Kenne deine Kapazität

In diesem lesenswerten Artikel beschreibt Christoph, ein von mir sehr geschätzter Randonneurskollege, wie man am besten trainiert, um wirklich besser zu werden oder, in wachsendem Alter, fit und leistungsfähig zu bleiben.

https://crispinus.wordpress.com/2022/11/30/kenne-deine-kapazitat/

Schattenrisse

Wenn es nieselt, wenn es grieselt, bei Temperaturen um den Nullpunkt herum, dann ziehe ich das Wandern dem Radfahren vor. Der Aktionsradius ist kleiner, der Blick in die Natur intensiver. So mache ich es heute.

Im Kindelfließ säumen Schwarzerlen die Entwässerungsgräben. Weiter draußen, auf der weiten Wiese, steht eine Huteeiche aus alter Zeit.

Der Hauptstamm misst mehr als fünf Meter im Umfang. Gewitter oder Stürme haben den oberen Teil irgendwann weggerissen. Dann hat sich ein stattlicher Seitentrieb entwickelt. Die Eiche hat sich von den Verletzungen erholt und bietet den Schafen und Pferden im Sommer immer noch kühlenden Schatten.

Wenige hundert Meter weiter, am Rande des Kindelwaldes, steht versteckt eine mächtige Stieleiche. Schon oft habe ich sie besucht und meine Hände auf die mit Spinnweben verzierte Borke gelegt.

In Brusthöhe gemessen, hat der Riese etwa sechs Meter Umfang. Seit mindestens 400 Jahren hat er hier schon Dürren, Überschwemmungen, Kälte und Trockenheit, Kriege und Friedenszeiten überdauert und erlebt.

Auf der Koppel des Reiterhofes stehen das ganze Jahr über Pferde. Einige haben bereits ihr Winterfell entwickelt, nur die Reitpferde mit ihrem dünnen Sommerfell sind auf wärmende Decken angewiesen. Die robusten Ponys scheint die Kälte nicht zu beeindrucken.

Hinter der Koppel erstreckt sich eine herrliche Allee von Feldahorn, Pappeln, Eichen, Kastanien und einigen Linden. Eine ziemlich wilde Mischung unterschiedlicher Arten. Vor 150 Jahren ist hier jemand offensichtlich sehr kreativ gewesen.

Einige Flachwurzler wie Kastanie und Erle hat ein Sturm im vergangenen Jahren umgeworfen. Andere, deren Stammsegmente eine schöne Sitzmöglichkeit bieten, liegen hier wohl schon länger und werden von Käfern, Pilzen und anderen Lebewesen bewohnt.

Irgendwo im Nebel verborgen sind Kraniche zu hören. Zu Gesicht bekomme ich keinen. Graugänse sind noch auf der Reise in südliche Gefilde und schnattern um die Wette. Rabenkrähen stelzen futtersuchend über die Felder. Einige sitzen hoch oben in den Bäumen und rufen weithin zu hören ihr kra, kra, kra.

Die Baumgruppen auf den sanften Wellen des Niederbarnim sehen aus wie Scherenschnitte.

Die Natur begibt sich in den Winterschlaf. Im moorigen Boden wühlen noch Maulwürfe und arbeiten sich warm. Nie sind sie zu sehen. Nur die frisch aufgeworfenen Hügel zeugen von ihrem Dasein. Zwei Rehe bringen Farbe ins Schwarz-Weiß.

Am Ortsrand tauche ich wieder ein in die Welt der Laubbläser und Heckenschneider. Fast an jeder Grundstücksecke ragen Glasfaserkabel aus dem Boden und warten darauf, demnächst Filme, Facebook, Twitter und Homeoffice-Daten mit Hochgeschwindigkeit zu transportieren. Hoffentlich hält die Denkgeschwindigkeit der Nutzer mit.

Die auf einem Wohngrundstück abgestellten Autos mit inliegendem Schrott muten an wie eine Kunstinstallation. „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ Das muss weg!

Sehen und gesehen werden

 

Randonneure fahren bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur ungeeignete Ausrüstung.

Vor ein paar Tagen war ich abends mit dem Auto in der großen Stadt unterwegs. Nieselwetter, nasse Straßen, Dunkelheit. Vor mir erkenne  ich in letzter Sekunde einen Fixie-Fahrer – also rein in die Bremse, ausweichen und fluchen!

Schwarze Klamotten, kein Licht, kein Helm. Beste Voraussetzungen, bald im Krankenhaus zu landen. Sicher war das kein Randonneur, denn die sind ja bestens ausgerüstet, immer mit hellem Licht und immer mit Reflexweste unterwegs. So weit die Theorie!

Bei den langen Brevets, wo man die ganze Nacht hindurch auf dem Rad sitzt, habe ich auch schon Randonneure gesichtet, die mit einer Frontfunzel und einem kaum sichtbaren Lichtlein hinten unterwegs waren. Die dann, wenn die Batterien leer waren, einfach ohne Beleuchtung weiter durch die Nacht fuhren. Mehrmals habe ich mit Front- und Rücklicht ausgeholfen, denn einen Satz Leuchten habe ich immer in Reserve. Zugegeben, in unserer Szene ist solch ein Verhalten die Ausnahme. In Berlin-Mitte gehört es fast zum guten Ton, ohne Licht unterwegs zu sein.

Wer nächtens unbeleuchtet und ohne Reflexweste fährt, riskiert sein Leben und kann auch einen Autofahrer lebenslang in Schuldgefühle stürzen.

Um die verschiedenen Möglichkeiten/ Konfigurationen sichtbar zu machen, habe ich gemeinsam mit den Freunden auf einer für Autos nicht befahrbaren Straße mal getestet, wie unterschiedlich „Sehen und gesehen werden“ aussehen kann:

> Zuerst musste Peter seine Reflexweste ausziehen und nur mit einem kleinen Rücklicht losfahren. Außer dem Rücklichtpunkt ist fast nichts zu erkennen. 

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Dunkle Kleidung – nur das kleine Rücklicht ist zu erkennen

> Jetzt nochmal mit Weste und Dynamorücklicht: 

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Hier ein paar Infos zum Thema: Radfahrer sind bei Nacht besonders gefährdet

Wie eine geeignete  Beleuchtung aussehen sollte, kommt auf den Einsatzzweck an:

  • Wer ab und an in der Dämmerung fährt, ist gut beraten, eine gut sichtbare Jacke oder Weste zu tragen, am besten mit Reflexelementen. Dazu eine Akku-Frontlampe und eine Akku-Rückleuchte mit Leuchtdauer 3 bis 5 Stunden reichen allemal.
    Für ca. 100 € zu haben.
  • Wer regelmäßig im Dunkeln fährt, sollte sich einen Nabendynamo und die entsprechenden Front- und Rückleuchten gönnen. Dann ist das Thema Akku-Laden passé.
    Rund 300 € werden fällig.
  • Und  nun zu den Hardcore-Nachtradlern: Viel Licht nach vorn und viel Licht nach hinten! Je nach Wetter und Geschwindigkeit. Meine Lichtanlage sieht so aus: Vorn Nabendynamo SONdelux, Frontleuchte Supernova E3 Pro, dazu für fieses Wetter und schnelle Abfahrten Lupine Piko 4 mit 1200 Lumen und dickem 6400-mAh-Akku. Hinten Supernova E3 Taillight plus Knog Blinder für alle Fälle.
    Mit einem Preis von ca. 600 € ist dies sicher eine sehr teure, allerdings auch überaus leistungsfähige Zusammenstellung. Für den engagierten Fahrer, der bei jedem Wetter und zu allen Jahreszeiten auf dem Rad sitzt, allemal eine gute Investition. Ein einziges Carbonlaufruso viel!
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Eine gut erkennbare Oberbekleidung ist die ideale Ergänzung zur guten Beleuchtung.

Der Hersteller Rapha ist ein besonders gutes Beispiel für den durchgängigen Einsatz von Reflexelementen bei Jacken, Westen und Trikots.

Rapha und E3
Rapha Insulated Brevet Jacket, E3 Taillight ( hier etwas unter Wert geschlagen, weil von der Kamera angeblitzt) und Ortlieb Gravel mit klasse Reflektor

Die Brevet-Serie ist zwar sehr teuer, aber auch absolut top in Qualität und Tragekomfort.

Sehr löblich, dass mittlerweile auch von Vaude und Endura reflektierende Trikots und Jacken angeboten werden.

E3 Geltow
Das  Supernova E3 Taillight ist auch noch in 100 m Entfernung nicht zu übersehen.
Peter Radweg
Auf dem Radweg: Peter mit Mavic-Reflexweste und Supernova E3 Taillight im Licht einer Lupine Piko 4 in mittlerer Leuchtstufe
Rapha und Shakedry

Hier im Bild links die wunderbar wasserdichte und atmende Shakedry von Löffler – leider nur ausgestattet mit einem kleinen Reflex-Markenlogo neben dem Frontreißverschluss. Nachtfahrten mit einer solchen dunkelgrauen „Hightechjacke“ sind nur zu empfehlen mit einem zusätzlichen Reflexgurt darüber, siehe rechtes Foto. Löffler und auch der Shakedry-Erfinder GORE sehen sich noch nicht in der Lage, das Material mit größeren Reflexelementen auszustatten.

Aktuell habe ich mir eine Allwetterjacke von AGU mit Heizelementen und einer LED-Reihe auf dem Rücken geleistet. Sehr warm, sehr gut Sichtbarkeit. Vernünftiger Preis. Besonders für Pendler zu empfehlen.

Merke! Sicherheit für Radfahrer kommt von Sichtbarkeit!

Hier noch ein interessanter Link: https://blog.bikemap.net/de/safety/radfahren-bei-dunkelheit-tipps-fuer-mehr-sicherheit/

In diesem Sinne: Macht euch sichtbar!

Gar eisig ist´s im Oderbruch

Und weiter geht es mit den Rückblicken: Diesmal in den Februar 2017. Verdammt kalt war es geworden, Schnee war gefallen. Aber das war kein Grund, den Tag am heimischen Herd zu verbringen. Lest selbst:

Peter hat wieder mal eine Idee: Nach Küstrin mit der Bahn und dann nach Nordwesten an der Oder lang. Da waren wir doch schon lange nicht mehr.

Die Oderlandbahn bringt uns für bescheidene 11,70 € von Lichtenberg nach Küstrin. Die freundliche Zugbegleiterin, die schon seit drei Uhr in der Frühe „on tour“ ist, nimmt uns bis zum Endbahnhof Küstrin mit. Schon beim Blick aus dem gut geheizten Waggon bekommen wir einen Vorgeschmack von dem, was uns im Oderbruch erwartet: Schnee reichlich! p1070394

Vor dem Bahnhof posiert Peter samt neuem Helm und Probecrosser von ALAN. Ludovico Falconi hat 1972 seine Räder nach seinen beiden Kindern benannt: ALberto und ANnamaria. nachdem ich das ergoogelt habe, weiß ich endlich, was es mit dem Markennamen ALAN auf sich hat. So werden wir uns mit Ludovico und Alcide ( Basso) ins Oderbruch begeben. Doch zuvor locke ich Peter in die Festung Küstrin, wo schon Friedrich der Große eingekerkert war und am 6.November 1730 dabei zusehen musste, wie sein Jugendfreund Katte auf Befehl von Friedrich Wilhelm enthauptet wurde. Weil er Friedrich zur Flucht verhelfen wollte. Küstrin hat eine lange und grausame Historie. 20170202_111028_resized

Das Berliner Tor ist einer der restaurierten Bereiche der Bastion. p1070398

Dieser Sockel kündet vom Gründer der Festung, Johann Markgraf von Brandenburg- Küstrin ( 1513-1571).

Auf der Suche nach einer Gedenkplakette für den hingerichteten Katte suchen wir vergeblich. Nur den Kattewall bekommen wir zu Gesicht. Bei Schnee und Eis zeigt sich die Festung abweisend und unwirtlich. Das mag sich bei lauer Frühlingsluft anders anfühlen als heute, wo wir froh sind, endlich aus diesem Ruinenumfeld hinauszukommen. Die ersten Kilometer über Küstrin-Kietz an der Oder entlang können wir locker rollen. Die Straße ist freigeräumt. Doch wie immer bei unseren Winterausflügen – irgendwann wird es heftig.p1070404

Links eine fahrbare Sackgasse, rechts Schnee und Eis. Also erst mal den Rückwärtsgang einlegen und über einen gerade noch fahrbaren Deichweg nach Letschin balancieren. Das schult den Gleichgewichtssinn. Weg mit den Fingern von der Bremse.

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In Sophienthal, einem winzigen Ortsteil von Letschin, finden wir an jeder Ecke blaue Fahrräder. Überhaupt ist hier mehr Blau als anderswo.

Das Kolonistendorf Sophienthal feierte 2016 sein 250-jähriges Bestehen. Und dies war dazu in der Märkischen Oderzeitung zu lesen:

Zum Dorffest hatten Rothmanns ein blaues Fahrrad mitgebracht und es versteigert. 36 Euro kamen zusammen, die in die Festkasse gehen. Familie Engel aus Sophienthal ersteigerte das Gefährt, wird es nun im eigenen Garten entsprechend platzieren. Rothmanns sind bereit, weitere blaue Fahrräder zu gestalten. Interessenten können alte Drahtesel zu ihnen bringen oder sich selbst versuchen. „Ich wünsche mir, dass viele mitmachen“, sagt der Ortsvorsteher.

Offensichtlich haben viele mitgemacht.

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Die Fahrspur ist auf den nächsten Kilometern nach Kienitz ein paar Reifenbreiten frei. Das reicht für flottes Fahren bei spürbarem Rückenwind. Am Rand von Kienitz lehnt an einem Vorgartenzaun eine veritable Ski-Sammlung aus mehreren Jahrzehnten. Bunt und wunderbar passend zum heutigen Wetter.fullsizeoutput_2c99

 

Alcide und Ludovico stellen wir einfach in den Tiefschnee vor dem Kienitzer Panzer, den wir schon zu allen Jahreszeiten und bei allen Wettern passiert haben. Sollen wir es wagen? Am Oderdeich die nächsten Kilometer auf Eis und Schnee? Immer langsam voran, meint Peter, dann packen wir das schon. 20170202_130146_resized

In Groß-Neuendorf liegt das „Bahnhotel“ noch in tiefem Winterschlaf. Anders die Rehe und Wildgänse. Noch nie haben wir so viele Rehe im Rudel über die Felder rennen und Vögel auf den Feldern sitzen sehen. Warum rennen die so, wenn keiner sie verfolgt, das kostet doch nur unnötig Energie, fragt sich  Peter. Uns verfolgt auch keiner, und wir verbrennen auch reichlich Energie.

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Roter Bell mit Schwarzem Peter

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Erst fahrbar, dann Probe für unser Fahrkönnen. Der Oderdeich hin nach Zollbrücke. fullsizeoutput_2c94

Oh Wunder, am Grenzpfahl Nummer 615, an der Deichscharte der ehemaligen Zollbrücke, hat das Gasthaus geöffnet. Wir können es kaum glauben. Die Gaststube ist geheizt, es gibt einen köstlichen Glühwein, danach eine heiße Wildgulaschsuppe, dazu die markigen Kommentare der Wirtin mit Ostcharme. Peter hatte gefragt: Haben sie einen Glühwein oder sonst noch was? „Glühwein könnse haben, sonstwat hamwa nich.“

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Wir biegen in Zollbrücke ab nach Westen, der Weg am Deich entlang ist eisig, und wir wollen endlich wieder unverkrampft auf den Rädern sitzen. Quer durch das Oderbruch: Zäckeriger Loose, Neuranft, Schiffmühle. Winter im Oderland, fahles Licht, Wolkendecke mit Sonnenrand. Herrlich, wenn es nicht so kalt wäre. Wir lassen es zügig rollen bis nach Oderberg und bleiben dann auf der Hauptstraße. Eine gute Wahl! Es hat in diesem Streifen so reichlich geschneit, dass sich die Kiefernäste schwer nach unten biegen. fullsizeoutput_2c8ap1070454

Der Oder-Havel-Kanal trägt dickes Eis. fullsizeoutput_2c8b

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In den Anstiegen der Oder-Abbruchkante können wir uns warmarbeiten. Die 20 Kilometer nach Eberswalde erscheinen uns doppelt lang. fullsizeoutput_2c8d

8 % ??? Na, das ist wohl leicht übertrieben. Aber in die Waden geht der Anstieg schon. Eberswalde kommt irgendwann. 16.42 Uhr, und genau um diese Zeit fährt der RE3 nach Berlin. Wir sitzen gerade drin, als er schon losrollt. Gutes Timing. Nach 32 Minuten sind wir in Gesundbrunnen und gönnen uns Speis und Trank in der „Lichtburg“. Hier stand einmal in der Brunnenstraße, am Ku´damm des Nordens, der Kinopalast Lichtburg.

 

Bilder sprechen lassen

Elbe – Moldau – Donau, Teil 2

Hier kommt Artikel Nummer zwei des Rückblicks – von Prag nach Krumlov/ Krummau an der Moldau:

Die Klänge des Jazzfestivals auf dem Altstädter Ring klingen noch lange nach. Hunderte Menschen verschiedenster Nationen – stehend, sitzend, essend, trinkend, plauschend – sind auf dem Platz versammelt. Friedlich, freundlich geht es zu. Eine Freude, dies zu erleben.

Die Karlsbrücke und der Hradschin zeigen sich in bestem Nachtlicht. Wir laufen und laufen und laufen, und dann verlaufen wir uns gründlich. Erst per Handy-Navigation finden wir wieder zurück zum U-Bahnhof am Museum. Nach Mitternacht fallen wir wie betäubt in die Betten. Ein schöner Abend war das.

Unsere Räder haben die Nacht im Restaurantraum genossen und wiehern geradezu zum Aufbruch. Kurz vor acht rollen wir ins Stadtgetümmel. Prag ist nicht für Radfahrer gemacht! Pflasterstraßen, Straßenbahnschienen… wo sind denn die Radwege? Wir schlagen uns durch nach Süden, fluchen über den Berufsverkehr und sind eine Stunde später endlich wieder auf freiem Felde unterwegs. Die Hussitenstadt Tabor in Südböhmen ist unser Tagesziel. P1080883P1080892

Riesige Eichen, romantische Weiher und ein Schimmel, der als Einhorn durchgehen könnte. Die Gegend wird traumhaft schön, die Sonne lacht dazu. Nur die fiesen Rampen, die sich aneinanderreihen, klauen unsere Körner. Mal 10 %, dann 15 %. 1500 Hm auf den nächsten 106 Kilometern. Man kann es kaum glauben, schließlich reiht sich nur Hügel an Hügel. Die Tschechen haben die Straßen immer schnurgerade hinaufgeführt. Keine sanften Bogenkurven.

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Irgendwann enteilt mir Peter an einer der Rampen, weil er einen anderen Rhythmus tritt. Ich verliere ihn aus den Augen, dann packt mich der Ehrgeiz. Ich muss ihn doch wieder einholen können, schließlich ist er gnädig und wartet am Straßenrand. Nun bin ich dran und habe 100 m Vorsprung, der größer wird. Jetzt verliert er mich. Nach fünf Kilometern verstecke ich mich in einem lauschigen Wartehäuschen, um ein paar Fotos bei der Vorbeifahrt zu schießen.P1080886

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Und wusch! ist der Peter vorbei, ohne mich entdeckt zu haben. Jetzt ist es wieder an mir, zu ihm aufzuschließen. Er denkt, ich sei noch vorn, und tritt richtig rein. So geht das über Kilometer. Schließlich hält er an, weil er gar nicht glauben kann, dass ich so schnell fahre.  Auf diese Weise haben wir auf diesem Teilabschnitt einen knappen 30er Schnitt eingefahren. Geht doch!

Gegen 16 Uhr rollen wir in die Altstadt von Tabor ein. Die Vorbereitungen für ein Komödianten- und Artistenfest laufen auf vollen Touren. Der Soundcheck ist brutal laut und lässt nichts Gutes für die Nacht erwarten.fullsizeoutput_35f1P1080907

So gönnen wir uns am Marktplatz das obligatorische Zielankunftsbier und fahren dann in die Unterstadt zur Hotelsuche hinunter. Im Hotel Tabor werden wir fündig, duschen den Höhenmeterschweiß ab und begeben uns auf Kulturspaziergang.

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Die nächste Etappe wird uns ins beschauliche Krumlov an der Moldau führen. Doch davor hat der Landschaftsgestalter wieder reichlich Rampen eingebaut. Die erste gleich in südlicher Verlängerung der im Bau befindlichen Brücke. Tschüss Tabor.

Südböhmen at its best.

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Klecaty und Holasovice sind kleine Dörfer, die im Bauernbarock gestaltet sind – zwischen 1830 und 1850, als die Zeit der Leibeigenschaft zu Ende ging.

 

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UNESCO- Weltkulturerbe seit 1998

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In Klecaty und Holasovice fühlen wir uns ins 19. Jahrhundert versetzt. Dörfer, die aussehen, wie eine Filmkulisse. Kurz darauf erreichen wir Budweis. Ein riesiger Marktplatz, Arkadengänge, barocke Ensembles, bunte Fassaden. Und natürlich Budweiser Bier.

Auch unser Ziel für heute zählt zum UNESCO-Welterbe: Krumlov oder Krummau. Herrlich gelegen in einer Moldauschleife. Oben die Festung, unten die Bürgerhäuser, die Wirtschaften und die Läden. Anzuschauen wie eine Puppenstube der Barockzeit. Zuerst kehren wir ein im „Dvorak“. Die Zeltdächer des Biergartens geben uns Schutz vor dem prasselnden Regen. Nur widerwillig werden wir an einen Tisch vorgelassen, offensichtlich wollen die Kellner nicht gerne nass werden und verziehen sich nach drinnen. Auf der Moldau ziehen Schlauchboote und Kajaks mit fröhlichen Menschen vorbei. Nass, aber gut gelaunt.

Krummau ist eine Art Rothenburg ob der Tauber in Tschechien. Touristenströme wälzen sich durch die Gassen. Nie zuvor haben wir so viele Chinesen auf einmal gesichtet. In Fünferformationen erobern sie den beschaulichen Ort. Im Gegensatz zu den eher zurückhaltend freundlichen Japanern treten sie eher forsch und sehr selbstbewusst auf. Die Botschafter der künftigen Führungsnation dieser Erde.

Unser Quartier für die Nacht finden wir im Hotel Leonardo. Traumhaft gelegen und stilvoll ausgestattet mit Antiquitäten.

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Blick aus dem Fenster

 

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unser Prunkgemach

An diesem Abend speisen wir ausnahmsweise einmal vornehm. Und zum Abschluss genehmigen wir uns noch ein Fläschchen guten Roten aus dem „Späti“. In stilvollem Ambiente würdig genossen.

Am nächsten Tag werden wir die Moldau weiter hinauf fahren und dann über die Ausläufer von Bayrischem und Böhmischen Wald hinein ins österreichische Mühlviertel. Höhenmeter warten. Demnächst mehr davon.

Wer rastet, der rostet

Auf der WordPress-Plattform betreibe ich mein Blog seit 2013 in immer wieder leicht angepasstem Outfit. Aktuell habe ich Lust, wieder Neues zu erproben. Es war notwenig geworden, seit ich meinen Tarif von „Business“ auf „Premium“ reduziert habe. Ich benötige für die zukünftigen Berichte nicht mehr 200 GB Speichervolumen. Auch Funktionen, die nur für wirkliche Business-Seiten Nutzen bringen, will ich nicht teuer bezahlen. Also begnüge ich mich mit max. 13 GB Speicher. Immer noch genügend, um über 100 Beiträge mit hochauflösenden Fotos verfügbar zu haben. Aber eben nicht genug, um über 300 Stories seit 2013 hier online zu haben. So kann jeder Leser, wenn er denn will, zurückblättern bis 2017. Und ich bin dabei, die besten Geschichten der letzten fünf Jahre auszusuchen, aufzufrischen und nach und nach ganz nach oben zu schieben.

Natürlich werde ich auch zukünftig regelmäßig in Brandenburg und darüberhinaus unterwegs sein. Immer auf der Suche nach alten Bäumen, herrlicher Natur, schönen und auch schaurigen Ansichten unserer Region.

Ich hoffe, ihr bleibt mir gewogen.

Vom Randonneur zum Kultur-Randonneur

 Geschichten zu Kultur, Natur und den Menschen in Brandenburg und drumherum.  Immer aus der Perspektive des Radfahrers.  Sportliche Top-Leistungen  überlasse ich mehr und mehr den Kollegen und Freunden – mit über 70 gönne ich mir ein verträgliches  Tempo – dafür zücke ich öfter die Kamera und versuche, mehr und mehr hinter die Dinge zu schauen, die ich beim Fahren sehe. Auch zukünftig werde ich über Räder, Ausrüstung, geeignete Kleidung und auch Training schreiben. Nur die Prioritäten haben sich geändert. Die Info-Seiten zu Brevets und Beleuchtung habe ich herausgenommen. Zu diesen Themen gibt es mittlerweile reichlich gute und aktuelle Infos im Netz. 

Ich hoffe, Ihr habt auch nach  den veränderten Prioritäten Spaß beim Lesen und Kommentieren. Bleibt gesund und habt Freude beim Radfahren! randonneurdidier