am Lavendel herum.P1080972

Schoppen ist, wie wir erfahren, die Kunst des Abdichtens der Holzfugen zwischen den mächtigen Eschenbrettern des Schiffsrumpfes. Dieser hier konnte bis zu 10 Tonnen tragen. In Aschach betrieb der Schiffmeister Johann Georg Fischer ( 1782-1864) einen großen Schopperplatz und setzte damals schon damals schon für sein Sägewerk große Dampfmaschinen ein. Hightech zu jener Zeit.

In einer  kurzen Pause vor einer Radlerpension, total einsam an der Donau gelegen, mit keiner erkennbaren Anbindung an den Straßenverkehr, verspeisen wir ein paar Würstel mit Meerrettich.  ( Der Hunger treibt es rein, hätte meine Mutter gesagt.)  P1080975

Links Radweg, rechts die Bahn, dazwischen die träge dahinfließende Donau, eingerahmt von Waldhängen. Oben thront der Burgherr.

Beim Würstelessen bekommen wir die Info, dass nur vier Kilometer weiter mindestens drei Gasthöfe mit Pension auf uns „warten“. Also nichts wie hin!

Wir klopfen nicht beim Heiligen Nikolaus, dafür aber bei der Pension Reisinger an und bitten um ein Nachtquartier. Peter verschwindet im Gastraum und kommt erst nach gefühlten 10 Minuten wieder freudestrahlend heraus. Die Seniorwirtin hatte ihm im obersten Stockwerk eine ganze Ferienwohnung mit zwei Schlafzimmern und Wohnküche angeboten. Für 30 € pro Person, inklusive Frühstück!

Darauf genehmigen wir uns ein deftiges Abendessen mit Kartoffelpuffern, Salat und leckerem Gösser-Bier. Zum Ausklang lassen wir uns noch einen Krug mit lauwarmem Sauvignon Blanc füllen und tragen die köstliche Fracht hinauf in unser Wohngemach.

Hinterm Fenster lüftet die Rapha-Weste aus, die Hosen hängen dekorativ am Türrahmen, die Wohnküche wirkt in zartem Rot für sich. Im Waschbecken kühlt sich der Sauvignon im Wasserbad.

Diese Nacht schlafe ich ( mückenlos) wie ein Stein. Peter erschlägt derweil wie das tapfere Schneiderlein mindestens sieben Blutsauger, die ihn nicht in den Schlaf kommen lassen.

Am nächsten Morgen starten wir nach einem Frühstück alter Art – Wurst, Käse, Marmelade, Filterkaffee – auf die Etappe nach Straubing.P1080984

So gut die Beschilderung des Donauradweges bisher gewesen ist, so bescheiden sieht sie auf den nächsten 30 Kilometern aus. Der Weg führt streckenweise über die Bundesstraße ohne Seitenstreifen. Der Landkreis hat hier wohl ein paar Jahre verschlafen.P1080988

Ja, geht es noch? Beim Versuch, zwischen den Stangen hindurchzutauchen, wären wir fast steckengeblieben. Hohoho! Ein Hoch auf den Beschilderer.

Passau muss hinter der nächsten Biegung auftauchen, die Annäherung an die attraktive Altstadt führt allerdings über ein paar Hindernisse.

Der gepriesene Donauradweg führt uns an einer stillgelegten Bahnstrecke über rumpeligen Schotter an die Stadt heran.fullsizeoutput_35ff

Musikantenkultur in Passau: Der Bärtige erfreut Peter mit seinen Liedern. Als Peter ihm das Brandenburglied vorsummt und der Musikant mehr schlecht als recht die richtige Melodie sucht, ergreife ich die Flucht.

Wir trösten uns mit dem Blick auf Maximilian I. , dem ersten König der Bayern, und den beeindruckenden Dom St. Stefan. Dann gönnen uns zum Einritt ins Bayernland eine zünftige Weißwurst und ein Weißbier. In Passau gibt es drei Flüsse zu überqueren, Inn, Ilz und Donau. Dann entlässt uns die Stadt wieder nach Westen an die freie Donau.P1090012

Der Donauradweg wird hier zum Bier-Radlweg. „Bring ma a Hoibe!“ Das merken wir uns und werden so an den nächsten Tagen nicht verdursten müssen. Nach kurzem Hotelsuchintermezzo in Bogen, wo keine Bleibe zu finden ist, starten wir durch nach Straubing und erreichen die Altstadt kurz vor einem dräuenden Gewitter. Im Hotel Seethaler werden wir vom Inhaber abgefangen ( gerne doch) und bekommen zwei nette Zimmer. Der Abend wird gemütlich: IMG_1726fullsizeoutput_35ceEssen bei Röhrl mit dem gleichnamigen Bier. Eine Riesenportion Semmelknödel mit Pfifferlingen, die in einer sämigen Sauce schwimmen. Köstlich. Dann später launige Gespräche in einer Bar, die nach Berliner Maßstäben schon bevor der eigentliche Abend beginnt, gegen 22.30 Uhr den Ausschank schließt. Da musste eben schneller trinken, meint Peter. Wir kommen auf diese Weise wieder zeitig in die Betten und sind fit für die kleinen 55 Schlusskilometer am letzten Tag nach Regensburg.P1090019

Auf dem Donaudeich staunen wir über einen schlaksigen Wanderer, der einen vollbepackten Kinderwagen vor sich her schiebt. Wir kommen ins Gespräch: Der Däne ist auf dem Weg von Kopenhagen über Deutschland, Tschechien, Österreich und jetzt Bayern nach Griechenland und dann noch mit einem Umweg um die Türkei herum noch ein Stückchen weiter. Gestartet war er mit Rucksack, dann irgendwo in Deutschland hat ihm eine Frau den Kinderwagen geschenkt. Da war er seine plagende Last auf dem Rücken los. Der Kinderwagen wurde voll und voller. Läuft prächtig, meint er. Nur die Räder sind etwas klein für rumpelige Wege. Bis zu 60 Kilometer hat er an den besten Tagen geschafft. Beachtlich. Gesund an Körper und Geist. Neugierig und unkonventionell. Mit diesem Menschen hätten wir gern länger geplauscht.

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Rechts oben über den Bäumen am Hang taucht die Walhalla auf. Wir wähnen uns im alten Griechenland. Wikipedia weiß über den Tempel Folgendes: In der Gedenkstätte Walhalla in Donaustauf im bayerischen Landkreis Regensburg werden – ursprünglich auf Veranlassung des bayerischen Königs Ludwig I. – seit 1842 bedeutende Persönlichkeiten „teutscher Zunge“ mit Marmorbüsten und Gedenktafeln geehrt. Benannt ist sie nach Walhall, der Halle der Gefallenen in der nordischen Mythologie. Der Architekt war Leo von Klenze.

Leo von Klenze errichtete im Auftrag von Ludwig I. in den Jahren 1830 bis 1842 den nationalen Gedenktempel nach dem Vorbild des Parthenon. In der Ruhmeshalle haben viele bedeutende Persönlichkeiten aus der germanischen Sprachfamilie einen Ehrenplatz erhalten. Selbst jene wie Heinrich Heine, der den Bau spöttisch als „marmorne Schädelstätte“ bezeichnete, finden sich heute in ihm wieder.

Wir sparen uns den Aufstieg zum Tempel und belassen es beim respektvollen Betrachten.P1090054

In Regensburg steuern wir zunächst den riesigen Dom an: Ich muss unwillkürlich an Walter Röhrl denken, der zu seiner Jugendzeit der rasanteste Chauffeur des Regensburger Bischofs gewesen ist.P1090063

Zu diesen Gedanken passt wunderbar das Bier vom und im Bischofshof. „Das Bier, das uns zu Freunden macht.“

Danach drehen wir eine Kulturrunde durch die Gassen der Altstadt und steuern am Ende die alte steinerne Brücke an. Sie wird gerade aufweisenndig renoviert. Und genau da, wo die Baustelle mit einer Stahlkonstruktion umschifft wird, haben wir eine illustre Begegnung. „Magic Moments“: Unser Randonneursfreund Henning, der im wirklichen Leben Profifotograf ist, steht mit seinem Team auf der Brücke und macht Aufnahmen für eine Kampagne des Landes Bayern. Ein irrer Zufall, ihn hier zu treffen. Nicht in Berlin, 500 Kilometer weiter südlich in Regensburg auf der Brücke! Großes Hallo, ein paar Worte, dann wendet sich der Gestresste wieder seiner Arbeit zu. Wir schieben unsere Räder derweil auf die andere Donauseite und kehren ein im Biergarten Zur alten Linde. Schön, anderen bei der Arbeit zuzuschauen. P1090045

Da unten auf der Insel turnt er herum und dirigiert die großen Schirme, die wohl das helle Sonnenlicht abhalten sollen. Wir fotografieren einfach dann, wenn das Licht schon milder ist …

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So ungefähr sieht das dann aus.

Im Hotel VIII direkt an der Donau bekommen wir ein veritables, etwas kurioses Apartment im 4. Stock.P1090036

Wir wähnen uns im Orient. Fehlt nur noch die Wasserpfeife.

Unsere Räder dürfen auch hier ins Haus. Und das wird um 19 Uhr abgeschlossen. Mit gutem Gewissen können wir noch einen ausgedehnten Stadtbummel machen.IMG_1731

Bei Dampfnudel-Uli kehren wir mangels Hunger nicht ein.

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An der Donau, mitten am attraktivsten Teil des Donauufers, sind die Hausbesetzer aktiv. ANTIFA steht ganz oben zu lesen. Und ich hatte gedacht, det gäb et nur in Berlin. Offensichtlich ist dieselbe Problematik wie in den meisten großen Städten auch hier angekommen.

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Nur noch Barbarossa ist illuminiert. Wir kommen durch den Nebeneingang mittels Transponderkarte ins Hotel, stiefeln die drei Treppen hoch und wissen kaum, wie wir in die Betten gekommen sind. Wir sind am Ziel unserer Etappentour. 1000 erlebnisreiche Kilometer liegen hinter uns. Wir sind zufrieden.

Morgen mittag bringt uns die Bahn wieder zurück nach Berlin.

P.S: Ein Bericht zur Streckenführung mit den Tracks und zur eingesetzten Ausrüstung ist in Arbeit.

Das Granfondo Ti als Lastesel

Auch bei Brevets über 1000 Kilometer haben mich die Revelate Viscacha oder aktuell der Ortlieb Seatpack bestens begleitet. Absolute Minimalisierung ist bei solchen Veranstaltungen angesagt. Möglichst wenig Gewicht, schlank am Rad. Diesmal will ich aber auf eine Etappentour starten. Pro Tag so um 150 bis 180 Kilometer fahren, dann Land und Leute und Kultur genießen. Für solch ein Vorhaben sieht der Packplan auch Freizeitkleidung vor. Hose, Schuhe, Fleece Jacke, Wechselwäsche müssen mit. Und für diesen Umfang reicht eine Sattelstützentasche nicht aus.

Jetzt schlägt die Stunde der Anlötösen an meinem neuen Titan-Granfondo. Doch zurück zur Planung der Strecke. Schließlich ist die der Auslöser für die umfangreichere Ausrüstung. Um die sieben Tage wollen Peter und ich durch Deutschland, Tschechien und Österreich rollern. 1000 Kilometer mehr werden unsere Garmins am Zielort Regensburg aufgezeichnet haben.

Welcher Gepäckträger passt für das Titan-Gerät, welche Satteltaschen kommen infrage? Nach zwei Stunden Googelei in diversen Foren und bei den einschlägigen Anbietern steht fest: An einem Tubus Airy werden die neuen Gravel-Packs von Ortlieb hängen. P1170219

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Ein feines Teil, der Airy. 230 Gramm leicht und sehr stabil. Die linke Befestigungsstrebe hin zur Sattelstrebe musste ich um den Anlekhebel der Ultegra-Bremse biegen. Leicht zu machen, weil die Stangen aus Massiv-Titan gefertigt sind. Im oberen Bild ist auch das famose Steckschutzblech von Rose zu sehen. Passt nach Bearbeitung des Halters genau unter den Airy und ist stabil und schon für 8 € zu haben.

Nun zu den Gravel Packs ( hier in mtb-news detailliert beschrieben) : 1150 Gramm leicht, 25 l Inhalt. Absolut wasserdicht.

Versteht sich von selbst, dass ich den SON-Nabendynamo, die Supernova-Beleuchtung und den Dynamo-Harvester vom Endurace auf das Granfondo umgebaut habe. So kann ich mit dem jetzt wieder 7 kg-Carbon-Endurace wieder die „Leichtigkeit des Seins“ genießen, und das Granfondo ist fit für lange und längste Touren.

Mit Gepäckträger, Nabendynamo, Beleuchtung, Dynamo-Harvester und Fronttasche wiegt das Granfondo jetzt um die 11 kg. Für einen Reiseboliden sehr ordentlich, wie ich meine.

Am 2. August gehe ich mit Peter „on Tour“.

Mein Titan Granfondo und sein ALAN Mercurial pro werden zeigen müssen, was sie auf der Langstrecke können.

Darß-Brevet 600 km – Halbzeitimpressionen

Peter und ich sind dieses Mal nur Zuschauer beim 600-km-Brevet. Peter hat „Knie“ und ich habe „Wade“. Also haben wir uns schnell entschlossen, den tüchtigen Randonneuren bei Halbzeit der Strecke in Prerow auf dem Darß ein wenig Support zu bieten.

40 Liter Trinkwasser, 60 Knackwürste, reichlich Kartoffelsalat, selbstgebackene Heidelbeermuffins, Gummibären … und eine von unserem Lieblingsschrauber Basim ( Fahrradladen Potsdam Babelsberg) gesponserte Ersatzteil- Riegel- Isopulver- und Gelkiste.

Mit Peters Oldie-Camper-Bulli machen wir uns um 14 Uhr auf den Weg nach Norden. Der kleine Diesel brummt genauso vernehmlich wie Vertrauen erweckend. Mehr als 100 km/h sind kaum drin. Der böige Nordwest rüttelt kräftig am hohen Westfalia-Aufbau. Bei Krakow stehen wir 30 Minuten im Stau vor einer Brückenbaustelle. Wir hatten geplant, spätestens um 17 Uhr am Ostrand von Prerow Position zu beziehen. Das wird nun nichts mehr. Peter flucht heftig, als uns schon zwischen Born und Wiek die ganz Schnellen entgegenkommen. Die machen eh keine Pausen, so wie die unterwegs sind, tröste ich meinen unzufriedenen Fahrer. Ich erkenne Jens Burger, Thomas Bockshecker und Stefan Meisner. 17.15 Uhr ist es.. Die haben tatsächlich bis hierher einen Schnitt von über 30 km/h trotz kräftigem Gegenwind hingelegt. Alle Achtung!

Ein Viertelstunde später stehen wir auf dem  Parkplatz an der lang geradeaus am Deich entlangführenden Straße. Als wir unsere Vorräte auspacken, taucht schon die nächste Gruppe auf. Peter wirft flugs den Herd an und die Würste in den Topf.

Um 17.45 Uhr rollen die Kollegen runter vom Deich und vor unsere Füße:

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Rafal, der „Viertelvorzwölfte“

P1100173P1100161P1100159P1100182Stempel ins Brevet-Heft, Wasser in die Flaschen, Pulver rein, Wurst verschlingen, schnell ´ne WhatsApp an die Freunde loslassen, und schon scharren die ersten wieder mit den Hufen. Um 18.10 Uhr gehen die Jungs auf die zweite Halbetappe – nochmal 300 Kilometer.

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Nils rollt ein, als die Achtergruppe startet. Er hatte kurz abreißen lassen und danach keine Chance mehr gehabt, bei dem starken Gegenwind wieder heranzukommen. So frisch, wie er aussieht, kann er weiter gut alleine fighten.

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18.40 Uhr – Peter setzt den Stempel ins Heftchen

Thomas, unser Kilometerfresser aus Eberswalde, und Clemens liefern sich einen kleinen Spurt: Clemens auf dem Deich, Thomas auf der Straße.

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Inzwischen habe ich es auch geschafft, die zwei Hinweistrikots windfest und halbwegs stabil zwischen Bulli und Zaun zu befestigen. Schließlich soll uns jeder rechtzeitig erkennen können.

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Haribo macht Kinder froh – und Randonneure ebenso

Um Punkt 19 Uhr erkennt Peter unseren Schweizer Randonneur Ueli Bächli auf dem Deichweg. Am Morgen vor dem Start hatte er schon einen kleinen Plausch mit ihm gehalten. Wir feuern ihn auf den letzten Metern bis zum Abzweig an… Beifallsbekundungen und begeistertes Publikum sind dem Ueli nicht fremd. Schließlich hat er als Bobfahrer in den 70er und 80er Jahren WM- und Olympiamedaillen reichlich gesammelt.

Bravo Ueli, und lass dir die Wurst schmecken!

Um 19.20 Uhr kommen Wolf Beisswanger und zwei junge Randonneure heran.DSC_0022DSC_0023DSC_0028DSC_0029

Randonneure können auch stylish aussehen, wie hier unter Beweis gestellt ist.

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Zehn Minuten später kurbelt Matthias auf seinem Titan-Randonneur heran. Offensichtlich auch bestens gelaunt:

Unser Organisator Ingo folgt auf dem Fuße und gibt im warmen Abendlicht ein wunderbares Fotomotiv ab.DSC_0042DSC_0043DSC_0048

Er führt im hinteren Trinkflaschenhalter eine gekühlte Flasche alkoholfreies Bier mit – was für ein Luxus! DSC_0051DSC_0056

Dann nähert sich wieder eine ganze Gruppe, die sich im Gegenwind zusammengefunden hat. DSC_0079DSC_0087DSC_0073

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Saschas Banana-Trikot-Taschen bleiben wohlgefüllt mit den gesunden Energiebomben.

Und ich freue mich, endlich Eva ( Takeshi),  die wunderbare Blogberichte über das Radfahren schreibt, persönlich in Empfang zu nehmen.

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Eine illustrer Gegenwindvierer rollt hier ein. Gut gelaunt und hungrig.

 

In der nächsten halben Stunde wirkt unser „Service Point“ wie ein lustiges Radfahrerpicknick am Ostseerand. Als wir neugierigen Strandwanderern erklären, dass die „Picknicker“ schon 300 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt haben und nochmal 300 Kilometer wegarbeiten werden, ernten wir ungläubiges Staunen.

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Ingo und Eva gehen wieder auf die Strecke.

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Powerstrümpfe machen den Liegeradler schnell

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Manuel würdigt uns keines Blickes

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Matthias rollt ein

Nach einer halben Stunde Essen, Trinken und Plauschen verlässt uns diese Wohlfühltruppe leider wieder und startet in die Nacht. Die nächste Kontrolle wartet in Teterow, 100 Kilometer weiter in den sanften Hügeln von Meck-Pomm.

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Jung-Randonneur Ole hat sich auch herangekämpft. Ein Reifenplatzer und dann viele Kilometer allein im Gegenwind, das zehrt!

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Team mit Strahlkraft!

Die beiden wollen bei Freunden in Zingst eine Luxuspause einlegen und dann ausgeruht das Feld von hinten aufrollen…

Immer noch sind ca. 15 Teilnehmer auf der Strecke zu uns hin, und es wird langsam dämmrig und deutlich kühler. DSC_0138

So sieht ein gut gelaunter Organisator aus: Klaus lässt es heute gemütlich angehen und genießt Land und Leute. Souverän halt.

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Die Sonne ist unterm Horizont, also Warnwesten überziehen und Beleuchtung anzünden. So macht dann die Fahrt durch die Nacht Freude.

Um kurz nach 22 Uhr begrüßen wir die beiden Unverwüstlichen, die beiden, die nur im Team auftreten und immer durchhalten. Susanne und Peter. Chapeau!

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Kommt gut durch die Nacht! Und alle anderen vor euch auch, und auch die hoffentlich noch guter Dinge Kurbelnden, die noch nicht bei Halbzeit dieses 600ers angekommen sind.

Peter und ich packen unsere Siebensachen und sind gegen 22.30 Uhr startfertig – da kommt noch unser „Ruderfrank“ um die Ecke gerollt. Unsere Wassertanks sind leer, nur ein paar Riegel und Gels können wir noch bieten. Sorry, Frank.

Es hat uns Freude gemacht heute an der Strecke – mal nicht selber auf dem Rad. Ihr seid schon eine klasse Truppe!

 

P.S  Wer ein Foto von sich in Originalauflösung haben möchte – bitte E-Mail an mich, „Dietmar.Clever@online.de“, dann bringe ich das auf den Weg.

Und wie es Eva – Takeshi ergangen ist, findet ihr hier: 600er Brevet: Mit den Berliner Randonneuren LESEN!